Heikle Doppelrolle für Siemens: Die Münchener bieten Transrapid und ICE für eine geplante Langstrecke an
Chancen für Transrapid in China sinken

Die Münchener Siemens AG steckt bei der Ausschreibung der Strecke Peking-Schanghai in einer Zwickmühle. Einerseits ist sie Mitglied des Transrapid-Konsortiums, andererseits bietet sie mit dem ICE auch eine traditionelle Lösung an. Das doppelte Engagement sorgt für Spannungen zwischen Siemens und dem Leiter des chinesischen Transrapid-Projekts, Wu Xiangming.

mg/mwb PEKING/MÜNCHEN. Nach Einschätzung lokaler Beobachter wird die chinesische Regierung in der ersten Jahreshälfte 2004 eine Grundsatzentscheidung darüber treffen, welche Technologie auf der 1 300 Kilometer langen Strecke zwischen Peking und Schanghai eingesetzt werden soll – Magnetschwebebahn oder traditionelle Schienentechnik. Derzeit unterbreiten die Anbieter ihre Angebote.

Der 16 Mrd. $ teure Ausbau der Strecke wird das größte Infrastrukturprojekt der neuen chinesischen Regierung in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts sein. Schon seit Sommer zeichnet sich laut Berichten chinesischer Zeitungen ab, dass der Transrapid dabei ins Hintertreffen gerät. Mit dem Ausscheiden des Ex- Premiers Zhu Rongji aus der Regierung im März verlor der Transrapid in China seinen stärksten Befürworter. Seitdem macht das mächtige Eisenbahnministerium für die herkömmliche Schienentechnik mobil.

Informierte Kreise in Peking berichten nun, dass Siemens Gespräche mit der chinesischen Regierung über die Lieferung von 130 bis 150 ICE-Zügen der dritten Generation führt. Die Verhandlungen für den möglichen Milliardendeal seien „sehr konkret“. Einige Züge sollen zunächst in Deutschland gefertigt, der Rest in China produziert werden, hieß es. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Noch ist auch unklar, welches Bahnsystem auf der Schiene zum Einsatz kommen könnte. Die bis Sommer favorisierte chinesische Eigenentwicklung „China Star“ erreichte in Testfahrten zwar über 300 Kilometer pro Stunde, soll die hohe Belastung aber nicht gut vertragen haben.

Auch der zunächst favorisierte japanische Shinkansen hat kaum noch Chancen. Der Grund: Eine Serie von Skandalen bringt die Chinesen zunehmend gegen Japan auf. Zuletzt hatte eine Sexorgie mit 400 japanischen Geschäftsleuten und 500 Prostituierten in der Sonderzone Zhuhai in ganz China Empörung ausgelöst. Die Party fand am Jahrestag der japanischen Invasion in China statt.

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