Hausgeräte-Werk soll früher schließen
Electrolux verliert wegen kränkelnder AEG-ler die Geduld

Möglicherweise wird das Nürnberger AEG Hausgeräte-Werk deutlich früher als geplant geschlossen. Grund dafür ist der hohe Krankenstand. Ursprünglich sollte das Werk frühestens Mitte 2007 dicht gemacht werden.

HB NÜRNBERG. Seit dem Ende des spektakulären AEG-Streiks am 7. März läuft die Hausgerätefabrik in Nürnberg nicht mehr rund. Der Krankenstand in den vergangenen neun Wochen betrug durchgängig über 25 Prozent. „Jeder vierte Mitarbeiter hat sich krank gemeldet“, sagte Unternehmenssprecher Michael Eichel am Dienstag in Nürnberg. „Wir können nicht die Anzahl der Produkte fertigen, die wir bräuchten, um die Nachfrage zu stillen“, räumte er ein. Nun hat der schwedische Mutterkonzern Electrolux die Notbremse gezogen und angekündigt, dass das Werk nicht erst Ende 2007, sondern bereits in der ersten Jahreshälfte geschlossen werden soll.

AEG habe die Produktionsmengen nach dem 46-tägigen Streik „in Erwartung von Fehlzeiten“ äußerst vorsichtig kalkuliert. Doch die fehlende Motivation der Belegschaft überraschte offenbar selbst die kühlen Strategen in der AEG-Zentrale. Das niedrige Ausgangsniveau werde um 15 Prozent unterschritten, sagte Eichel. Dies zwinge den Konzern dazu, die Produktion von Waschmaschinen und Wäschetrocknern früher als geplant ins Ausland zu verlagern, um „eine fristgerechte Auslieferung sicherzustellen“. Den genauen Schließungstermin für das Werk Nürnberg werde AEG erst zu Beginn des Betriebsurlaubes im August bekannt geben. „Die finalen Planungen laufen noch“, unterstrich Unternehmenssprecher Eichel.

Bereits während des sechswöchigen Streiks im Winter, mit dem die rund 1 700 AEG-Mitarbeiter gegen eine Schließung des Standortes protestiert hatten, waren Teile der Produktion ausgelagert worden. Dadurch habe sich die geplante Schließung ohnehin bereits von Ende 2007 auf Mitte 2007 nach vorne verschoben, sagte Eichel.

„Eine Unverschämtheit“

Electrolux schiebe die Kranken nur vor, „um vom eigenen Versagen abzulenken“, kritisierte AEG-Betriebsratschef Harald Dix die Argumentation des Konzerns. „Eine Unverschämtheit.“ Wegen der Schließung des Produktionsstandortes Nürnberg und seiner harten Haltung trage der Konzern selbst die Verantwortung dafür, dass es in Deutschland und Europa zu Umsatzeinbrüchen von bis zu 30 Prozent gekommen sei. Dies solle offensichtlich durch die vorgezogene Verlagerung und die frühere Herstellung billigerer Geräte in Italien und Polen aufgefangen werden. „Das ist von langer Hand vorbereitet“, vermutet Dix.

Für diese Annahme spricht nach Angaben des Betriebsratschefs, dass AEG den genauen Schließungstermin noch geheim halten wolle. Dabei stehe dieser Termin längst fest. Schließlich habe ihm die Geschäftsführung bereits bestätigt, dass das Schließungsszenario noch im Mai verabschiedet werde. Demnach soll die Produktion „spätestens im März 2007“ auslaufen, sagte Dix.

Rund 880 Mitarbeiter haben laut Dix in der ersten Kündigungswelle einen blauen Brief bekommen. 540 AEG-Werker wechseln bereits zum 1. Juli oder 1. August in die Beschäftigungsgesellschaft. 340 weitere Kollegen folgen ihnen im November und Dezember nach. Für sie spielt es keine Rolle mehr, an welchem Termin die Bänder tatsächlich für immer still stehen werden. Auch die angekündigte „Sonderprämie“ für weiterhin engagierte Mitarbeit in Form einer Waschmaschine aus Nürnberger Produktion könne den Arbeitseifer nicht anheizen. „Die nimmt keiner an. „Wir lassen uns den letzten Rest Stolz nicht abkaufen“, unterstrich Dix.

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