Hauptversammlung Thyssen-Krupp: Keine Revolution in Bochum

Hauptversammlung Thyssen-Krupp
Keine Revolution in Bochum

Der große Showdown ist ausgeblieben: Ernsthaften Gegenwind für die Strategie von Vorstandschef Hiesinger gab es auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp nicht. Gestritten wurde allerdings über die Dividende.

BochumSollte Heinrich Hiesinger noch am Freitagmorgen vielleicht Sorgen gehabt haben, seine Strategie eines integrierten und diversifizierten Industriekonzerns würde von den Aktionären von Thyssen-Krupp grundsätzlich in Frage gestellt oder gar zerpflückt werden – er konnte sich im Laufe der Aussprache auf der diesjährigen Hauptversammlung entspannt zurücklehnen. Nur vereinzelt gab es moderate Kritik. Die meisten Anteilseigner lobten den Kurs des Vorstands und die bislang erreichten Fortschritte beim Umbau des Konzerns.

Der schlechte Aktienkurs, die magere Dividende von 15 Cent, vielleicht auch noch die Forderung, sich aus dem Rüstungsgeschäft zurückzuziehen – diese Themen brannten den Anteilseignern viel stärker auf den Nägeln als eine strategische Grundsatzdebatte. Ganz im Gegenteil: Selbst kritische Aktionäre wie Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment ließen während ihrer Rede etliche Molltöne einfließen.

Zwar mahnte er vor 2000 Aktionären in dem nur mäßig gefüllten Ruhrkongress in Bochum vom Vorstand mehr Mut zur Veränderung an und forderte vom Vorstand zumindest Überlegungen, welche Vorteile ein Verkauf der Komponentensparte oder des Aufzugsgeschäfts haben könnte. Eine Zerschlagung des Konzerns verlangte er aber nicht. „Wir teilen ihren Kurs der Evolution und sehen in schwierigen Marktphasen durchaus die Vorteile eines diversifizierten Industriekonzerns“, sagte er. Die Ankündigung einer Revolution klingt anders.

Entsprechend zurückhaltend gab sich ein Aufsichtsratsmitglied, der aufmerksam der Versammlung folgte, dessen Name immer dann von anderen Aktionären angeführt wurde, wenn die Rede auf notwendige Veränderungen im Konzern kam: Jens Tischendorf, Partner des schwedischen Finanzinvestors Cevian, mit 15 Prozent zweitgrößter Aktionär des Traditionskonzerns. Cevian trägt zwar offiziell die Strategie des Vorstandes mit, der Umbau von Thyssen-Krupp geht ihm aber zu langsam voran.

Außerdem ist Cevian unzufrieden mit der Entwicklung des Aktienkurses, der binnen eines Jahres ein Drittel seine Wertes verloren hat und derzeit bei 15 Euro liegt. Die Abspaltung einer lukrativen Industriesparte würde aus Sicht eines Finanzinvestors durchaus sinnvoll sein: Zum einen würden Milliarden in die Konzernkasse gespült, zum anderen die Kursphantasie an der Börse beflügeln.

Echten Streit gab es über die geplante Dividende für das laufende Jahr. „Statt 85 Millionen Euro an die Aktionäre auszuschütten, müsste dringend die Bilanz gestärkt werden“, klagte der Portfolio-Manager von Union Investment, Ingo Speich. Eine Eigenkapitaldecke von neun Prozent sei viel zu niedrig.

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