Hauptversammlung: RWE-Aktionäre wollen Dividende kürzen

Hauptversammlung
RWE-Aktionäre wollen Dividende kürzen

Die RWE-Aktionäre sind schlechte Nachrichten gewohnt und plädieren sogar für eine Kürzung der Dividende. Den Einzug des ehemaligen BDI-Präsidenten Keitel in den Aufsichtsrat sehen sie jedoch kritisch.

EssenEssen Hauptbahnhof, 9 Uhr, am Donnerstag. Die U-Bahn ist an diesem Morgen voll mit ergrauten Herren im Rentenalter, die angespannt auf die Leuchtanzeige in der ruckelnden Bahn schauen. „Gruga“ steht da jetzt in gelben Pünktchen. Nachdem sich einige nochmal beim Nebenmann versichert haben, dass es sich auch um die richtige Haltestelle handelt, strömen sie hinaus. Auf dem Treppenabsatz warten schon uniformierte Hundertschaften der Polizei und beobachten ihre Schritte. Heute ist die Hauptversammlung des Essener Energiekonzerns RWE, da gehört Polizeischutz dazu. „Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass das auch nötig ist“, sagt eine Polizistin.

Erst die Atomkraft, nun die Steinkohle – RWE steht seit Jahren in der Kritik bei Umweltschützern. Auch heute haben sich ein paar von Ihnen vor der Gruga-Halle in Essen versammelt und halten Transparente mit „RWE blockiert die Energiewende“ hoch. Das Polizei- und Security-Aufgebot scheint angesichts der geringen Protestbeteiligung zwar etwas übertrieben, aber man weiß ja nie.

Drinnen geht es weiter, Taschen und Menschen werden durchleuchtet, Flüssigkeiten überprüft. Dabei ist klar, dass es heute nichts Kontroverses zu diskutieren geben wird. Seitdem der polternde Atomkraftbefürworter Jürgen Großmann nicht mehr Vorstandschef ist, hat der Konzern vorsichtigere Töne angeschlagen. Der neue Vorsitzende Peter Terium wirkt zurückhaltender und macht meist das, was die Öffentlichkeit von ihm erwartet: Die erneuerbaren Energien loben. „RWE steigt aus dem Neubau von Kernkraftwerken komplett aus“, hatte er bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im Juli gesagt. Aktionärsschützer sind dem Neuen wohlgestimmt. „Sie passen sehr gut zu der neuen RWE, die nicht mehr ganz so großspurig auftritt“, sagt Aktionärsschützer Marc Tümmler, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und erntet dafür Applaus.

Weniger wohl gestimmt sind viele Aktionäre gegenüber dem ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel, der auf der Hauptversammlung später mit 96 Prozent Ja-Stimmen zum neuen Mitglied des Aufsichtsrates gewählt wird. Keitel ist bereits Mitglied in sieben Aufsichtsräten, darunter beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp. „Herr Keitel, Sie können aus unserer Sicht eine verantwortungsvolle Kontrollfunktion bei RWE nicht wahrnehmen“, sagt etwa Portfoliomanager Speich von Union Investment. Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand gehen auf diese Kritik ein.

Konzernchef Terium hat zurzeit wohl andere Sorgen. Zwar stieg im vergangenen Jahr das betriebliche Ergebnis um zehn Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Doch auch der ohnehin schon hohe Schuldenberg des Konzerns wuchs weiter auf 33 Milliarden Euro, auch durch den Anstieg der Pensionsverpflichtungen des Konzerns um drei Milliarden Euro. Da nutzte auch die Veräußerung von Beteiligungen wenig. Terium will mit dem Verkauf weiter machen. Erste Erfolgsmeldungen gibt es bereits, so teilte der Konzern erst vor wenigen Tagen die Veräußerung seiner Anteile am Gaspipeline-Projekt Nabucco an den österreichischen Energiekonzern OMV mit. Dabei habe man sogar einen Gewinn erzielt, sagt Terium bei der Hauptversammlung.

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