Hauptversammlung
Lkw-Bauer MAN peilt Weltklasse an

Bei der Hauptversammlung wird VW heute seinen Einfluss bei MAN ausbauen. Die Eingliederung sorgt für gemischte Gefühle. Der Abschied aus dem Dax schmerzt. Aber nun könnte der Aufstieg in die Weltspitze beginnen.
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MünchenAm heutigen Freitag werden Fakten geschaffen. Die MAN-Aktionäre sollen drei von Volkswagen gesandte Manager neu in den Aufsichtsrat wählen. Damit demonstriert MAN-Chefaufseher Ferdinand Piëch, wer das Sagen hat, denn der Wolfsburger Konzern kontrolliert seit einigen Tagen 73 Prozent der Stimmrechte. Die einstige „Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg“ wird eine weitere Marke im VW-Konzern. Wie bei Audi dürfte Volkswagen eine Vollkonsolidierung anstreben, also einen Stimmenanteil knapp unter 100 Prozent.

Ein Gewinnabführungsvertrag könnte dann auch die finanziellen Verhältnisse zwischen Mutter und Tochter klar regeln. Und: MAN wird sich aus dem führenden Aktienindex Dax verabschieden.

Immerhin wird es eine freundliche Übernahme: Nach einigen Irrungen und Wirrungen zwischen Wolfsburg und München in den vergangenen Jahren sind Management und Betriebsräte bei MAN inzwischen voll auf Kurs. „Wir erhalten Rückenwind aus der Kooperation mit der VW-Gruppe“, schrieben MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen und sein Betriebsratschef Jürgen Dorn an ihre Beschäftigten.

Das laufende Geschäft ist allerdings durchwachsen: 2011 hat MAN zwar mit 16,5 Milliarden Euro den höchsten Absatz der Firmengeschichte erzielt und in Europa Marktanteile gewonnen. Doch finanzielle Altlasten verhageln das Ergebnis: 434 Millionen Euro kostet die Abwicklung der Ferrostaal-Affäre, immerhin ist der Anlagenbauer jetzt komplett aus den Büchern der MAN. Weitere 182 Millionen kostet die Neubewertung der Scania-Aktien, die MAN seit einigen Jahren hält. So bleiben unter dem Strich 247 Millionen Euro Gewinn.

Der Ausblick für 2012 ist eher schwach: Wegen neuer Abgasvorschriften in Brasilien dürfte das Geschäft in dem Boomland im ersten Halbjahr einbrechen, MAN als Marktführer wird besonders hart getroffen. Der europäische Lkw-Markt soll stabil bleiben, Zuwächse erhofft  Pachta-Reyhofen sich bei Schiffsmotoren, Kraftwerken und Kompressoren, die ein Drittel der Erlöse liefern. Insgesamt geht er von leicht sinkenden Umsätzen und Gewinnen für 2012 aus.

Die flaue Nutzfahrzeugnachfrage in Westeuropa hat MAN bereits den Jahresauftakt verhagelt. Der operative Gewinn schrumpfte laut vorläufigen Zahlen im ersten Quartal auf 253 Millionen Euro, das sind 22 Prozent
weniger als vor Jahresfrist, wie die VW-Tochter vor der Hauptversammlung mitteilte.

Wie vor Jahresfrist verkaufte MAN in den ersten drei Monaten des Jahres rund 35.000 Nutzfahrzeuge weltweit. Europa ist der größte Markt der Münchner. Im bisher boomenden Brasilien, wo MAN Marktführer ist, leidet das Lkw-Geschäft unter der Umstellung auf strengere Abgasvorschriften. Der Druck auf die Margen sei vor allem in den stagnierenden Märkten hoch, hieß es.

Der Konzernumsatz legte im ersten Quartal leicht, nämlich um ein Prozent, auf 3,8 Milliarden Euro zu. In der Sparte Power Engineering, in der Großmotoren und Antriebstechnik gebündelt sind, zogen die Erlöse um rund fünf Prozent an. Der Auftragseingang lag mit 4,4 Milliarden etwa auf der Höhe des guten Vorjahreswertes.

Kommentare zu " Hauptversammlung: Lkw-Bauer MAN peilt Weltklasse an"

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  • Wenn VW eine clevere ,Zukunftsweisende Strategie zum Weltweiten Vertrieb mit hohen Standards einschlägt,könnten und werden einige andere Hersteller sich warm anziehen müssen.MAN wurde im Ausland teilweise sehr "Stiefmütterlich" vertrieben.Dies muß sich ändern und jeder absatzmarkt muß berücksichtigt werden.Dies ist Aufbauarbeit,die man als sehr mühsam,hart und mehr als Arbeitsintensiv bezeichnen muß.
    Der beste weg um relativ schnell in unterepresentierten Ländern absatz zu schaffen ist eine anbindung an vorhandene Vertriebsstrukturen.Wobei die Logistik für den "After Sales " bereich z.b. Ersatzteillieferungen ebenso in die vorhandenen Strukturen(von Deutschland) miteingebunden werden sollten. Es ist effektiver und billiger einen Container mit VW,Audi und MAN Teilen zu befüllen und dementsprechend in das Zielland zu befördern.Ebenso sollte man sich Gedanken machen wie man in Zukunft ,als Porsche eigner , dortige Strukturen prüft und ebenfalls diese modernisiert und zentralisiert.
    Viel Arbeit VW -bitte aber mit den richtigen Leuten in den oberen Führungsebenen ,die auch anpacken können und nicht nach 35 Stunden die Woche den Hammer fallen lassen.

  • @ Alexander:
    As you may aware of stats is always about what you put together by yourself!
    Here it ia all of the commercial vehicles business. With looking into HCV only, the ranking would look very different with MB, Volvo, MAN/Scania. Do you like this more?

  • Ich vermisse in Ihrer Top-10-Aufstellung den PACCAR-Konzern (USA). Mit den Marken DAF, Peterbilt, Kenworth und Leyland wurden im Gesamtjahr 2011 rund 138.000 LKW abgesetzt, was auf den Zeitraum bis September heruntergebrochen rund 103.000 Fahrzeuge ergäbe.

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