Hauptversammlung
Merck sucht das nächste Geschäftsfeld

Im vergangenen Jahrzehnt hat der Chemie- und Pharmakonzern Merck Milliarden in die Übernahme von Biotechnologie-Unternehmen gesteckt. Jetzt bereitet sich der Konzern auf die nächste Expansionsphase vor.
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Frankfurt„Fit für 2018“ lautet die neueste Devise von Merck. Das Jahr ist mit Bedacht gewählt: Dann feiert der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern sein 350-jähriges Bestehen – ein seltenes Jubiläum in der deutschen Industrie. Hinter der Fixierung auf 2018 steckt aber auch strategisches Kalkül.

Denn nach etlichen Fehlschlägen in der Forschung hat sich bei Deutschlands drittgrößtem Pharma- und fünftgrößtem Chemiehersteller, der seine Aktionäre für heute zur Hauptversammlung eingeladen hat, eine Kluft aufgetan zwischen einer aktuell noch soliden Geschäftsentwicklung und mittelfristig eher unsicheren Perspektiven. Maximal sechs Jahre bleiben Firmenchef Karl-Ludwig Kley und seiner neu formierten Führungsmannschaft, um das zu ändern. Sonst läuft der Konzern Gefahr, mit seinen beiden wichtigsten Geschäftsfeldern in eine Abwärtsspirale zu geraten.

Die Herausforderung besteht dabei nicht nur darin, bis zum Jubiläumsjahr genügend neue Wachstumsträger zu finden. Es geht zunächst auch darum, die Ressourcen für deren Finanzierung zu sichern. Nicht ganz freiwillig hat Kley dem Traditionskonzern daher eine zweijährige Atempause samt Effizienzprogramm verordnet. Dem Umbau durch große Übernahmen – seit der Jahrtausendwende gab der Konzern rund 15 Milliarden Euro für Zukäufe aus – soll nun die Neuordnung im Innern folgen.

Was intern noch für beträchtliche Unruhe sorgt, hinterlässt am Kapitalmarkt schon positiven Eindruck. Nach zwei mageren Jahren verbuchte die Merck-Aktie 2011 mit 28 Prozent Kursgewinn die stärkste Entwicklung im Leitindex Dax. Dabei dürfte freilich nicht nur die Zuversicht eine Rolle spielen, dass die Merck-Führung endlich strukturelle Defizite anpackt.

Anlass zur Korrektur der Bewertung gab letztlich wohl auch die Erkenntnis, dass das operative Geschäft vorerst noch rundläuft – ungeachtet der Forschungsausfälle. Vor allem das Scheitern mit einem Medikament gegen Lungenkrebs und einem gegen multiple Sklerose (MS) schmerzt Merck. Im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse um elf Prozent auf erstmals mehr als zehn Milliarden Euro, wobei die Konsolidierung des US-Zukaufs Millipore gut die Hälfte zum Umsatzplus beisteuert. Ohne Zukäufe ist Merck in der Chemie um vier Prozent, im Arzneimittelgeschäft sogar um rund fünf Prozent gewachsen – und damit besser als die Pharmabranche insgesamt. Für 2012 stellt der Konzern ein leichtes Wachstum in Aussicht.

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