Heidelberg-Cement beim Kartellamt
Verhandlungspoker um Readymix-Übernahme

Der führende deutsche Zementhersteller Heidelberg-Cement hat beim Bundeskartellamt erste Sondierungsgespräche zur Übernahme des Ratinger Konkurrenten Readymix geführt. Die Verhandlungen um eine Übernahme des Zementherstellers Readymix durch Konkurrenten gehen somit in die entscheidende Phase.

HB DÜSSELDORF. Vertreter der Zementunternehmen Heidelberg-Cement, Holcim sowie des Bankhauses Metzler führten am Mittwoch beim Bundeskartellamt nach Angaben einer Sprecherin Sondierungsgespräche für den Erwerb des Konkurrenten. An den Gesprächen, über deren Inhalt Vertraulichkeit vereinbart worden sei, habe sich auch die Readymix-Konzernmutter RMC beteiligt. Der Zementhersteller Schwenk habe aber entgegen Angaben vom Dienstag noch nicht an der Runde teilgenommen.

Informelle Gespräche zwischen Vertretern des Kartellamts und an Übernahmen interessierter Firmen sind vor der formellen Anmeldung größerer Übernahmepläne üblich. Dabei können Firmenvertreter erste Reaktionen der Kartellwächter zu ihren Plänen sondieren. Eine formelle Anmeldung von Übernahmeplänen für Readymix liege aber weiter nicht vor, sagte die Sprecherin weiter. Der Betriebsrat der Readymix AG warnte erneut, den Unternehmen gehe es um die Zerschlagung von Readymix, um einen unliebsamen Konkurrenten vom Markt zu nehmen.

Der Vizepräsident des Bundeskartellamts, Kurt Stockmann, hatte am Dienstag nach Gesprächen mit Vertretern des Readymix-Betriebsrats angekündigt, dass die Kartellwächter eine Übernahme nicht einfach durchwinken würden. Gesamtbetriebsratschef Hans Bergmann fürchtet, dass die Konkurrenz-Unternehmen unter Führung von Heidelberg-Cement Readymix filettieren und einzelne Teile dann in die Insolvenz und Tausende von Menschen in die Arbeitslosigkeit schicken könnten. „Dieser Fall erfordert erhebliche Ermittlungen, die Zeit brauchen werden“, hatte Stockmann den Vertretern des Gesamtbetriebsrates zugesichert. Er deutete an, dass das Kartellamt die viermonatige Prüffrist voll ausschöpfen könnte.

Neben dem Marktführer Heidelberg-Cement hatte sich auch Schwenk offen zu seinem Interesse am Erwerb von Teilen des Konkurrenten Readymix bekannt. „Wenn Readymix an jemanden verkauft wird, der Teile davon weiterverkaufen will, dann wären wir interessiert“, hatte der Geschäftsführer der Ulmer Schwenk Zement KG, Gerhard Hirth, am Dienstag Reuters gesagt. „Readymix kann man so nicht weiterbetreiben, also müsste man es stückweise verkaufen“, sagte er.

Analysten sind sich einig, dass eine Übernahme von Readymix ein erster Schritt zur Bereinigung des von Überkapazitäten gekennzeichneten deutschen Zementmarktes wäre. Heidelberg-Cement will nach früheren Angaben bei der Konsolidierung eine aktive Rolle spielen. Der Zementmarkt war zuletzt von einer schwachen Auftragslage gekennzeichnet. Erst im April hatte das Bundeskartellamt gegen sechs führende Konzerne wegen jahrelanger Preisabsprachen eine Rekordbuße von 660 Mill. € verhängt. Die höchste Strafe entfiel mit 252 Mill. € auf Heidelberg-Cement. Readymix musste nur zwölf Mill. € zahlen, da die Firma als erster Zementhersteller mit den Kartellwächtern kooperiert hatte. Der Readymix-Betriebsrat unterstrich in einer Erklärung am Mittwoch erneut, geplant sei keine „normale Übernahme“, sondern ein „Wegkauf und die Zerschlagung eines unliebsamen Kartellbrechers“.

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