Heidelberg Cement Baustoffkonzern muss Jahresprognose senken

Trotz höherer Gewinne enttäuscht Heidelberg Cement im dritten Quartal seine Analysten. Doch auch die gesenkte Jahresprognose verspricht noch ein deutliches Plus. Und eine Milliardenübernahme soll mehr Synergien schaffen.
Deutschlands größter Baukonzern bleibt im dritten Quartal trotz höherer Gewinne hinter den Analystenerwartungen zurück. Quelle: dpa
Heidelberg Cement

Deutschlands größter Baukonzern bleibt im dritten Quartal trotz höherer Gewinne hinter den Analystenerwartungen zurück.

(Foto: dpa)

StuttgartDer größte deutsche Baustoffkonzern Heidelberg Cement hat im dritten Quartal dank höherer Preise und niedrigerer Energiekosten den Gewinn gesteigert. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Produzent von Zement, Sand und Beton von Juli bis September 675 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ergebe sich beim Ebit ein Plus von acht Prozent, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseffekte belief sich der Zuwachs auf drei Prozent. Der Umsatz konnte nur dank des schwächeren Euro um drei Prozent auf 3,6 Milliarden Euro klettern, bereinigt wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken, da der Absatz stagnierte. Der positive Wechselkurseffekt lasse allerdings nach.

Die Kurpfälzer schnitten damit schwächer ab, als von Analysten erwartet. Bei einer unternehmenseigenen Umfrage hatten sie im Schnitt einen Umsatz von 3,77 Milliarden Euro und ein Ebit von 681 Millionen Euro erwartet. Die widrigen Marktbedingungen und die Absatzschwäche seien vorübergehender Natur, erklärte Vorstandschef Bernd Scheifele. Er senkte die Jahresprognose für den Umsatz auf einen moderaten bis deutlichen Anstieg. Für das operative Ergebnis und den Überschuss erwartet der Dax-Konzern weiterhin eine deutlicher Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

Beim Zusammenschluss mit dem italienischen Zementhersteller Italcementi, die im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen werden soll, kann Heidelberg Cement nun höhere Synergien erreichen als zunächst gedacht. Die Schätzung dafür hob der Konzern auf 300 von zuvor 175 Millionen Euro an. Beispielsweise sollen die Produktionsanlagen der Italiener besser genutzt werden als bislang. Niedrigere Kosten seien durch die Zusammenlegung der italienischen Werke im Mittelmeerraum mit dem bisherigen Handelsgeschäft von Heidel Cement möglich.

So verschachtelt sind die Dax-Konzerne
Platz 10: Daimler (327 voll konsolidierte Gesellschaften)
1 von 10

Der Stuttgarter Automobilriese konzentriert sich seit einigen Jahren wieder voll auf das organische Wachstum in seinem Kerngeschäft mit hochwertigen Autos und Lkws. Die Zahl der konsolidierten Konzerngesellschaften ist in den letzten Jahren leicht geschrumpft.

Platz 9: RWE (341)
2 von 10

Der Essener Energiekonzern, dem die Erträge aufgrund der Energiewende wegbrechen, sucht auf allen Ebenen nach Einsparpotenzial. Dabei hat man auch die gesellschaftsrechtliche Struktur entdeckt. Die Zahl der GmbHs und AGs im RWE-Reich soll deutlich sinken

Platz 8: Continental (344)
3 von 10

Der Automobilzulieferer gehört mit 344 konsolidierten Firmen zwar noch zu den Top-10 der Dax-Konzerne, befindet sich aber bereits deutlich auf dem Weg zu übersichtlicheren Rechtsstrukturen. Seit 2010 ist der Konsolidierungskreis bereits um ein Fünftel geschrumpft.

Platz 7: Linde (535)
4 von 10

Der erfolgreiche Industriegase-Konzern wirkt mit seiner rechtlichen Struktur relativ kleinteilig. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass viele seiner Onsite-Anlagen, die auf dem Gelände von Kunden laufen, als eigenständige Gesellschaften betrieben werden. Nicht zuletzt die Übernahme von Lincare in den USA hat dafür gesorgt, dass sich der Konsolidierungskreis in den letzten vier Jahren um rund ein Zehntel vergrößerte.

Platz 6: Thyssen-Krupp (546)
5 von 10

Der Stahl- und Maschinenbaukonzern gehört gemessen an der Zahl der Einzelfirmen und auch in Relation zum Umsatz zu den komplexeren Firmen im Dax. Der Trend geht aber bereits deutlich in Richtung einfacherer Strukturen, bedingt auch durch Desinvestitionen. Vor vier Jahren hatte der Konzern noch 150 Firmen mehr konsolidiert.

Platz 5: Siemens (604)
6 von 10

Auch Siemens gehört nach wie vor zu den relativ komplexen Großkonzernen, obwohl sich der Münchner Elektro-Riese in den letzten Jahren bereits verkleinert hat, etwa durch die Abspaltung von Osram. Angesichts von mehr als 600 Firmen im Konzern dürfte aber noch Spielraum zur Vereinfachung bestehen.

Platz 4: Heidelberg Cement (744)
7 von 10

Deutschland größter Baustoffkonzern hat die Zahl seiner Konzerngesellschaften in den letzten Jahren bereits deutlich reduziert, bewegt sich mit 744 Einheiten aber immer noch in der Spitzengruppe. Die hohe Zahl ist dabei nicht untypisch für den Baustoffsektor; Konkurrenten wie Lafarge haben noch größere Konsolidierungskreise. Vor allem das Transportbeton-Geschäft wird über viele kleine lokale Gesellschaften betrieben.

Heidelberg Cement hat sich unter dem Wettbewerbsdruck des neuen Baustoffgiganten Lafarge-Holcim erstmals seit 2007 wieder an eine Milliardenübernahme herangewagt. Für 3,7 Milliarden Euro wollen die Kurpfälzer 45 Prozent von Italcementi übernehmen. Die dafür notwendige Finanzierung konnte um 1,1 Milliarden Euro auf 3,3 Milliarden Euro gesenkt werden. Anders als ursprünglich angenommen, müssen Minderheitsaktionäre in Marokko nicht ausgezahlt werden.

Durch die Fusion wächst der Dax-Konzern dank der rund vier Milliarden Umsatz von Italcementi auf einen Jahresumsatz von 17 Milliarden Euro und hat künftig knapp 63.000 Mitarbeiter. Vom Umsatz her ist Heidel Cement damit etwa halb so groß wie Branchenprimus Lafarge-Holcim.

  • rtr
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%