Hauptversammlung
VW-Familientreffen mit Dissonanzen

In Hamburg ist heute großes Familientreffen: Volkswagen hat zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Und „außerordentlich“ ist sie wahrlich, schließlich sollen die Aktionäre die Verschmelzung mit Porsche besiegeln. Aber es geht um viel mehr als diese „Formalität“.
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HAMBURG. Martin Winterkorn lässt Zweifel gar nicht erst aufkommen. „Meine Damen und Herren“, ruft der VW-Boss den knapp 1000 Aktionären auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg zu: „Zunächst wird sich Volkswagen voraussichtlich schon in der kommenden Woche mit 49,9 Prozent beteiligen.“ Rumms, das sitzt.

Noch bevor die Aktionärsversammlung eigentlich los geht, macht der Vorstandschef den Kritikern unter den institutionellen Investoren und Kleinaktionären an der Fusion und der milliardenschweren Kapitalerhöhung im weiten Rund der Halle 4 der Hamburger Messe klar, was sie ausrichten können – fast nichts. Die Abstimmungsmacht liegt in den Händen derer, die heute kritisiert werden: Den Großaktionären aus dem Familienclan Piëch-Porsche und dem Land Niedersachsen. Die Wolfsburger sind beim Einstieg in Zuffenhausen fast am Ziel. Die außerordentliche Hauptversammlung liegt lediglich als Pflichtveranstaltung dazwischen.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch erledigt diese Aufgabe mit Gleichmut. Es hagelt zwar Kritik an der geplanten Kapitalerhöhung durch stimmrechtslose Vorzugsaktien und die für das Land Niedersachsen geplanten Sonderrechte. Doch der 72-Jährige VW-Partriach und Porsche-Enkel mit der braun-rosa gesprenkelten Krawatte weiß, dass ihm kaum eine Blamage droht: Rund 78 Prozent der Stimmen liegen in den Händen der Porsche-Familien, Niedersachsens und des neuen Großaktionärs aus Katar.

Die Zustimmung für die milliardenschwere Kapitalerhöhung, die VW nach derzeitigen Kursen rund acht Mrd. Euro in die Kasse spülen wird, ist deshalb nicht in Gefahr. Da die Vorzugsaktionäre selbst neue Aktien erwerben dürfen, haben sie keine Möglichkeit, den Schritt zu blockieren. Es ist ein sicheres Spiel für die neue Eintracht Wolfsburg.

Auf dem Weg zur Übernahme von Porsche steht damit bereits kommende Woche die nächste Etappe an. Bislang hatte VW lediglich gesagt, dass der Schritt bis Ende des Jahres erfolgen solle. Mit dem frischen Kapital wollen die Wolfsburger die Porsche-Übernahme finanzieren, für die 3,9 Mrd. Euro für den ersten Schritt fällig werden. Die Kreditwürdigkeit soll darunter aber nicht leiden. „Es ist für uns von besonderer Bedeutung, dass von den Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's das langfristige Rating für die Volkswagen AG mit dem Wert A- bzw. A3 bestätigt wurde“, erklärt VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch den Aktionären.

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