Heiligendamms Wirtschaft
Gipfeltreff als Marketinghilfe

Vom Gipfelbock bis zur Gipfelpraline reicht die Palette der Produkte, die das G8-Treffen als Marketinghilfe nutzen.

HB HEILIGENDAMM. Genüsslich kaut der Ziegenbock auf den Fahnen der acht wichtigsten Industriestaaten und Russlands. Das Tier ziert das Etikett einer Bierflasche des Ostsee-Brauhauses Kühlungsborn. Der „Gipfelbock“ mit 6,8 Prozent Alkohol ist nur ein Beispiel dafür, wie die Wirtschaft in der Region um den Gipfelort Heiligendamm versucht, von dem Treffen der Staats- und Regierungschefs vom 6. bis 8. Juni zu profitieren. So könnte wenigstens ein Teil der rund 100 Mill. Euro Kosten, die der Gipfel dem Steuerzahler verursacht, als Ergebnis eines erfolgreichen Marketings an die meist kleinen Unternehmen zurückfließen.

Von den 10 000 Litern „Gipfelbock“, die in Kühlungsborn gebraut wurden, ist jedenfalls eine Woche vor Beginn des Gipfels bereits die Hälfte weg. „Wir haben 5000 Literflaschen verkauft“, sagt Brauereichef Ulrich Langer. „Die besten Kunden sind die Polizisten aus ganz Deutschland, die kaufen große Mengen als Andenken an ihren Einsatz hier.“ Langer will daher nachbrauen. Dabei hätte ihm das Bier zum Gipfel beinahe Ärger eingebracht. „Auf einmal stand die Kriminalpolizei vor der Tür. Jemand hatte Anzeige erstattet, weil das Etikett angeblich gipfelfeindlich sein soll.“ Sogar der Staatsschutz und das Schweriner Innenministerium sollen sich mit dem Fall befasst haben, meint Langer. „Aber es hat sich niemand mehr gemeldet.“

In der Schokoladenmanufaktur de Prie im Rostocker Stadthafen liegen Pralinen mit einer großen acht als Aufschrift in der Auslage. „Es gibt die G8-Pralinen in der harmlosen Variante mit Buttercreme, aber auch in verschärfter Form mit Kümmelschnaps und Chili“, erklärt Inhaber Ulrich Deprie. Er hofft, dass auch friedliche Demonstranten den Weg in sein Geschäft finden. „Auch G8-Gegner mögen Schokolade.“ Laut Deprie können sie mit gutem Gewissen zugreifen: „Die G8-Pralinen sind aus biologisch angebautem und fair gehandeltem Kakao gemacht.“

Ein G8-Wurstpaket mit Wildprodukten bietet die Mecklenburger Fleischwaren GmbH in Wismar an. „Wir beliefern auch den Gipfel mit Wild. Mit dem Wurstpaket kann auch der einfache Mann auf der Straße schon mal probieren, was die Gipfelteilnehmer von uns bekommen“, erklärt Geschäftsführerin Rose Stauven. Mit im Paket sind auch Wildschweinwürste - ein augenzwinkernder Hinweis auf die Begeisterung von US-Präsident George W. Bush für das berühmt gewordene gegrillte Wildschwein, das ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einem Jahr bei seinem Besuch in Trinwillershagen servierte.

In mehreren Rostocker Restaurants finden sich G8-Gerichte oder Menüs auf den Speisekarten. Gastronom Dittmar Birkhahn bietet in seinen Restaurants „Hopfenkeller“ und „Gastmahl des Meeres“ einen „G8-Schlemmer-Gipfel“ mit Spezialitäten aus allen Teilnehmerländern. Neben der heimischen Bratwurst mit Sauerkraut gibt es Fish and Chips aus Großbritannien oder Rindfleisch Stroganoff à la Putin für die russischen Gäste. „Als Motto für unser Menü haben wir „Schlemmen statt Schlagen“ gewählt“, erläutert Birkhahn den Hintergrund der Aktion. Er selbst steht den Folgen der Globalisierung auch kritisch gegenüber, schließlich hat er als Seemann viel Elend in der Welt gesehen. „Ich kann aber nicht verstehen, dass manche G8-Gegner mit Gewalt drohen. Man kann seinen Unmut auch anders ausdrücken.“

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