Hellenic Shipyards
Gerangel um Werft-Verkauf auf der Zielgeraden

Thyssen-Krupp und die griechische Regierung steuern im Streit um die Werft Hellenic Shipyards (HSY) auf eine Lösung zu. Der Verkauf der griechischen Tochter an Abu Dhabi Mar ist aber noch nicht final beschlossen, die Marine des Mittelmeerlandes stellte überraschend neue Forderungen.
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FRANKFURT. Die Zukunft von HSY mit ihren 1 200 Beschäftigten steht seit Monaten auf der Kippe. Zwar hatte Griechenland im März grundsätzlich einem Verkauf an die arabische Werftengruppe Abu Dhabi Mar zugestimmt, der Teufel lag aber im Detail. In den über Monate hinziehenden Verhandlungen stellte Griechenland immer neue Forderungen und verlangte Nachbesserungen.

Zur Wochenmitte war dann die Einigung zum Greifen nah. Vertreter der drei Partien hätten den Vertrag paraphierten, wie eine Sprecherin der Werftensparte Thyssen Marine Systems-Krupp (TKMS) bestätigte. Jede Seite des Vertragwerkes mit knapp 25 000 Seiten wurde dabei von den Firmen und dem Verteidigungsministerium abgezeichnet.

Normalerweise ist damit ein Geschäft unter Dach und Fach; die finalen Unterschriften gelten als Formsache. Ein Restrisiko sahen Thyssen-Krupp und Abu Dhabi Mar zu dem Zeitpunkt lediglich in der fehlenden Zustimmung des Parlaments. Widerstand der Abgeordneten war absehbar, denn der HSY-Verkauf ist politisch brisant und Griechenland hoch verschuldet. Teil des Deals ist die Bestellung von zwei neuen Unterseebooten bei Thyssen-Krupp, auf Athen rollen damit neue Kosten zu. Griechenland soll zudem vier bereits bestellte U-Boote übernehmen und diese weiterverkaufen.

Im Gegenzug ist eine Insolvenz der Werft vor den Toren der Hauptstadt vom Tisch, HSY ist derzeit ohne Aufträge. Außerdem kann sich Griechenland auf eine Entlastung einstellen. Die EU-Kommission habe mündlich zugesichert, dass Griechenland Subventionen in Höhe von über 200 Millionen Euro zurückzahlen müssen, hieß es im Umfeld der Verhandlungen. Alle Voraussetzungen für einen Vertragsabschluss sind damit erfüllt.

Nun schießt aber die Marine der Helenen quer. Nach Angaben von TKMS forderte diese nun Nachverhandlungen. Dabei soll es sich um technische Details bei den U-Booten handeln. ThyssenKrupp lehne eine Nachverhandlung ab, sagte die Sprecherin. Bei Thyssen-Krupp und Abu Dhabi Mar ist man dem Vernehmen nach sehr verärgert über die neuen Forderungen. Nun ist offen, wie es weitergeht.

An einem endgültigen Scheitern kann keine Seite interessiert sein. Bei einer Pleite von HSY verlöre Griechenland einen wichtigen industriellen Arbeitgeber und darüber hinaus würde die Glaubwürdigkeit der Regierung leiden. Thyssen-Krupp hofft hingegen auf eine zügige Begleichung alter Rechnung, die das Ergebnis im Ende September auslaufenden Geschäftsjahr 2009/2010 positiv beeinflussen würden.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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