Hauptversammlung
Porsche-Deal überlagert VWs Schwächen

Am Donnerstag segnet die Hauptversammlung von Volkswagen die Porsche-Übernahme ab. Der Triumph überdeckt dabei die Schwächen der Marke VW: zu kleine Margen, zu viele Mitarbeiter. Vorstand Jochem Heizmann soll das nachhaltig ändern, allerdings ist dies eine Aufgabe mit einigem Anspruch.
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WOLFSBURG. Wer die größte Autofabrik der Welt erkunden will, nimmt am besten die Bahn. Über sechs Quadratkilometer erstreckt sich das Volkswagenwerk in Wolfsburg, 75 Kilometer Straßen gibt es. Also rein in die „Besucherbahn“. Die rollt auf Reifen statt Schienen, gezogen wird sie von einem VW Golf ohne Dach. Die feuerroten Sitze stünden jeder Kirmes-Achterbahn gut zu Gesicht.

Auf der langen Geraden zwischen dem Presswerk, Halle 2, und Karosseriebau, Halle 3, drückt der Fahrer aufs Gas. Den Besucher presst es in den Sitz. 300 schnurrende PS hat der Eisenbahn-Golf unter der Haube.

Power und Perfektion waren immer schon die obersten Maximen bei VW. Doch wer seine Maximen nicht rechtzeitig an den Markt anpasst, der riskiert, überholt zu werden.

Einen Triumph von Power und Perfektion feiert VW heute. Um 10 Uhr stellt sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch in Halle A4 der Hamburger Messe ans Rednerpult. Zur außerordentlichen Hauptversammlung hat der Autoregent geladen, denn es gilt, einen außerordentlichen Deal abzusegnen: die Übernahme von Porsche.

Eigentlich wollte der Sportwagenhersteller VW schlucken. Doch Piëch drehte den Spieß um, kraftvoll und clever. Nun lässt er sich den Coup von den Aktionären absegnen. Porsche wird VW-Marke Nummer zehn.

Höchste Zeit, sich um Marke Nummer eins zu kümmern, VW. Was Besucher bei der Rundfahrt in Wolfsburg nur ahnen können, räumen Manager hinter vorgehaltener Hand ein: Volkswagen muss dringend besser werden. Zu geringe Margen, zu viele Mitarbeiter, zu teure Produktion.

Auch wenn VW bald so groß sein könnte wie Weltmarktführer Toyota, so effizient wie Toyota ist der Konzern aus Wolfsburg noch lange nicht. Das ist gefährlich. Konkurrenten wie Hyundai und Kia starten nach der Krise schon wieder durch. Und der Wettbewerb wird immer härter, wie der maue Ausblick des Branchenverbandes VDA für 2010 zeigt.

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  • VW ist und bleibt ein unternehmerisches Vorbild, insb. in einer ansonsten eher eindimensional auf kurzfristige Renditemaximierung ausgerichteten Politik vieler anderer Konzerne.
    Erfolg als Symbiose aus innovationsvorsprung, gesellschaftlicher Verantwortung und Finanzen, das rechtfertigt und sichert im übrigen Prämiumpreise. Das "Paradebeispiel" Toyota ist im Jahr 2009 nicht mehr wirklich aktuell, Toyota hat viel von seinem einztigem Glanz verloren, Qualitätsprobleme an allen Enden (mit Ausnahme der japanischen Stammwerke) und mittlerweile auch Ertragsprobleme zeigen ein anderes bild als der Artikel suggeriert.

    in der gesamtwirtschaftlichen betrachtung, d.h. unter berücksichtigung der gesellschaftlichen Wertschöpfung, ist das Modell VW ohnehin als erfolgreicher einzustufen als so manches "25% EK-Rendite" Modell, was letztendlich die EK-Rendite zulasten der Solidargemeinschaft "erwirtschaftet".

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