Hauptversammlung
Salzgitter bemüht sich um Optimismus

Selten dürfte die Stimmung auf einer Hauptversammlung von Salzgitter so mies gewesen sein wie heute. Und dabei ist es die erste für Deutschlands zweitgrößter Stahlproduzenten als Mitglied im Dax. Aber die Probleme im Stahl-Geschäft machen allzu große sorgen. Dabei gibt es offenbar Licht am Ende des Tunnels.

HB BRAUNSCHWEIG. Salzgitter sieht nach den schweren Markteinbrüchen Licht am Ende des Tunnels. „Wir sind etwas optimistischer“, sagte Vorstandschef Wolfgang Leese am Mittwoch am Rande der Hauptversammlung in Braunschweig. Er rechne nach den Sommerferien mit einer Normalisierung der Lage und einer wieder deutlich besseren Auslastung. Der Konzern bestätigte seine Prognose, bei einer starken Belebung auf dem Stahlmarkt sei 2009 ein „etwa ausgeglichenes“ Vorsteuerergebnis noch möglich.

Leese sagte, im Mai sei die Situation etwas besser gewesen als seit Beginn der Krise im vergangenen November. Dies könne aber auch nur ein „Strohfeuer“ sein. Er erwarte eine stabile Entwicklung nach den Sommerferien. Die Salzgitter AG sei aber gut gerüstet, um aus der Stahlkrise deutlich besser herauskommen als mancher Wettbewerber. Der Salzgitter-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass die Auslastung in den Stahlwerken, die derzeit zwischen 30 und 50 Prozent liege, nach den Sommerferien auf 75 bis 80 Prozent steigen werde. Er verwies auch auf die durch die Abwrackprämie gestiegene Nachfrage vor allem nach Kleinautos.

Leese bekräftigte, der Stahl- und Röhrenhersteller wolle Entlassungen möglichst vermeiden. Der Konzern hatte die Kurzarbeit im Laufe des Jahres deutlich ausgeweitet. Im Mai seien rund 9 000 von insgesamt 25 000 Beschäftigten in Kurzarbeit.

Die für die Stahlindustrie schwerwiegendste Folge der Nachfrageeinbrüche sei der im Kampf um Mengen eingetretene Preisverfall, sagte Leese. Es sei zu wünschen, dass wieder nachhaltig profitables Denken einkehre. Bei den Rohstoffpreisen erwartet Leese aber eine Entlastung. Er rechne damit, dass es bei Eisenerz auch für europäische Konzerne Preissenkungen um etwa ein Drittel gibt, sagte der Vorstandschef.

Am Dienstag hatte sich Japans größter Stahlkocher Nippon Steel mit dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto nach monatelangen Verhandlungen auf einen Preisnachlass für Eisenerz von einem Drittel gegenüber dem Vorjahr geeinigt. Die erste Einigung gilt in der Regel für die weltweite Branche als Pilotabschluss. Diesmal haben die Chinesen aber bereits angedeutet, den Abschluss nicht übernehmen zu wollen: Sie hatten mit Preissenkungen von mindestens 40 Prozent für den wichtigsten Rohstoff gerechnet und denken nun über weitere Verhandlungen nach.

Nach Jahren des Stahlbooms hatte die weltweite Stahlkrise auch Salzgitter voll erwischt. Im ersten Quartal 2009 schrieb der Konzern rote Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 74,1 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal hatte Salzgitter noch 194,9 Mio. Euro verdient. Salzgitter ist aber für das Gesamtjahr zuversichtlicher als Branchenprimus ThyssenKrupp, der für 2009 von tiefroten Zahlen ausgeht. Salzgitter hatte bereits angekündigt, als Reaktion auf die Krise die Kosten zu senken. Die für das Jahr 2009 ursprünglich geplanten Investitionen wurden von 1,05 Mrd. um rund 200 Mio. Euro gekürzt und verschoben.

Im vergangenen Jahr hatte Salzgitter noch ein Vorsteuerergebnis von rund einer Milliarde Euro erzielt. Der Gewinn nach Steuern lag bei rund 677 Mio. Euro. Seinen Aktionären zahlt das Unternehmen in diesem Jahr weniger Dividende. Für das vergangene Geschäftsjahr sollen je Aktie 1,40 Euro ausgeschüttet werden. Für 2007 hatte Salzgitter seinen Aktionären insgesamt noch 3,00 Euro je Aktie gezahlt - zwei Euro als Basisdividende und ein Euro Bonus.

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