Hauptversammlung
RWE will Reste der Fusionitis verwerten

Der Essener Energiekonzern RWE hält sich mit Übernahmen vornehm zurück. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Resteverwertung bei Fusionen seiner Konkurrenten. Darüber hinaus sind ein paar kleine Zukäufe drin.

HB ESSEN. Der scheidende Konzernchef Harry Roels erklärte am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Essen, er sehe Chancen für Zukäufe, wenn andere Versorger bei Zusammenschlüssen aufgrund von Kartellauflagen Aktivitäten abgeben müssten. „Wir wollen zukaufen, um in unseren Stammregionen und den angrenzenden Regionen noch besser positioniert zu sein“, ergänzte er. „Aber im Moment bietet der überhitzte Akquisitionsmarkt kaum attraktive Chancen für werthaltiges externes Wachstum.“

Roels dürfte unter anderem auf Verkäufe infolge der geplanten Fusion der niederländischen Energieversorger Nuon und Essent spekulieren. Die Kartellbehörde des Nachbarlandes hatte deutlich gemacht, dass sie den Zusammenschluss nur genehmigt, wenn sich die Versorger von Kraftwerkskapazitäten trennen. Dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern war immer wieder ein Interesse an einer Übernahme von Nuon nachgesagt worden. Die beiden niederländischen Konkurrenten wollen sich mit ihrer Fusion auch gegen die Gefahr einer Übernahme wappnen.

Auch Osteuropa hat Roels auf der Agenda. „Wenn sich Möglichkeiten für Zukäufe zum richtigen Preis ergeben, werden wir zu den Bietern zählen“, sagte Roels. Er hatte stets erklärt, Unternehmen „kleinerer und mittlerer Größe“ im Visier zu haben, was ihn auch den Vorwurf mangelnder Visionen einhandelte. In Deutschland, wo RWE mit Eon, EnBW und Vattenfall Europe den Markt dominiert, trifft RWE bei Zukäufen auf den Widerstand der Wettbewerbshüter. So hatte das Bundeskartellamt kürzlich RWE die Übernahme von Saar Ferngas von der RAG untersagt.

Die europäische Versorgerbranche insgesamt steckt in einer tiefen Konsolidierungsphase. So wollen der italienische Energiekonzern Enel und der spanische Mischkonzern Endesa den ebenfalls spanischen Versorger Endesa übernehmen und anschließend zerschlagen. Teile soll die Düsseldorfer Eon erhalten, die sich ebenfalls um Endesa bemüht hatte.

Roels bekräftigte sowohl die Prognose für 2007 als auch die Pläne zur Abspaltung des US-Wassergeschäfts. RWE will die Tochter American Water in diesem Jahr an die Börse bringen, benötigt hierzu aber unter anderem die Genehmigung der betroffenen US-Bundesstaaten.

Roels betonte, bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2008 weiter den Konzern führen zu wollen. In Medien war spekuliert worden, Roels könne früher vom designierten Nachfolger Jürgen Großmann abgelöst worden. Der Aufsichtsrat hatte den niedersächsischen Stahlunternehmer im Februar überraschend zum künftigen Konzernchef gekürt.

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