Hauptversammlung
VW gewinnt gegen Porsche die Oberhand

Porsche sah bereits wie der triumphale Sieger im Übernahme-Coup um Volkswagen aus. Doch die Krise legt die Schwächen der Stuttgarter offen: Die Machtbalance verschiebt sich wieder in Richtung VW, was auch auf der Hauptversammlung der Wolfsburger zu spüren ist.

HAMBURG. Zum Gruppenbild mit Eigentümer wird das Lächeln angeknipst. In trauter Runde stehen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, VW-Boss Martin Winterkorn der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wullf, sein ehemaliger Finanzminister Walter Hirche zusammen mit den beiden Porsche-Clan-Chefs Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche auf dem Podium des Hamburger CCH zu Beginn der VW-Hauptversammlung zusammen.

Die Kameras blitzen, jeder Schritt wird genau beäugt. Sorgfältig wird notiert, dass Piech zuvor auf den in den vergangenen Tagen schwer angeschossenen Porsche-Chef zugeht und ihm mit seinem gewohnten Krokodilslächeln begrüßt. Ein kurzer Händedruck, ein paar wenige freundliche Worte. Das war es.

Die Form bleibt gewahrt, doch auch der freundliche Händedruck kann nicht überdecken, dass die scheinbar perfekt ausgeklügelte Übernahme des Wolfsburger Autokonzerns durch die wesentlich kleinere Sportwagenmanufaktur in schwere Wasser geraten ist Eine neue Kreditlinie erhielten die Stuttgarter erst in letzter Minute und das neue VW-Gesetz, das Porsche-Chef Wiedeking längst in der Mottenkiste wähnte, entwickelt sich zum hartleibigen Hemmschuh, der einen Zugriff der Stuttgarter auf die VW-Milliarden durch die Sperrminorität des zweiten großen VW-Aktionärs Niedersachsen erfolgreich blockiert.

Schon brodelt die Gerüchteküche, ob das Führungsduo Wiedeking und Finanzchef Härter ungeachtet aller Dementis vor der Ablösung stehen könnte, weil Porsche sich mit der Übernahme verhoben hätte.

Der Wind hat sich gedreht. Sah das Management um Wiedeking noch vor wenigen Monaten wie die strahlenden Sieger aus, verschiebt sich das Machtgefüge im neuen Konzern, an dem Porsche seit Anfang des Jahres die Mehrheit hält, wieder stärker in Richtung Wolfsburg. Doch eine triumphale Gebärde liegt dem 62-Jährigen Martin Winterkorn fern. Der VW-Konzernchef lässt sich keinen Jubel auf der Hauptversammlung in Hamburg über die Entwicklung anmerken. Brav lobt er die gemeinsamen Perspektiven. „Gemeinsam haben wir das Zeug, das Kraftzentrum der internationalen Automobilindustrie zu bilden“, ruft er den Aktionären zu.

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