Hauptversammlung
Linde marschiert unbeeindruckt durch die Finanzkrise

Das sehen die Aktionäre des Industriegaskonzerns Linde gerne: gute Ergebnisse, gute Prognosen und keine Angst vor der Finanzkrise. Selbstbewusst verkündet Wolfgang Reitzle seine Pläne fürs kommende Jahr.

HB MÜNCHEN. Den Industriegaskonzern Linde lässt die Finanzkrise kalt. So kündigte Vorstandschef Wolfgang Reitzle selbstbewusst für das laufende Jahr eine weitere "Steigerung des Umsatzes und eine überproportionale Ergebnisverbesserung" an. Linde sei "stabil und gleichzeitig schnell unterwegs". Der Gasemarkt wachse um rund sieben Prozent jährlich. "Wir haben allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken", sagte der Konzernchef unter dem Beifall der anwesenden 1600 Aktionäre auf der Hauptversammlung des Industriegaskonzerns. Im ersten Jahr nach der Übernahme des britischen Konkurrenten BOC konnte Linde den Umsatz um 14 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro und den Betriebsgewinn um 18 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro steigern. Für 2010 strebt Reitzle ein "operatives Konzernergebnis von mehr als 3,0 Milliarden Euro an". Zwar rechnet Linde für 2008 mit stärkeren Währungseinflüssen, zeigt sich davon aber unbeeindruckt. Im vergangenen Jahr habe der starke Euro Umsatz und operatives Ergebnis belastet. 2008 werde der Einfluss gar noch höher ausfallen. Eine Veränderung des US-Dollars um einen Cent habe bei Linde Auswirkungen auf den Umsatz von 10 Millionen Euro. Betroffen sei allerdings nur die kleinere Sparte Anlagenbau, die überwiegend in Dollar verkaufe. "Das stört uns nur bedingt", weil die Geschäfte gut liefen, betonte Reitzle. Von den Aktionären wurde der Gaskonzern für seinen erfolgreichen Expansionskurs gelobt. "Machen Sie kontinuierlich weiter so!" forderte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und sagte für Ergebnis-, Kurs- und Dividendenanstieg "ein herzliches Dankeschön an den Vorstand und jeden einzelnen Mitarbeiter". Bergdolt sagte: "Das Geschäftsjahr ist hervorragend gelaufen." Trotz des starken Euros habe Reitzle "alle Zusagen eingehalten". Die Aktionäre könnten sich über einen zweistelligen Kursanstieg und eine Dividendenerhöhung um 13 Prozent auf 1,70 Euro freuen. Hans Buhlmann-Martin von der Vereinigung institutioneller Privatanleger lobte, der Aktienkurs sei stärker gestiegen als der Dax: "Das haben sie brav gemacht." Kritik äußerte er aber an Reitzles Gehalt von über acht Millionen Euro, das zu den höchsten deutscher Konzernchefs gehört. Die übrigen Linde-Vorstandsmitglieder "müssen sich den schäbigen Rest teilen", spottete Buhlmann unter dem Beifall der Aktionäre und forderte den Aufsichtsrat zur Umverteilung auf. Franz Wagner, der zum erstenmal für die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) sprach, kritisierte, dass sich der Gewinn nach Steuern wegen des milliardenschweren Kaufs von BOC auf 952 Millionen Euro halbiert habe: "Diese Delle ist da." Reitzle erklärte, der doppelt so hohe Gewinn des Vorjahres sei nach der BOC-Übernahme und vor dem Verkauf der Linde-Gabelstaplersparte ein einmaliger Ausreißer nach oben gewesen.

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