Heckler & Koch
Wie der G36-Produzent sich verteidigt

Im Verteidigungsausschuss nimmt Ministerin von der Leyen Stellung zur vermeintlichen Treffungenauigkeit des Gewehrs G36. Derweil wagt sich Hersteller Heckler & Koch aus der Deckung und verteidigt sein Produkt.
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DüsseldorfUm zu retten, was zu retten ist, hat der Waffenproduzent Heckler & Koch eine Zitatesammlung seiner Website vorangestellt. Das Unternehmen sammelt dort E-Mails und Stellungnahmen von Soldaten, die sich meist anonym zum Sturmgewehr G36 äußern – der Standardwaffe der Bundeswehr. Das G36 sei „absolut präzise, und damit nicht zu treffen, ist schon eine Kunst“, wird ein Stabsgefreiter H. aus F. zitiert.

Das Problem: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht das anders. Das Gewehr habe in seiner derzeitigen Version keine Zukunft in der Bundeswehr, kündigte die Ministerin am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses im Bundestag an. Die Spezialkräfte und Soldaten im Einsatz sollen offenbar direkt eine andere Waffe erhalten. Ihre Sturmgewehre sollten möglichst rasch ersetzt werden, kündigte von der Leyen an. „Ein Rückgang von Bestellungen anderer Kunden ist nicht zu verzeichnen“, erklärte die Firma am Mittwochnachmittag. Zu den Äußerungen von der Leyens hieß es schlicht: „Kein Kommentar.“

Der Kurs einer Heckler & Koch-Firmenanleihe sackte an der Börse deutlich ab und notierte bei 63 Prozent. Wer zu diesem Kurs einstiegt, kann eine jährliche Verzinsung von 28 Prozent erzielen. Das zeigt, wie groß an Kapitalmärkten die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt wird, dass das Unternehmen in eine Insolvenz schlittern könnte.

Zur Vorgeschichte: Im November 2011 hatte die Wehrtechnische Dienststelle 91 der Bundeswehr erstmals festgestellt, dass das G36 nicht in allen Situation einwandfrei treffe. Diese Vermutung wurde in anschließenden Tests bestätigt und von der Rüstungsabteilung des Ministeriums im März 2012 als „erheblicher Mangel“ von „erheblicher Einsatzrelevanz“ eingestuft. Darüber wurde im April auch die Ministeriumsspitze informiert. Rund 167.000 G36 von Heckler & Koch hat die Bundeswehr im Bestand und eine Ausmusterung wäre zumindest ein großes Image-Problem für die Firma.

In einem vergangenen Freitag vorgelegten Expertengutachten im Auftrag des Verteidigungsministeriums war dem überwiegend aus Kunststoff bestehenden Gewehr eine unzureichende Treffsicherheit bescheinigt worden. Bei einer Temperaturveränderung um 30 Grad nahm die Treffsicherheit demnach bis zu einer Quote von nur noch 7 Prozent ab. Gefordert werden von der Bundeswehr 90 Prozent. Es gebe „erhebliche Zweifel an der technischen Glaubwürdigkeit der Versuchsdurchführung und der hieraus abgeleiteten Schlüsse“, antwortete Heckler & Koch.

Die Aussagen sind ein Baustein einer Verteidigungstaktik, mit der das Unternehmen aus Oberndorf im Schwarzwald versucht, den Ruf eines Kernprodukts zu verteidigen. Seit Jahren gibt es negative Schlagzeilen über das G36. In den vergangenen Monaten hat sich die Schlagzahl erhöht und im Berliner Politikzirkus ist die Treffergenauigkeit der Waffe Thema auf Ministerebene und in Bundestagsausschüssen.

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  • Zu meiner BW-Zeit nannten wir das "Rohr" immer noch Lauf ;)
    War auch noch das G3.

  • Warum ist die Waffe auf einmal so schlecht un d die Minister weigerten sich bisher, hier eine Änderung vor zu nehmen? Wollten dis bisherigen Verantwortlichen unbedingt deutsche tote Soldaten sehen? Warum stehen Sie dann nicht wegen Mordes vor Gericht? 10 Jahre soll eine Umstellung dauern. H+K kann dies bei exakten Vorgaben bestimmt schneller und in max. 5 Jahren, da wir ja deutsche "Experten" haben!!! Jeder Tag Verzögerung kann bedeuten: 1 Toter. Dies ist für mich zu viel! Für Verantwortliche, auch Politiker sicher nicht!

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