Hauptversammlung in der Porsche-Arena
Besonderes Programm für stimmrechtslose Aktionäre

Bei der Hauptversammlung fallen die Porsche -Kleinaktionäre durch vornehme Kleidung, edle Accessoires und ausgeprägtes Interesse für Sportwagen aus Zuffenhausen auf. Ihnen wird dort ein ganz besonderes Programm geboten: Der luxuriöse Autobauer stilisiert sich Jahr für Jahr mit feiner Selbstironie zum mutigen Einzelgänger, der gegen den Strom schwimmt und so Erfolg hat. Ein Stimmungsbericht.

mwb/HB STUTTGART. "Ein bisschen wenig Platz ist ja im 911er schon", sagt die elegante Mittvierzigerin im Escada -Kostüm. "Aber gnädige Dame, ein 911er-Fahrer braucht doch eh nur kleines Gepäck mit Zahnbürste", erklärt der Porsche -Mitarbeiter freundlich.

Zu sagen haben die stimmrechtslosen Vorzugsaktionäre bei der Hauptversammlung eh nichts. Aber das macht den meisten auch nichts. Sie sind in erster Linie Fans und erst in zweiter Linie Anteilseigner. Sie kommen zu dem Sportwagenbauer, der sich gerade Europas größten Autohersteller VW einverleibt sowieso nicht, um mitzureden, sondern um Unterhalten zu werden.

Und da lässt sich Porsche nicht lumpen. Kultstatus hat inzwischen der Image-Film zu Beginn der Veranstaltung. Unter dem Titel "Und ob" erklärt Porsche diesmal die aktuelle Standortbestimmung und Strategie, Produktwerbung steht anders als bei vergleichbaren Streifen von Daimler und BMW nicht im Mittelpunkt. In den Jahren davor lauteten die Titel viel sagend "Eigentlich", "Vielleicht", "Trotzdem" oder "Na denn".

Dabei stilisiert sich Porsche - mitunter auch mit feiner Selbstironie - in immer wieder neuen Variationen zum mutigen Einzelgänger, der gegen den Strom schwimmt und deshalb Erfolg hat. Da fallen Seitenhiebe in dem Werbestreifen gegen Mercedes leicht. "Wir haben keine Hochzeit im Himmel und Optionen für die Vorstände". Eingeblendet wird ein Abschleppfahrzeug mit silbergrauen Fahrzeugen.

Allein im vergangenen Jahr hat Porsche vor Steuern 5,9 Mrd. Euro bei 7,4 Mrd. Euro Umsatz verdient. Auch die Absatzzahlen für das erste Hälfte des Geschäftsjahres 2007/08 (31. Juli) können sich sehen lassen. Dank des neuen Modells seines Geländewagens Cayenne ist der Sportwagenhersteller auf dem Weg zu einem Absatzrekord. Ausgerechnet das technisch überholte, aber immer noch spritdurstige Modell überschreitet die von der EU geplante Obergrenze für die CO2-Emissionen jedoch weit. Die Vorschriften der EU seien ein "Bedrohungsszenario" für Porsche und die deutsche Autoindustrie, die "kaum noch Luft zum Atmen lassen" würden, wettert Wiedeking in diesem Zusammenhang. Durch eine Übernahme von VW könnte Porsche die vorgesehenen Strafzahlungen deutlich mildern.

Weltweit werden in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs voraussichtlich 46 600 Fahrzeuge von Porsche ausgeliefert, fast 19 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das ist mehr, als von Analysten erwartet wurde: Sie hatten für die Monate August bis Januar im Schnitt lediglich mit einem Absatzplus von gut 15 Prozent auf 45 300 Autos gerechnet.

Der Umsatz kann aber mit dem Tempo des Absatzwachstums nicht mithalten, da Porsche den schwachen Dollar zu spüren bekommt und weniger teuere Modelle des Sportwagens 911 auslieferte. In den sechs Monaten bis Ende Januar werde der Umsatz voraussichtlich um 14,2 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro zulegen, teilte Porsche mit. Das Fahrzeuggeschäft liege operativ im Plan, sagte Porsche -Chef Wendelin Wiedeking. "Auch das Halbjahresergebnis dürfte unseren optimistischen Erwartungen entsprechen", sagte er. Details zur Gewinnentwicklung sollen jedoch erst im März bekanntgegeben werden, um die Geschäftszahlen von VW berücksichtigen zu können.

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