Hauptversammlung
Wehmut bei Schering

Zum vermutlich letzten Mal hat Schering eine Hauptversammlung abgehalten. Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen hat den Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots von Bayer empfohlen und damit das Ende der 155-jährigen Firmengeschichte eingeläutet. Das geschah aber nicht aus freiem Willen.

HB BERLIN. "Nicht nur der Vorstand, sondern auch unsere Mitarbeiter wären gerne unabhängig geblieben", sagte Erlen am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. "Dafür haben wir uns alle engagiert." Nun entstehe aber ein globales Pharmaunternehmen mit guten Zukunftsperspektiven, das neue Produkte schneller auf den Markt bringen könne. Mit Blick auf die Gewinn- und Umsatzsteigerung im ersten Quartal erklärte der Schering-Chef, der Konzern gehe kerngesund in den Zusammenschluss mit Bayer.

Die Merck KGaA hatte die Übernahmeschlacht um Schering im März mit einem feindlichen Angebot eröffnet. Bayer überbot dies mit einer Offerte von 86 Euro pro Aktie - insgesamt 16,5 Mrd. Euro -, die von Vorstand und Aufsichtsrat von Schering unterstützt wurde. Die Annahmefrist läuft zunächst bis Ende Mai; die Annahme gilt als sicher.

Es sei ihm nicht leicht gefallen, den Verkauf zu empfehlen, sagte Schering-Chef Erlen. Mit der Offerte der Darmstädter Merck sei aber eine Dynamik entstanden, der sich der Konzern nicht mehr entziehen konnte. Die Merck-Führung habe zwar ihr Ziel nicht erreicht, "sie haben aber letztendlich unseren Traum beendet, ein unabhängiges Schering zu erhalten", sagte Erlen. Die Übernahme gefährdet rund 6 000 Arbeitsplätze - etwa jede zehnte in den beiden Geschäftsfeldern von Bayer und Schering.

Erlen nannte den Preis von 86 Euro je Aktie für angemessen. Vor allem aber habe Bayer Zusagen gemacht: Es sei mehr als eine symbolische Geste, dass die gemeinsame Pharmasparte Bayer Schering Pharma heißen und in Berlin ihren Sitz haben werde. Der Name Schering bleibe damit erhalten. Zu seiner eigenen Zukunft in dem neuen Konzern machte Erlen, der seit 34 Jahren bei Schering arbeitet, keine Angaben. Die vergangenen Wochen seien an ihm aber nicht spurlos vorübergegangen.

Aktionärsvertreter sprachen angesichts des Gebots von Bayer von einem guten Geschäft für die Anteilseigner. Sie kritisierten aber auch die Strategie des Schering-Vorstands und bezweifelten den Sinn eines Zusammenschlusses mit Bayer. Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf dem Vorstand vor, er habe bei der Suche nach eigenen Übernahmezielen zur Stärkung von Schering versagt. Dies wäre ein wirksame Abwehr gegen Übernahmeversuche gewesen. "Jetzt sehen wir, dass sie sich zu lange Zeit gelassen haben." Zudem sei Bayer nicht der ideale Partner. "Bitter, dass ein hochprofitables Unternehmen wie Schering von Bayer übernommen wird." Bayer sei weit von einer Umsatzrendite von 18 Prozent entfernt, die Schering dieses Jahr erreichen will.

Im ersten Quartal 2006 hat Schering erneute Zuwächse von Gewinn und Umsatz erzielt. Die Verhütungspille Yasmin sowie das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon waren die Verkaufsschlager. Der Betriebsgewinn wurde von 230 auf 240 Mill. Euro gesteigert. Der Überschuss legte um 21 Prozent auf 174 Mill. Euro zu. Der Umsatz stieg von Januar bis März um 16 Prozent auf 1,41 Mrd. Euro. Das Plus sei aber zum Teil auf Währungseffekte zurückzuführen, erklärte Schering, das etwa die Hälfte der Erlöse im Dollar-Raum erzielt. Schering sei auf Kurs, eine Umsatzrendite von 18 Prozent im Gesamtjahr zu erreichen, hieß es.

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