Hauptversammlung
Henkel: Hoch die Haare

Heute ist der Tag der Wahrheit bei Henkel: Auf der Hauptversammlung muss die Konzernspitze Antworten geben auf die schwierige Geschäftssituation. Denn die Klebersparte bricht dramatisch ein. Ein Glück, dass das Haar-Geschäft mit Shampoos und Colorationen brummt. Gerade in der Krise ist Schönsein "in".

DÜSSELDORF. Wer hierherkommt, will sich verändern lassen. Und zwar gratis. Es ist sieben Uhr morgens, die Luft leicht parfümiert, die Wände sind mit Spiegeln dekoriert. Auf 14 Stühlen sitzen 14 Freiwillige, meist Frauen. Hinter ihnen stehen Damen in schwarzen Kitteln mit Messer und Schere. Sie zupfen und schneiden, sie pflegen und färben, sie föhnen und tönen, sie kämmen und wellen.

Einer wandert von Stuhl zu Stuhl und inspiziert die Verwandlungen: Andreas Scholten, 48. Als Verantwortlicher für die Produktentwicklung in der Haarkosmetik bei Henkel ist er Chef des Testsalons auf dem Gelände des Konsumgüterkonzerns in Düsseldorf-Holthausen. Scholten schaut hier, zupft dort. Der Friseurmeister wirkt bis in die Haarspitzen motiviert.

Ob blond, brünett oder rot: Sein 250 Quadratmeter großes Haarlabor ist für Henkel in Krisenzeiten eine Goldmine. Die Kosmetik mit Marken wie Fa, Bac, Gliss, Theramed oder Schwarzkopf schafft mit 4,7 Prozent das größte Umsatzwachstum bei Henkel - klar vor Waschmittel und Kleber. Das verdankt die Sparte den Shampoos und Tönungen aus Scholtens Labor. Und der grassierenden Wirtschaftskrise.

Vor allem dank der haarigen Geschäfte kann Vorstandschef Kasper Rorstedt seinen Aktionären heute auf der Hauptversammlung auch Erfreuliches berichten. Während im ersten Quartal dieses Jahres das Betriebsergebnis der Klebstoffsparte wegen schwacher Nachfrage um zwei Drittel auf 45 Millionen Euro einbrach und der Waschmittelbereich nur geringfügig zulegte, verbuchten Haar-, Mund-, Gesichts- und Körperpflegemittel ein Umsatzplus von drei Prozent.

Für Laborfriseur Scholten ist das natürlich längst kein Grund, Föhn, Kamm und Colorationen wegzulegen. Er will mehr und deutet auf die Salontür: "Ich möchte, dass alle, die da draußen sind, unsere Produkte kaufen."

Die Zeit ist günstig für große Ziele - für alle Hersteller der Haar- und Körperpflegemittel-Industrie. Ob bei Henkel, bei Unilever oder bei Procter&Gamble: "Grundsätzlich ist es so, dass bestimmte Bereiche der Konsumgüterindustrie in einer Wirtschaftskrise stabilisierende Wirkung haben", sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes in Berlin. Der Trend zum "Cocooning", dem Sich-Zurückziehen, um Heim, Haut und Haar zu verschönern, sei fast ein automatischer Reflex. "Wenn es einem nicht gutgeht, will man wenigstens gut aussehen", sagt Kannengießer. Aber auch nicht allzu teuer dafür bezahlen.

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