Heidelcement-Chef Scheifele
„Der ganze Sektor ist unterbewertet“

Die Baustoffbranche ist durch die schwache Konjunkturlage weltweit in einer Absatzkrise. Trotzdem blickt Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender der Heidelberg Cement AG, im Handelsblatt-Gespräch optimistisch in die Zukunft.
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Handelsblatt: Herr Scheifele, seit knapp vier Monaten ist Heidelberg Cement im Dax. Aber Ihre Investoren haben seither nicht viel Freude mit der Aktie.

Scheifele: Es ist müßig als Vorstandsvorsitzender über den Aktienkurs zu philosophieren. Die Börse versucht, zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen und neigt daher gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten zu Übertreibungen im positiven wie im negativen Sinne. Da hängt vieles auch von aktuellen Stimmungen ab, die vom Management gar nicht zu beeinflussen sind.

Der Markt hat offenbar das Vertrauen in Heidelberg Cement und die Perspektiven des Baustoffgeschäfts schon wieder verloren.

Die Bewertungen in unserer Branche sind derzeit extrem volatil. Im Moment ist der ganze Sektor deutlich unterbewertet.

Woran liegt das?

Wir hatten ja im vergangenen Jahr eine sehr gute Kursentwicklung. Damals gingen alle noch davon aus, dass sich der US-Markt für Zement und Zuschlagstoffe 2010 auch aufgrund der angekündigten Konjunkturprogramme rasch und zweistellig erholt. Aber diese Einschätzung musste der Markt im Frühjahr revidieren, als man merkte, dass das alles nicht so schnell kommt wie erwartet. Damit hat sich die Stimmung komplett gedreht. Jetzt wird alles sehr pessimistisch beurteilt. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie häufig in der Mitte.

Wie entwickelt sich das US-Geschäft denn in diesem Jahr?

Derzeit sagt der amerikanische Zementverband etwa 3 Prozent Wachstum für 2010 voraus. Die weitere Entwicklung ist schwer einzuschätzen. Zunächst müssen wir einmal die Kongresswahlen abwarten. Aber das Sentiment des Kapitalmarkts ist mit Blick auf die USA im Moment sicherlich zu negativ.

Womöglich erleben wir ja gerade den Anfang vom Ende des amerikanischen Jahrhunderts.

Sicherlich haben die Amerikaner ihren Optimismus und ihr Selbstvertrauen ein wenig verloren. Die wissen im Moment nicht so genau, wie es weitergehen soll. Aber diese Stimmung kann sich in den USA auch schnell wieder ändern. Die Amerikaner sind unternehmerischer als die Europäer. Zudem besteht weiterhin ein großer Bedarf an Infrastruktur- und Wohnbauinvestitionen aufgrund der weiter wachsenden Bevölkerungszahlen. Wir glauben daher, dass die USA langfristig der weltweit größte und ein sehr attraktiver Baustoffmarkt bleiben wird.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung in anderen Märkten?

Wir sehen in Afrika und Asien weiter eine kräftig wachsende Nachfrage. In Europa bietet sich ein unterschiedliches Bild. Deutschland, Nordeuropa und die Benelux-Staaten entwickeln sich verhalten positiv, gleiches gilt für Tschechien und Polen. Das Geschäft in Großbritannien ist 2010 stabil auf niedrigem Niveau, dürfte im nächsten Jahr aber leicht zulegen. Und in Südeuropa, wo wir aber Gott sei Dank kaum vertreten sind, ist die Situation schwierig.

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