Haushaltsgeräteindustrie
„Ego inside“ wäre der Tod

Oberderdingen im Kraichgau zwischen Karlsruhe und Heilbronn ist bekannt für guten Wein. Aber außer den beschaulichen Rebstöcken gibt es hier auch einen „Hidden Champion“, den kaum jemand außerhalb der Branche kennt. „Ego", der Weltmarktführer bei Herdplatten- und Schaltungen bleibt anonym.

OBERDERDINGEN. „Im Herd geschieht nichts, ohne Ego“, sagt Dieter Kilpper, Chef der Elektrogeräte Bau Oberderdingen. Hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt sich der weltgrößte Zulieferer der Haushaltsgeräteindustrie. In diesem Jahr erwartet das Management ein Wachstum von 13 Prozent, nach einem Vorjahresumsatz von 520 Mill. Euro. Die Oberderdinger werden damit deutlich stärker zulegen als die Branche, die ein Plus von sechs Prozent erwartet. Der Erfolg ist erstaunlich, da die Hausgeräteindustrie seit Jahren unter einem massiven Preisverfall leidet.

Von Ego gefertigte Kochplatten, Strahlungsheizkörper für Glaskeramikfelder oder die neuen Induktionskochfelder finden sich bei allen namhaften Herstellern. Ego hatte bei allen wichtigen Entwicklungen in der 75-jährigen Firmengeschichte die Nase vorn – sei es die Bedienung durch Berührung („Touch Control“) oder die Topferkennungstechnik.

Die relative Unbekanntheit des Unternehmens hat seinen Grund. „Ego inside wäre unser Tod“, sagt Kilpper. Anders als der Chip-Lieferant Intel in der PC-Industrie bleibt Ego lieber anonym. Ein Kunde, der in der unteren Preisklasse anbietet, wollte einmal den Namen des anerkannten Zulieferers auf seine Herde schreiben, um diese aufzuwerten. „Wenn ihr das macht, könnt ihr gleich das Blech auch noch drumpacken“, beschwerte sich die Markenkonkurrenz. Die Oberderdinger wollten es sich mit den wichtigsten Kunden nicht verscherzen und verboten die Aufschrift. Und in der Anonymität scheint es sich ganz gut zu leben.

Wie unverzichtbar der Zulieferer für die Branchengrößen Whirlpool, Electrolux und BSH (Bosch/Siemens) ist, zeigen die Marktanteile: Bei den herkömmlichen Kochplatten kommt Ego auf 70 Prozent und bei Heizstrahlern für Glaskeramik bereits auf 55 Prozent. Selbst in Krisenjahren der Branche zeigt sich Ego relativ robust. „Wir laufen auf zehn Beinen“, betont Kilpper. Seit acht Jahren werden auch Waschmaschinen mit elektronischen Schaltungen und Reglern bestückt. Ein Fünftel des Umsatzes wird bereits außerhalb der „Weißen Ware“ erzielt. Sei vier Jahren beliefert das Unternehmen zudem die Autoindustrie mit einem Hochtemperatursensor für Katalysatoren.

Von den knapp 7 000 Beschäftigten arbeiten 2 100 in Deutschland. Ingenieurnachwuchs kommt vor allem aus der FH Pforzheim, zu der enge Kontakte gepflegt werden. In Oberderdingen werden 37,5 Stunden gearbeitet, aber nur 35 Stunden bezahlt. Seit 1975 gehört der ebenfalls in Oberderdingen ansässige Hersteller von Edelstahlspülen Blanco zur Ego-Gruppe. Der Umsatz der gesamten Gruppe liegt über 800 Mill. Euro. Das Unternehmen gehört zu 80 Prozent 50 Gesellschaftern der beiden Gründerfamilien Blanc und Fischer, die sich mit geringen Ausschüttungen zufrieden geben. Die Gewinne reinvestiert das schuldenfreie Unternehmen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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