Heinz
Kampf um Ketchup-Legende

Die Einmischung großer Aktionäre in das Management von US-Konzernen hat ein neues Symbol gefunden: Ketchup. Am Mittwoch entscheiden die Anteilseigner des Lebensmittelkonzerns H.J. Heinz darüber, ob sie den radikalen Reformplänen des Finanzinvestors Nelson Peltz folgen oder der Führungsmannschaft um Konzernchef William Johnson die Stange halten.

NEW YORK. Die Kampfabstimmung beim größten Ketchup-Hersteller der Welt wird vermutlich nicht die amerikanische Wirtschaft erschüttern. Sie zeigt jedoch, welche obskuren Formen der Streit zwischen Management und aggressiven Aktionären annehmen kann. Die rüden persönlichen Attacken der Kontrahenten stehen in einem seltsamen Missverhältnis zu der Tatsache, dass ihre wirtschaftlichen Vorstellungen gar nicht so weit auseinander liegen.

Begonnen hat die Fehde beim von deutschen Einwanderern gegründeten Traditionsunternehmen Mitte März in einem Steakhaus in Florida. Peltz und Johnson unterhielten sich beim Abendessen darüber, wie man den vor sich hin dümpelnden Aktienkurs von Heinz wieder auf Trab bringen könne. Seitdem der 57-jährige Johnson den Chefposten bei Heinz 1998 übernommen hatte, war der Kurs um fast 25 Prozent abgesackt. Nach Meinung von Peltz, dessen Hedge Fonds Trian etwa 5,5 Prozent der Heinz-Anteile hält, agiert das Management zu zaghaft.

Der Finanzinvestor fordert eine massive Verstärkung des Marketings für das Kerngeschäft (Ketchup) und eine Senkung der jährlichen Kosten um 575 Mill. Dollar. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat Peltz für die morgige Aktionärsversammlung fünf eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat (Board) nominiert. Dazu gehören sein Schwiegersohn und sein Nachbar, der Profi-Golfer Greg Norman. Kritiker sprechen deshalb bereits von Vetternwirtschaft.

Johnson hat auf die Attacke zunächst mit einer verbalen Gegenoffensive reagiert. Er gründete das „Project Steeler“, eine negative PR-Kampagne, um Peltz als Firmenjäger anzuschwärzen, der nur an einer schnellen Rendite interessiert sei. Der Finanzinvestor hat sein Geld mit einer Reihe von Firmentransaktion in den 80er- und 90er-Jahren gemacht. So kaufte er den Getränkehersteller Snapple für 300 Mill. Dollar, baute die Firma um und verkaufte sie drei Jahre später für 1,5 Mrd. Dollar. Zuletzt brachte er das Management der Restaurantkette Wendy's unter Druck. „Wir sind nicht hier (bei Heinz), um schnelles Geld zu verdienen“, versicherte Peltz-Partner Peter May der „New York Times“.

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