Heidelberger Druckmaschinen
Druckbranche blickt pessimistisch in die Zukunft

Die Druckindustrie in Deutschland gerät noch stärker unter Druck. so verschärft Bertelsmann bei Prinovis den Sparkurs. Und Spekulationen schicken Aktie von Heidelberger Druckmaschinen in den Keller. Der Branche droht Ungemach.

DÜSSELDORF. Die Druckindustrie in Deutschland gerät noch stärker unter Druck. Die Aussichten der Branche haben sich angesichts der schlechten Werbekonjunktur weiter verschlechtert. "Wir sehen noch keinen Silberstreif am Horizont", sagte Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien, dem Handelsblatt. "Wir gehen für dieses Jahr von einem Umsatzrückgang zwischen zwei und drei Prozent aus." Noch zu Jahresbeginn hat die Branche mit deutlich weniger gerechnet.

Auch unabhängige Experten sind wenig zuversichtlich. "Es geht nochmals runter. Die Preise sind am Boden", sagte Druck-Analystin Iris Schäfer von der Stuttgarter Landesbank LBBW. "Die schlechte Lage bei den Versandhändlern und Zeitschriftenverlagen schlägt auf die Druckbranche voll durch."

Die Talfahrt macht auch Europas größtem Tiefdruckkonzern Prinovis zu schaffen. Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann verschärft bei seiner Tochter den Sparkurs. Nach Mitarbeiterangaben will der Konzern zehn Mio. Euro einsparen. "Wie fast alle Unternehmen in Deutschland ist auch Prinovis von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen", sagte ein Sprecher. "Von dem Einsparprogramm, das bereits läuft, sind alle Standorte betroffen." Details wollte er nicht nennen.

Zu den Sparmaßnahmen des neuen Prinovis-Chefs Thorsten Thiel zählt auch die Verlagerung der Holding in Hamburg an den Druckstandort Itzehoe. In der Branche gibt es zudem Spekulationen, dass Prinovis die frühere Tiefdruckerei von Axel Springer in Ahrensburg bei Hamburg schließen könnte. Ein Sprecher sagte, derzeit gebe es keine entsprechenden Pläne. Eine Bestandsgarantie für Ahrensburg wollte er aber nicht abgeben. Prinovis beschäftigt derzeit 3 700 Mitarbeiter und erzielte zuletzt Erlöse von rund einer Mrd. Euro.

Doch nicht nur den Druckereien, sondern auch den Druckmaschinenherstellern geht es schlecht. Ein Bericht des "Platow-Briefs" hat gestern die Aktie der krisengeschüttelten Heidelberger Druckmaschinen weiter auf Talfahrt geschickt. Der Börsenbrief hatte ohne Quellenangabe gemeldet, Heideldruck verhandele mit Vertretern der Bundesregierung über staatliche Hilfen. Ein Unternehmenssprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Dies genügte aber, um die Aktie in einem allerdings schwachen Markt um drei Prozent auf 2,89 Euro fallen zu lassen. Jedoch wies der Sprecher des weltweit größten Herstellers von Druckmaschinen darauf hin, dass Vorstandschef Bernhard Schreier bereits Anfang Februar gesagt habe, dass der Konzern in der derzeit schwierigen Lage alle Optionen prüfe. Dazu gehöre auch, ob Heideldruck von den Konjunktur- und Rettungspaketen profitieren könne.

Analysten betonen, dass Heideldruck neben operativen Problemen noch eine Refinanzierung organisieren müsse. Im Februar 2010 kann eine Wandelanleihe über 300 Mio. Euro gekündigt werden, was dem Unternehmen zusätzliche Finanzprobleme bescheren könne. Von Oktober bis Dezember 2008 hat Heideldruck 41 Prozent weniger Bestellungen als noch vor einem Jahr verbucht. Der Verlust nach Steuern lag bei 119 Mio. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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