Hauptversammlung
Eon-Chef Teyssen sucht das Glück in der Ferne

Eon lädt seine Aktionäre heute in Essen zur Hauptversammlung. Der Energiekonzern hat ein desaströses Jahr hinter sich. Konzernchef Teyssen sucht sein Heil in der Ferne - und geht so auch enorme Risiken ein.
  • 2

DüsseldorfFast 10.000 Kilometer musste Johannes Teyssen reisen, um endlich ein Erfolgserlebnis zu feiern. Ohne Krawatte und mit offenem Kragen saß er auf der Terrasse einer großzügig angelegten Villa in Rio de Janeiro. Im Hintergrund zeichnete sich die nächtliche Skyline der brasilianischen Metropole, der Hafen und der Zuckerhut ab.

Etwas erschöpft, aber zufrieden lächelte der Eon-Chef in die Kamera, als er zum Füller griff - und die frisch ausgehandelten Verträge unterschrieb. Sein neuer Partner, der neben ihm saß, ist einer der reichsten Männer der Welt, der Milliardär Eike Batista. Teyssen und Batista besiegelten eine bedeutende, strategische Partnerschaft. Eon und Batistas Unternehmen MPX werden in den kommenden Jahren im großen Stil Kraftwerke in Brasilien bauen - und Milliarden Euro investieren.

Der Ortstermin Anfang Januar in Rio de Janeiro war für den Eon-Chef gleich mehrfach bedeutend. Denn der Konzern hat ein katastrophales Jahr hinter sich, in dem Eon erstmals in seiner Geschichte in die Verlustzone rutschte, den Atomausstieg verkraften musste und sich mit den Gewerkschaften über den Abbau von 11.000 Stellen stritt. Den erfolgreichen Geschäftsabschluss konnte Teyssen nicht nur deshalb gut gebrauchen. Gleichzeitig gelang ihm damit ein erster bedeutender Schritt seiner neuen Strategie, in Wachstumsmärkte zu investieren und Eon unabhängiger vom europäischen Markt zu machen.

Und die Expansion ins ferne Brasilien soll Symbolwirkung haben: Eon, so Teyssens Botschaft, hat eine Zukunft jenseits des schwierigen Heimatmarktes, wo der Atomausstieg die Gewinne auffrisst. Teyssen sucht sein Heil in der Ferne. Er schlägt damit eine Strategie ein, die zwar neue Chancen eröffnet, aber auch viele Risiken birgt.

Die Aktionäre können Erfolgsmeldungen wie die aus Brasilien jedenfalls ebenso gut gebrauchen wie eine Zukunftsperspektive. Im vergangenen Jahr mussten sie schließlich viel Leid ertragen. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima vor gut einem Jahr schockierte die Welt und änderte Eons Geschäftsgrundlage in Deutschland mit dem Atomausstieg und der Energiewende komplett. Auf Jahressicht hat die Eon-Aktie knapp ein Viertel an Wert verloren und dümpelt bei gut 17 Euro. Konkurrent RWE musste zwar im selben Zeitraum ähnlich stark büßen. Der Deutsche Aktienindex verlor aber nur acht Prozent.

Kommentare zu " Hauptversammlung: Eon-Chef Teyssen sucht das Glück in der Ferne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • wer kann denn so leichtsinnig sein und in deutschland in langfristige technik investieren? ich danke unseren klugen sicherheitsbewußten mitbürgern und den populistischen politikern, die nicht führen sondern sich vom volkeswillen führen lassen.
    und es ist wie es immer ist. wo der staat eingreift werden die güter knapp und teuer.

  • Ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Dank der CDU/SPD/FDP/Grünen Energiewender ist nicht nur der Strom in D zu einem Luxusgut gemacht worden, sondern auch dürfen die deutschen Ingenieure in ihrer Heimat nicht das machen was gut für das Land wäre. Also müssen die ihre Fähigkeiten in die Länder bringen welch die zu schätzen wissen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%