Hauptversammlung
Merck erteilt Massenmärkten eine Absage

„Massenmärkte waren nie das Ziel von Merck“, sagte Merck-Chef Römer vor Aktionären und bekräftigt damit die Absicht des deutschen Pharmakonzerns die Generikasparte zu verkaufen. Auch bei Merck-Serono soll Römer kräftig auf die Tube drücken.

HB FRANKFURT. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will die Integration des Schweizer Biotechunternehmens Serono schnell abschließen. „Der größte Teil der Arbeit sollte bis Ende des Jahres erledigt sein“, sagte Karl-Ludwig Kley, der nach Ablauf der Merck-Hauptversammlung die Nachfolge von Vorstandschef Michael Römer antritt, am Freitag. „Wir sind schnell. Je länger sie an einer Integration arbeiten, desto mehr Unruhe kommt in das Unternehmen. Ich werde den Integrationsprozess auch weiter führen.“ Mit dem milliardenschweren Kauf von Serono, mit dem Merck zur Nummer eins in der europäische Biopharmazie wurde, gelang den Darmstädtern die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte.

Zudem legte der bisherige Unternehmenschef Michael Römer die Führung des gesamten Pharmakonzerns in die Hände seines bisherigen Stellvertreters Karl-Ludwig Kley. In seiner letzten Rede vor den Aktionären bekräftigte Römer die Absicht des Konzerns, die Generikasparte zu verkaufen. Allerdings sei zu der geplanten Veräußerung noch keine Entscheidung gefallen.

„Wir haben in den letzten Jahren Weichen gestellt, um Merck zukunftsfähig zu machen“, sagte der scheidende Merck-Chef mit Verweis auf die Übernahme des Schweizer Biotechnologieunternehmens Serono. Die breitere Aufstellung des Darmstädter Familienunternehmens sei nicht die Leistung eines einzelnen, sondern eines leistungsfähigen Teams gewesen. Römer überreichte seinem Nachfolger ein Fußballtrikot mit der Mannschaftsnummer 10: „Ich übergebe deshalb Karl-Ludwig Kley das Spielmacher-Trikot für eine wirklich tolle Mannschaft.“

Der ehemalige Lufthansa-Finanzvorstand Kley begann seine Karriere 1982 beim Chemie- und Pharmamulti Bayer. 1998 wechselte der verheiratete Vater eines Sohnes in den Vorstand der Lufthansa AG. Am 1. September 2006 trat der 55-Jährige in die Geschäftsleitung von Merck ein. Römer wird nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsleitung in den Vorstand der E. Merck OHG wechseln, der Obergesellschaft des Merck-Konzerns, die die Interessen der Inhaberfamilie bündelt.

„Massenmärkte waren nie das Ziel von Merck“, sagte Römer mit Blick auf die Generikasparte. Daher sei die mögliche Veräußerung dieses Geschäftsbereichs ein „richtiger Schritt in die Zukunft“. Der Generikamarkt sei geprägt von starkem Wachstum und starkem Wettbewerb. Damit aber wachse der Druck auf die Hersteller: „Es wird immer weniger aber dafür größere Anbieter in diesem Markt geben.“ Das Darmstädter Unternehmen sehe seine Zukunft eher als Anbieter innovativer Produkte.

Merck-Finanzchef Michael Becker erklärte, sollte es zu einem Verkauf kommen, werde die Transaktion voraussichtlich erst gegen Jahresende vollzogen. Aktionärsvertreter lobten die geplante Transaktion, die einen Milliardenbetrag in die Kasse von Merck spülen dürfte. Der Zeitpunkt sei gut gewählt, da derzeit hohe Preise für Generikaanbieter gezahlt würden, sagte Sébastien Buch von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Die Hauptversammlung beschloss am Freitag erwartungsgemäß eine Dividende von 90 Cent je Aktie sowie eine Bonusdividende von weiteren 15 Cent. Der Bonus resultiert vor allem aus dem gescheiterten Versuch, den Konkurrenten Schering zu übernehmen, der Merck einen Sondergewinn von 378 Mill. Euro eingebracht hatte.

Zudem scheiterte Merck auf der Hauptversammlung mit dem Vorschlag zur Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals gescheitert. Der Vorschlag der Verwaltung habe nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit erreicht, teilte der MDAX-Konzern im Anschluss an seine Hauptversammlung am Freitag mit. Allen übrigen Anträgen der persönlich haftenden Gesellschafter und des Aufsichtsrates hätten die Aktionäre mit deutlicher Mehrheit zugestimmt.

Bei dem von den Aktionären nicht gebilligten Vorschlag handelte es sich um die Zustimmung zur Schaffung eines genehmigten Kapitals in Höhe von rund 83,97 Mill. Euro. Er sollte den Angaben eines Unternehmenssprechers zufolge einen noch bis 2010 gültigen Vorratsbeschluss über 64,35 Mill. Euro ablösen, den Merck wegen der Übernahme von Serono allerdings bereits zu knapp 54 Prozent ausgenutzt hat.

Bei dem nicht genehmigten neuen Kapital habe es sich lediglich um einen Vorratsbeschluss gehandelt, erklärte der Merck-Sprecher. Das für Finanzen zuständige Mitglied der Geschäftsleitung, Michael Becker, hatte auf der Hauptversammlung erklärt, dass Merck zur Finanzierung von weiterem Wachstum keine Kapitalerhöhung plane.

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