Hauptversammlung
„MAN behandelt Aktionäre nicht anständig“

Auf der Hauptversammlung von MAN rückt das Geschäft in den Hintergrund. Die machen Aktionärsvertreter ihrem Ärger Luft: Der Lkw-Bauer verliert die Unabhängigkeit – und die Anteilseigner erhalten eine niedrige Abfindung.
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MünchenAuf seinem Weg zur kompletten Machtübernahme bei MAN hat sich Großaktionär Volkswagen heftige Schelte von seinen Mitaktionären anhören müssen. Auf der Hauptversammlung des Münchner Lastwagen- und Maschinenbaukonzerns, bei der sich VW einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag absegnen lassen will, machten am Donnerstag viele Anteilseigner ihrem Ärger Luft. "MAN kann vieles", kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Anspielung auf den Werbeslogan der Firma, "aber anscheinend nicht die Aktionäre anständig behandeln." Das Abfindungsangebot und die Gewinnwarnung von Dienstag klängen "wie Hohn in den Ohren der Aktionäre". Das vergrößere das Misstrauen in die objektive Bewertung. "Sie sollten sich eigentlich schämen."

VW will sich mit dem Beherrschungsvertrag den vollen Zugriff auf die MAN-Kasse und uneingeschränkten Einfluss auf die Unternehmensführung sichern. Die Zustimmung der Hauptversammlung ist reine Formsache, denn Europas größter Pkw-Hersteller hält etwas mehr als 75 Prozent der MAN-Anteile. Die Minderheitsaktionäre sollen abgefunden werden.

"Eine Ära geht zu Ende, die Ära einer selbstständigen, stolzen MAN", sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Unter VW schreite die "Entdemokratisierung" fort, kritisierte Kleinanleger Heinrich Zöller und verlangte, der Lastwagenbauer müsse sich "aus der Umklammerung lösen". Dem MAN-Vorstand war er "einseitiges Denken nach VW-Schema" vor. Er forderte die anderen Anteilseigner auf, "wenigstens ein Zeichen zu setzen", damit VW wisse, dass die Kleinanleger keine Schafe seien, die widerspruchslos allem zustimmten.

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen versuchte, den rund 1600 Aktionären die Zukunft des Unternehmens im Wolfsburger Fahrzeugimperium schmackhaft zu machen. "MAN ist nun Teil der Volkswagen-Familie." Der Konzern schlage damit ein neues Kapitel in seiner mehr als 250-jährigen Unternehmensgeschichte auf, das "langfristig eine Erfolgsgeschichte erzählen" werde. Der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag, den Pachta-Reyhofen sehr detailliert präsentierte, ebne den Weg für "erhebliche Synergien" im Einkauf, in Forschung und Entwicklung und in der Produktion. VW will nach der Übernahme der vollen Kontrolle bei MAN die schleppend verlaufende Lkw-Allianz mit der schwedischen Konzerntochter Scania anschieben.

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