Heimischene Unternehmen sind noch weit abgeschlagen
Qiagen-Zahlen geben deutscher Biotech-Branche Hoffnung

Die in den Niederlanden registrierte, aber in Hilden bei Düsseldorf ansässige Qiagen NV hat im zweiten Quartal ihren Umsatz um 20 Prozent gesteigert. Gleichzeitig ist der operative Gewinn um 85 % auf 17,3 Mill. Dollar gestiegen, netto ist der Gewinn sogar um 143 Prozent auf 11,1 Millionen Euro gestiegen.

DÜSSELDORF. Nach Erfolgsmeldungen amerikanischer und britischer Biotechunternehmen hat jetzt auch das führende deutsche Biotechnologie-Unternehmen Qiagen NV gute Zahlen vorgelegt. „Wir haben unsere strategische Position ausgebaut“, sagt Vorstandschef Metin Colpan. Qiagen untermauert damit seinen Anspruch, auch in Deutschland als hoch spezialisiertes Biotechnologie-Unternehmen nachhaltig profitabel zu sein.

Mit den Erfolgen der britischen und amerikanischen Konkurrenten sind die der deutschen Unternehmen jedoch kaum zu vergleichen. In der vergangenen Woche präsentierte die US-Biotechgruppe Gilead Sciences Inc. ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis: Im Vorjahresvergleich steigerte Gilead seinen Umsatz um 118 % auf 239 Mill. $. Aus dem laufenden Geschäft zogen die Amerikaner mit 100 Mill. Euro fünf Mal so viel Gewinn wie im Vorjahr. Basis dafür ist der Erfolg des Aids-Medikaments Viread.

Bei anderen US-Biotechunternehmen reicht schon die Aussicht auf ein neues Medikament, um den Kurs hochzujubeln. Das erlebte am Freitag die Biopure Corp., die ein Anämie-Medikament aus Rinderblutbestandteilen entwickelt. Den Kurssprung löste ein Brief der Zulassungsbehörde FDA aus, den Investoren als Hinweis auf eine Genehmigung des Mittels sehen.

Bei deutschen Biotechfirmen dagegen stecken die Produkte oft noch im Entwicklungsstadium. Die Firmen machen eher mit Forschung und Allianzen von sich reden. So hofft die Martinsrieder GPC Biotech, 2004 einen Antikörper gegen bestimmte Krebsarten in erste klinische Tests bringen zu können. Und die Evotec OAI verkündete eine Alzheimer-Allianz mit Japans Pharmakonzern Takeda Ltd.

Bei Zahl und Zuschnitt der Markteinführungen geben US-Biotechfirmen den Takt vor. Allein Genentech, Genzyme, Medimmune und Icos starten in diesem Jahr sechs neue Medikamente für den Massenmarkt. In die letzte Genehmigungsrunde kommen vier Mittel gegen Darmkrebs, Lungenkrebs und Schlaflosigkeit. Die größeren US-Biotechfirmen gleichen den klassischen Medikamentenherstellern ohnehin schon stärker als den Forschungsfirmen der Branche. Einige sind überdies Töchter von Pharmakonzernen. So hält die Roche AG knapp zwei Drittel an Genentech, der mit 19,4 Mrd. $ am zweithöchsten bewerteten Biotechfirma der Welt. Und die mit 7,7 Mrd. $ bewertete Chiron gehört zu 41 % der Novartis AG.

Auch deshalb warnen Analysten davor, die Qiagen-Quartalszahlen als Vorboten eines Trends zu missdeuten. Qiagen ist kein Pharmaunternehmen. Hauptumsatzträger ist Testmaterial für Erbgut-Bestandteile. Es wird zum großen Teil von Universitäten und öffentlichen Labors geordert. Die Biotech- Pharmakonzerne indes gelten in Hilden als eher knauserige Kunden.

Kaum Medikamente in der Pipeline

Die deutsche Biotech-Szene kann der amerikanischen nicht das Wasser reichen – deren gesamter Börsenwert beträgt fast 200 Mrd. $. Doch gibt es hier zu Lande fast 350 Unternehmen, mehr als sonstwo in Europa.

Medikamente bringen diese Firmen, von denen viele in den Boomjahren Ende der Neunziger entstanden, allerdings bisher kaum auf den Markt. Dabei haben viele deutsche Biotech-Firmen Allianzen mit Pharmakonzernen.

In Großbritannien gibt es nur 250 Biotech-Unternehmen. Doch haben sie fast 20 Mal so viel neue Heilwirkstoffe in der Entwicklung wie ihre deutschen Wettbewerber und sind damit Spitze in Europa.

Den Wettlauf um Kapital zum Aufbau echter Pharmakonzerne haben deutsche wie britische Biotech-Firmen längst verloren. Die deutschen sind zu klein. Der Börsenwert der britischen ging in den letzten Jahren wegen Misserfolgen in den Keller.

Quelle: Handelsblatt

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