Heidelberger Druck
Konzernchef Schreier übernimmt Vertrieb

Zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren baut der verlustreiche und hoch verschuldete Konzern Heidelberger Druck seinen Vorstand um. Mit dem Konzernumbau will sich der weltgrößte Druckmaschinenbauer unabhängiger von Konjunkturschwankungen machen und sein Service-Geschäft stärken.
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HB STUTTGART. Den weltweiten Vertrieb nehme künftig Vorstandschef Bernhard Schreier wieder selbst in die Hand, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Mit der ab April kommenden Jahres wirksamen neuen Struktur könne Heidelberger Druck seine Strategie effizienter umsetzen, begründete das Unternehmen den Umbau. Die bisherigen Geschäftsbereiche Press (Druckmaschinen) und Postpress (Weiterverarbeitung) gingen in den neu geschaffenen Ressorts Equipment (Druckmaschinen) und Services (Dienstleistungen) auf. Die Sparte Financial Services (Absatzfinanzierung) bleibe erhalten.

Im Zuge des Umbaus scheide der Vertriebschef Jürgen Rautert der erst im Mai 2008 mit dem Verkauf betraut worden war, aus dem Vorstand aus. Rauterts Aufgaben übernehme wieder Vorstandschef Bernhard Schreier. Neu in den Vorstand rücke bereits zum 1. Januar 2010 der 48-jährige Marcel Kießling auf, der bisher die Vertriebsregion Amerika betreut hatte. Kießling werde das neue Geschäftsfeld Services leiten. Für die neue Sparte Equipment sei künftig der bisherige Technik-Vorstand Stehpan Plenz verantwortlich. Die Finanzen einschließlich der Sparte Financial Services verantworte weiterhin Dirk Kaliebe.

Heidelberger Druck schreibt seit sechs Quartalen Verluste und sieht noch immer keine Erholung des zusammengebrochenen Markts für Bogendruckmaschinen. Beinahe jede zweite weltweit verkaufte Bogendruckmaschine für Prospekte, Verpackungen, Bücher und Etiketten stammt von Heidelberger. Die Druckereien zögern wegen dürrer Auftragslage jedoch seit geraumer Zeit mit Neuanschaffungen, was Heideldruck zu Kurzarbeit und zur Streichung jeder fünften Stelle der zuletzt rund 20 000 Stellen zwingt.

Nur mit staatlichen Krediten und Bürgschaften wurde der Traditionskonzern im Frühjahr vor dem Aus gerettet. Fusionsgespräche mit dem Konkurrenten Manroland platzten im Oktober. Heidelberger Druck lotet allerdings seit längerem die Möglichkeit aus, gemeinsam mit den Konkurrenten Gussteile oder Elektronik zu produzieren, um Kosten zu sparen. Dritter großer Anbieter von Bogendruckmaschinen in Deutschland ist Koenig & Bauer, der zuletzt ebenfalls auf seine Unabhängigkeit pochte. Manroland und KBA sind stärker im Rollendruck aktiv.

Um die Schwankungen im Druckmaschinengeschäft abzumildern, will Heidelberger Druck nun sein konjunkturunabhängigeres Service-Geschäft erweitern. Dazu gehören neben Druckfarben und Druckplatten auch Software, Beratung und der weltweite Ersatzteilservice. Insgesamt sind rund 4 500 Mitarbeiter in rund 170 Ländern im Service-Geschäft tätig. Heidelberger Druck wolle mit dem Ausbau der Sparte unter anderem erreichen, dass die Druckereien ihre Maschinen länger störungsfrei und umweltschonender laufen lassen könnten. „Im kundenorientierten Service-Geschäft gibt es noch Nachholbedarf“, heißt es im Unternehmen. Bisher dominierten im Vorstand die Ingenieure.

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  • Überkapazitäten müssen abgebaut werden, aber ganz ohne Druckmaschinen wird es auch künftig nicht gehen - im Gegensatz zur Dampflok. ich sehe nicht, wie das internet z.b. den Verpackungsdruck überflüssig macht.
    Aber gemessen an öffentlichen Renditezahlen war Heideldruck auch in guten Zeiten nicht sonderlich profitabel. ich frage mich, wer die Firma zur "Vorzeigefirma" erklärt hat?

  • vor wenigen jahren war das noch die vorzeigefirma deutschlands !
    aber die betonung liegt auf war.
    hatte ich vor ca 10 jahren noch 5 zeitungen,heute habe ich gerade noch eine,
    wir lesen das hb,den merkur,wiwo, den allgemeinen anzeiger aus namibia am pc, die liste ist eigendlich endlos zu erweitern.
    druckmaschienen sind wie dampfloks,schön aber wer braucht sie noch ?

  • Ein weiterer Schritt

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