Haustarifvertrag

Warnstreiks bei VW rücken näher

Unverschämtheit, sagt die Gewerkschaft - von Wettbewerbsfähigkeit und Herausforderungen der Zukunft spricht die Konzernführung. In den Tarifverhandlungen für VW-Beschäftigte hat der Autobauer ein Angebot vorgelegt.
Update: 11.01.2018 - 19:17 Uhr Kommentieren
Der Verhandlungsführer von Volkswagen hat ein erstes Angebot vorgelegt. Quelle: dpa
Martin Rosik

Der Verhandlungsführer von Volkswagen hat ein erstes Angebot vorgelegt.

(Foto: dpa)

HannoverNach der ergebnislos vertagten zweiten Runde der Tarifverhandlungen für rund 120 000 VW-Beschäftigte rücken Warnstreiks bei dem Autobauer näher. Als „Unverschämtheit“ bezeichnete Verhandlungsführer Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, ein Angebot des Konzerns. „Volkswagen hat heute eine Chance verspielt, den Weg für konstruktive Verhandlungen zu bereiten. Das ist eine Provokation für die Beschäftigten“, sagte er am Donnerstag nach der zweiten Verhandlungsrunde.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte: „Das ist eine Steilvorlage für die ersten Warnstreiks nach Auslaufen der Friedenspflicht Ende Januar.“

Zuvor hatte VW ein Angebot vorgelegt. Dies sehe vor, die Entgelte ab Mai um 2 Prozent anzuheben - mit einer Laufzeit von 12 Monaten, sagte VW-Verhandlungsführer Martin Rosik. Zusätzlich sei für Februar bis April eine Einmalzahlung von 200 Euro vorgeschlagen worden. Dieses Angebot orientiert sich am Arbeitgebervorschlag in den Tarifverhandlungen für die übrige Metallbranche. Die IG Metall hatte 6 Prozent mehr Lohn gefordert, außerdem eine Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung sowie eine Garantie für den Erhalt von Ausbildungsplätzen.

Das waren die 2016er Bestseller von VW
Platz 10: VW Touran - 164.248 verkaufte Fahrzeuge
1 von 10

Den Auftakt in der Reihe der zehn Bestseller von VW macht der Kompaktvan. Ein Grund für seinen Erfolg liegt sicherlich in seinem wenig polarisierenden Design, dem großzügigem Platz, viel Komfort und der guten Sitzvariabilität. Ein echter Freund der Familie.

Quelle: VW Konzernbericht 2016

Platz 9: VW Up - 169.970 verkaufte Fahrzeuge
2 von 10

Trotz gesunkener Verkaufszahlen reicht es noch für Platz neun: Der Kleinstwagen von VW überzeugt mit pfiffigen Lösungen auf engstem Raum. Agilität in der City und geringe Kosten, damit kann der Zweitürer ebenso punkten.

Platz 8: VW Bora - 236.427 Verkäufe
3 von 10

Dass der Name der fünftürigen Limousine zwischen Golf- und Passat-Größe überhaupt noch geführt wird, ist der Bedeutung des chinesischen Automarktes zu verdanken, der für die Wolfsburger so unglaublich wichtig geworden ist. Und egal was man von der Formgebung in Europa hält: Chinesen lieben nun mal klassische Limousinen...

Platz 7: VW Santana - 312.177 verkaufte Fahrzeuge
4 von 10

Auch die dritte Generation ist ein echter Verkaufserfolg. In Deutschland führte das damals noch sehr kantige Modell eher ein Langweiler-Schattendasein, machte aber international Karriere: 2013 wurde ein komplett neu entwickelter Santana speziell für den chinesischen Markt vorgestellt.

Platz 6: VW Lavida - 547.187 verkaufte Fahrzeuge
5 von 10

Und noch eine Limousine, wobei diese untere Mittelklasse sogar in China entwickelt wurde. Den hierzulande unbekannten Lavida bietet VW seit zwei Jahren auf dem größten Wachstumsmarkt an. Mit Erfolg.

Platz 5: VW Tiguan - 548.687 verkaufte Fahrzeuge
6 von 10

Vom globalen Boom der mehr oder weniger kompakten City-Geländewagen oder SUV profitiert natürlich auch der aktuell größte Autohersteller der Welt. 53 Prozent der Tiguan-Auslieferungen rollen auf den asiatisch-pazifischen Markt, gefolgt von Europa mit 31,6 Prozent.

Platz 4: VW Passat/Magotan - 711.878 verkaufte Fahrzeuge
7 von 10

Platz, Qualität und High-Tech überzeugen viele Käufer. Die geräumige untere Mittelklasse ist in Deutschland vor allem als Kombi für Dienstwagen-Fuhrparks gefragt, der Rest der Welt findet die Limousine interessanter. Den Absatz des Bestsellers, den es schon seit mehr als 40 Jahren gibt, hält VW im Vergleich zum Vorjahr in etwa stabil.

Die IG Metall kritisierte, die Ausbildungszusage solle dem Vorschlag zufolge nur um ein Jahr verlängert werden, zur betrieblichen Altersvorsorge habe es kein Angebot gegeben. Stattdessen habe Volkswagen Gegenforderungen nach Beiträgen der Beschäftigten gestellt. „Ich fordere Volkswagen auf, diese Haltung grundlegend zu ändern“, sagte Gröger.

Rosik betonte: „Wir haben der IG Metall deutlich gemacht, dass im Gegenzug ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung erforderlich ist.“ Volkswagen stehe vor enormen Herausforderungen, sagte er mit Blick auf den Wandel hin zur E-Mobilität und die Digitalisierung. Als Beispiel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit nannte Rosik die Arbeitszeitflexibilität: Volkswagen wolle eine Quote vereinbaren, um nötigenfalls die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche ausweiten zu können.

„Volkswagen stellt unrechtmäßige Gegenforderungen, die dem Manteltarifvertrag zuwiderlaufen. Das werden wir nicht mitmachen“, erklärte Osterloh dazu. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 30. Januar in Hannover geplant.

Zuletzt hatte der Autobauer jährlich 1400 Ausbildungsplätze geschaffen, die meisten Azubis werden bei VW danach übernommen. Eine Vereinbarung zwischen VW und IG Metall über die Zahl der Ausbildungsplätze läuft demnächst aus. Weil für den Bau von Elektroautos aber weniger Beschäftigte benötigt werden als für die Herstellung von Verbrenner-Modellen, könnte der Arbeitskräftebedarf künftig sinken.

Der VW-Haustarif ist Deutschlands größter Firmentarif und läuft Ende Januar aus. Er gilt in den sechs westdeutschen VW-Werken Emden, Hannover, Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie bei der Finanztochter aus Braunschweig.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Haustarifvertrag - Warnstreiks bei VW rücken näher

0 Kommentare zu "Haustarifvertrag: Warnstreiks bei VW rücken näher"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%