Hauptversammlung: Warum Eon für Umweltfreundlichkeit bestraft wird

Hauptversammlung
Warum Eon für Umweltfreundlichkeit bestraft wird

Beim Klimaschutz verhält sich der Energiekonzern Eon zumindest im Vergleich zum Konkurrenten RWE vorbildlich. Wirtschaftlich hat das fatale Folgen. Vorstandschef Teyssen drängt daher ins Ausland – und wird kritisiert.
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EssenDer Unterschied zum Konkurrenten RWE lässt sich schon an den Räumen erkennen, in denen die Hauptversammlung des Energieversorgers Eon stattfindet. Der Ort ist zwar derselbe, an dem vor ein paar Tagen sich die Aktionäre des blauen Wettbewerbers versammelten: die Gruga-Halle in Essen. Doch im Gegensatz zur RWE-Veranstaltung, als die Aktionäre von zahlreichen Umweltschützern empfangen wurden, die auf Transparenten den hohen Kohlestromanteil des Konzerns anprangerten, hält sich der Protest bei Eon in Grenzen. Auch das Polizei-Aufgebot ist längst nicht so groß.

Eon muss nicht fürchten, dass es so scharf angegriffen wird wie RWE. Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Stromgewinnung.

Während RWE 63 Prozent seines Stroms mit besonders klimaschädigender Kohle erzeugt, sind es bei EnBW 39 Prozent und bei Eon sogar nur 32 Prozent. 34 Prozent seines Strom erzeugt der Düsseldorfer Konzern mit Erdgas und Öl, 22 Prozent mit Atomkraft, nur 11 Prozent kommt aus den erneuerbaren Energien. Beim ärgsten Konkurrenten RWE fällt die Bilanz zur Energiewende noch nüchterner aus. Neben der überwältigenden Mehrheit von Kohlekraft in der Stromerzeugung gewinnen die Essener nur fünf Prozent ihres Stromes aus regenerativen Quellen.

Doch der hohe Gasanteil bei der Stromgewinnung macht Eon zu schaffen. Der Grund: Durch den gesetzlich vorgeschriebenen Vorrang von regenerativen Energien am Strommarkt und dem daher teilweise sehr hohen Überangebot an klassisch produziertem Strom sinken die Preise für Elektrizität. Sofern konventionelle Energie spontan benötigt wird, weil Wind- und Solarstrom schwächeln, ist den Energieversorgern also daran gelegen, die billigsten Kraftwerke anzuschalten - und das sind Kohlekraftwerke. Die sind zwar längst nicht so flexibel wie Gaskraftwerke, aber der Kostenfaktor spielt gerade für die ohnehin angeschlagenen Energiekonzerne eine wichtige Rolle.

Gaskraftwerke werden daher immer seltener angeschaltet - und schaffen es so nicht, rentabel zu werden. Dabei sind sie sowohl für die Anforderungen der Energiewende als auch aus Klimaschutzgründen wesentlich vernünftiger. Doch wirtschaftlich ist ihr Betrieb nicht. „Die Margen selbst hochmoderner und sauberer Gaskraftwerke liegen in vielen Märkten Europas nahezu bei null und manchmal unter null“, sagt Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen am Freitag auf der Hauptversammlung in Essen.

Der Eon-Chef hatte erst Mitte März damit gedroht, Teile seines Gaskraftwerkes Irsching bei Ingolstadt ganz abzuschalten. In letzter Minute einigte sich der Konzern jedoch mit der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber Tennet. „Es wäre ein Treppenwitz der Energiewende gewesen, wenn diese Neuanlagen stillgelegt worden wären“, sagt Teyssen auf der Hauptversammlung. Eon bekommt nun zusätzlich zu den Preisen, die das Unternehmen am Markt mit seinem Strom erzielen kann, einen Zuschuss zu den Fixkosten. Die Vereinbarung gilt für eine Kapazität von 1400 Megawatt und für drei Jahre. Teyssen verteidigt diese Extra-Vergütung: „Wir kriegen da keine Almosen. Für Almosen arbeiten wir auch nicht. Dann würden wir unsere Kraftwerke dahin bringen, wo sie auch fair bezahlt werden.“

Kommentare zu " Hauptversammlung: Warum Eon für Umweltfreundlichkeit bestraft wird"

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  • Zu den Gaskraftwerken: Es steht doch bereits fest, daß die "Kapazitätsmärkte" kommen werden, d.h. die Kraftwerke werden für ihre Bereitschaft bezahlt. Man wird das natürlich erst nach der Wahl offiziell bekanntgeben, denn es wird zu einer zusätzlichen "Umlage" auf die Stromrechungen der Bürger führen. Jetzt kommt erstmal der Wahlkampf, wo sich die Parteien in Versprechungen selbst übertreffen, danach wird die rot-grün-schwarzgelbe Energiewende unbeirrt fortgesetzt.

  • @RalphFischer

    Bisher bekommen die noch gar nichts. Der Verkauf gestaltet sich schwieriger als ursprünglich angenommen.

    EON hat bisher im Ausland auch kein erfolgreicher Händchen gehabt. Daher ist so viel positive Grundstimmung seitens EON in Brasilien mit äußerster Vorsicht zu genießen. Wer es richtig macht, hat gute Chancen schnell den Break-Even zu erreichen. Allerdings muss man sich mit sozialen und arbeitsrechtlichen Bedingungen sehr gut auskennen. Dies wird immer wieder unterschätzt. Außerdem sind Brasilianer wesentlich cleverer als Deutsche aus der Provinz -> Teyssen.

  • Tja, auch Thyssen dachte, das ihnen Brasilien viel Freude machen wird...
    Weiss schon einer, was die jetzt für das Pleitewerk bekommen ?

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