Hausgemachte Probleme schwächen die Traditionsbranche
Schuhindustrie kämpft gegen Billigimporte

Der deutschen Schuhindustrie geht es seit Jahren ans Leder. Vor allem Billigware aus China und Fernost schmälern das Geschäft.

DÜSSELDORF. Im ersten Halbjahr hellte sich der langjährige Abwärtstrend nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Schuhindustrie aber (HDS) auf. Die Umsätze stiegen um 2,9 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro. „Mit der deutschen Schuhindustrie geht es wieder aufwärts – langsam zwar, aber konstant, sagte Philipp Urban, HDS-Hauptgeschäftsführer.

Sorge bereitet der Branche vor allem die Billigkonkurrenz aus China. Seit dem Wegfall der Quotenreglung zwischen der Europäischen Union und China zum Jahresende sieht sich die Schuhbranche einer Flut von Billigimporten ausgesetzt. Von Januar bis Juli erhöhte die Volksrepublik ihre Exporte nach Deutschland um 76 Prozent auf 107 Millionen Paar. Jeder dritte Schuh in Deutschland stammt damit inzwischen aus China. „Gemessen an den Zuwachsraten anderer EU-Länder mit weit über 140 Prozent erscheint das Ausmaß zwar noch erträglich, ist aber in seinen Auswirkungen äußerst beunruhigend“, sagte Urban.

Um diese Entwicklung zu stoppen, hat die EU-Kommission Dumping-Verfahren gegen China und Vietnam eingeleitet. Es soll klären, ob Straßen- und Schutzschuhe in der EU zu Preisen unter den Herstellungskosten verkauft wurden. Sollte der Vorwurf wahr sein, könnte die EU bereits im Herbst vorläufige Anti-Dumping-Maßnahmen einleiten. Insgesamt ist der Handlungsspielraum in Bezug auf China allerdings beschränkt. Verlängerungsklauseln für die Quotenreglung gibt es nicht – wie etwa bei den Textilquoten, die jüngst bis Ende 2007 verlängert wurden.

Die deutsche Schuhindustrie steht im innereuropäischen Vergleich zwar ganz gut dar, doch hat sich die Traditionsbranche ihre mittelständischen Strukturen weitgehend bewahrt. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums haben nur fünf der 102 Betriebe mehr als 500 Beschäftigte. In ihrer Entwicklung hinkt die Branche dabei der artverwandten Modeindustrie um Jahre hinterher. „Die Markenbekanntheit ist bei Schuhen längst noch nicht so ausgeprägt wie bei Kleidern“, sagt Hansjürgen Heinick von der Beratungsfirma BBE. Entsprechend stehe auch die Entwicklung so genannter Mono-Marken-Geschäfte noch ganz am Anfang. „Gabor, Lloyd und Birkenstock sind die Ersten mit eigenen Geschäften“, sagt Heinick.

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