Heideldruck
Ohne Staatshilfe stünden die Maschinen still

Heideldruck steckt tief in der Krise, der Umsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 30 Prozent eingebrochen. Auch für die nahe Zukunft erwartet das Unternehmen rote Zahlen. In der Branche steht das Unternehmen mit seinen Problemen allerdings nicht alleine da, auch die beiden deutschen Konkurrenten wollen Arbeitsplätze abbauen.

FRANKFURT. Die Heidelberger Druckmaschinen AG steckt derzeit in der wahrscheinlich schwersten Krise der Unternehmensgeschichte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 18 Prozent auf drei Mrd. Euro gesunken. Der Verlust betrug 249 Mio. Euro, Sondereffekte mit berücksichtigt. Weil Druckmaschinen eine recht lange Fertigungszeit beanspruchen, die durch den Anbieter vorfinanziert wird, waren die Finanzschulden auf 760 Mio. Euro gestiegen.

Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Heideldruck-Management rote Zahlen. Angesichts der prekären Finanzsituation hat sich der Konzern mittlerweile erfolgreich um Staatshilfe bemüht. So gewähren Bund und Länder Bürgschaften in Höhe von insgesamt 495 Mio. Euro, die KfW sichert ein Darlehen über 300 Mio. Euro. Diese Rückendeckung ist eine Voraussetzung für die derzeit laufenden Gespräche mit Banken über die Ablösung einer im kommenden Jahr fälligen Wandelanleihe.

Heideldruck steht mit dieser Situation allerdings nicht allein da. Auch die beiden anderen Druckmaschinenhersteller aus Deutschland, Koenig & Bauer (KBA) und Manroland, leiden unter der Krise. So hat das Management von KBA mittlerweile auch das bereits von 1,53 auf 1,2 Mrd. Euro reduzierte Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr gekippt. Wie Heideldruck hat KBA mittlerweile in Berlin um Staatshilfe nachgesucht. Bei Manroland ist der Umsatz 2008 um elf Prozent auf 1,7 Mrd. Euro gesunken, das Betriebsergebnis (Ebit) sank von 125 auf 52 Mio. Euro.

Die Branche ist durch mehrere Faktoren getroffen. Heideldruck produziert Bogendruckmaschinen für Werbematerialien sowie Verpackungen. Der Heidelberger Konzern spürt daher vor allem die Krise in der Werbung. Die überwiegend mittelständischen Druckereien bestellen derzeit keine neuen Maschinen, zum einen weil ihnen die Druckaufträge fehlen, zum anderen weil die existierenden Maschinen in der aktuellen Flaute noch technologisch ausreichen.

KBA hat auch Maschinen für den Rollendruck im Programm - die Würzburger trifft daher auch die massive Zeitungskrise nicht zuletzt in den USA hart. In dieser Sparte wird sich der Umsatz gegenüber den besten Zeiten wohl halbieren.

Alle drei Anbieter haben mittlerweile umfassende Programme für einen Stellenabbau gestartet. Bei Heideldruck sollen 5 000 der 20 000 Mitarbeiter gehen, KBA hat mehr als 700 der 7 700 Stellen zur Disposition gestellt. Manroland baut 625 Stellen ab und schließt zudem das Werk in Mainhausen. Insgesamt beschäftigte der Konzern Ende 2008 gut 8 600 Menschen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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