Industrie

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Hauptversammlung: RWE-Aktionäre wollen Dividende kürzen

Die RWE-Aktionäre sind schlechte Nachrichten gewohnt und plädieren sogar für eine Kürzung der Dividende. Den Einzug des ehemaligen BDI-Präsidenten Keitel in den Aufsichtsrat sehen sie jedoch kritisch.

Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium kratzt sich während der Hauptversammlung des Unternehmens in Essen. Quelle: dpa
Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium kratzt sich während der Hauptversammlung des Unternehmens in Essen. Quelle: dpa

EssenEssen Hauptbahnhof, 9 Uhr, am Donnerstag. Die U-Bahn ist an diesem Morgen voll mit ergrauten Herren im Rentenalter, die angespannt auf die Leuchtanzeige in der ruckelnden Bahn schauen. „Gruga“ steht da jetzt in gelben Pünktchen. Nachdem sich einige nochmal beim Nebenmann versichert haben, dass es sich auch um die richtige Haltestelle handelt, strömen sie hinaus. Auf dem Treppenabsatz warten schon uniformierte Hundertschaften der Polizei und beobachten ihre Schritte. Heute ist die Hauptversammlung des Essener Energiekonzerns RWE, da gehört Polizeischutz dazu. „Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass das auch nötig ist“, sagt eine Polizistin.

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Erst die Atomkraft, nun die Steinkohle – RWE steht seit Jahren in der Kritik bei Umweltschützern. Auch heute haben sich ein paar von Ihnen vor der Gruga-Halle in Essen versammelt und halten Transparente mit „RWE blockiert die Energiewende“ hoch. Das Polizei- und Security-Aufgebot scheint angesichts der geringen Protestbeteiligung zwar etwas übertrieben, aber man weiß ja nie.

Studie Die schmutzigsten Kohlekraftwerke Deutschlands

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Drinnen geht es weiter, Taschen und Menschen werden durchleuchtet, Flüssigkeiten überprüft. Dabei ist klar, dass es heute nichts Kontroverses zu diskutieren geben wird. Seitdem der polternde Atomkraftbefürworter Jürgen Großmann nicht mehr Vorstandschef ist, hat der Konzern vorsichtigere Töne angeschlagen. Der neue Vorsitzende Peter Terium wirkt zurückhaltender und macht meist das, was die Öffentlichkeit von ihm erwartet: Die erneuerbaren Energien loben. „RWE steigt aus dem Neubau von Kernkraftwerken komplett aus“, hatte er bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im Juli gesagt. Aktionärsschützer sind dem Neuen wohlgestimmt. „Sie passen sehr gut zu der neuen RWE, die nicht mehr ganz so großspurig auftritt“, sagt Aktionärsschützer Marc Tümmler, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und erntet dafür Applaus.

Weniger wohl gestimmt sind viele Aktionäre gegenüber dem ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel, der auf der Hauptversammlung später mit 96 Prozent Ja-Stimmen zum neuen Mitglied des Aufsichtsrates gewählt wird. Keitel ist bereits Mitglied in sieben Aufsichtsräten, darunter beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp. „Herr Keitel, Sie können aus unserer Sicht eine verantwortungsvolle Kontrollfunktion bei RWE nicht wahrnehmen“, sagt etwa Portfoliomanager Speich von Union Investment. Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand gehen auf diese Kritik ein.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

  • Platz 10

    Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

  • Platz 9

    Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

  • Platz 8

    Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

  • Platz 7

    Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

  • Platz 6

    Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

  • Platz 5

    64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

  • Platz 4

    Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

  • Platz 3

    Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

  • Platz 2

    Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

  • Platz 1

    Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Konzernchef Terium hat zurzeit wohl andere Sorgen. Zwar stieg im vergangenen Jahr das betriebliche Ergebnis um zehn Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Doch auch der ohnehin schon hohe Schuldenberg des Konzerns wuchs weiter auf 33 Milliarden Euro, auch durch den Anstieg der Pensionsverpflichtungen des Konzerns um drei Milliarden Euro. Da nutzte auch die Veräußerung von Beteiligungen wenig. Terium will mit dem Verkauf weiter machen. Erste Erfolgsmeldungen gibt es bereits, so teilte der Konzern erst vor wenigen Tagen die Veräußerung seiner Anteile am Gaspipeline-Projekt Nabucco an den österreichischen Energiekonzern OMV mit. Dabei habe man sogar einen Gewinn erzielt, sagt Terium bei der Hauptversammlung.

  • 19.04.2013, 19:59 UhrGandalf

    Was auch immer der Post von 16:37 mit dem Artikel zu tun hat, wird nur der "Verfasser" wissen.
    Bei aller Hähme und allem und ach so tollem Umweltbewusstsein, sollten die Personen von Greenpeace vielleicht in ihre grünen Überlegungen mit einbeziehen, dass MENSCHEN für die RWE arbeiten und dafür sorgen, dass morgens der Kaffee gekocht wird, man sich duschen kann und dass das Licht angeht, wenn der Schalter umgelegt wird.
    Vielleicht scheut man in den eigenen Reihen auch nicht den Blick auf die Autofahrer, die mit ihren Kisten auch die Umwelt verpesten, um von A nach B zu kommen und fängt bei sich selbst an zu sparen: Zu Fuß gehen ist gesünder, macht den Kopf frei, dauert was länger, aber ist durch und durch grün.

  • 18.04.2013, 16:37 UhrEuroaus

    'Aktionäre fordern Dividendenkürzung'
    Die Aktionäre sollen lieber eine Entlassung gut bezahlter Mitarbeiter fordern: vor allem die, die Grüne, SPD, CDU, FDP gewählt haben!

  • 18.04.2013, 15:37 Uhrenergizer

    da wird noch mal kräftig abkassiert!! so wie großmann schon 20 jahre vorher sich die taschen voll gemacht hat.

    warum muss jetzt nochmal der hambacher forst, komplette ortschaften um erkelenz und die autobahn 61 abgerissen werden??

    achja, weil preise für kohle dem naturgesetz von RWE gehorchen. ein einziger lügenhaufen die sich noch bis zum bitteren ende die nächsten 30 jahre die taschen voll machen werden.

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