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10.07.2008 

Und so zieht er genauso loyal den Expansionskurs seines Vorgängers Mehdorn mit durch, wie er hinterher die großen Ideen seines körperlich noch kleineren Vorgängers wieder revidiert. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte stehen große Stellenstreichungen an.

Mehdorn wollte den äußerst erfolgreichen Weltmarktführer für Druckmaschinen im Bogendruck zu neuen Ufern führen. Er investiert große Summen in neue Rollendruckmaschinen für den Zeitungsdruck. Zusätzlich steigt er in den Digitaldruck ein und macht Anbietern wie Kodak oder Xerox Konkurrenz, die dieses Geschäft mit kleineren Auflagen von der Kopiererseite her aufbauen. Der Ausflug in neue Geschäftsbereiche endet in einem Desaster. Die Marktkrise der Werbebranche bereitet der Druckmaschinenbranche Probleme, Heidelberg steht kurz vor dem Absturz.

Doch genauso loyal wie Schreier vorher die Expansionspläne von Mehdorn mitträgt, revidiert er nachher ohne ein böses Wort wieder alles. „Wir werden alle Bereiche auf den Prüfstand stellen“, sagt er damals und setzt es um. „Er ist derjenige im Vorstand, der die Sanierungspläne am vehementesten vorantreibt“, berichtet damals ein Insider aus Sitzungen des Vorstands. Pünktlich zur Weltmesse Drupa 2004 verkauft Schreier die einstigen Zukunftsbereiche. Das Geschäftsjahr 2003/04 endet mit einem Rekordverlust von knapp 700 Millionen Euro. Ohne die Verkäufe hätte der Konzern vor der Insolvenz gestanden.

Und jetzt, fünf Jahre später, muss Schreier zumindest für das gerade beendete erste Quartal wieder einen Verlust ankündigen und weitere Stellen streichen. Die Aktie des seit Ende 1997 börsennotierten Konzerns ist auf einen historischen Tiefststand gefallen.

Dies dürfte besonders die beiden Großaktionäre wenig erfreuen. RWE, seit 1940 bei Heidelberg engagiert und bis 1997 Mehrheitsaktionär, hält zehn Prozent und die Allianz zwölf Prozent. Beide Großaktionäre haben seit längerem ihre Absicht bekundet, sich von ihren Anteilen zu trennen.

Sie werden Schreier in der Aufsichtsratssitzung nächste Woche Freitag unangenehme Fragen stellen. Ebenso die Aktionäre, die am selben Tag im Mannheimer Congress Center Rosengarten tagen. Der Blumenstrauß für Bernhard Schreier könnte viele Dornen haben.

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