Henkel
Ein Bier bitte für Herrn Seis!

Finanzprüfungen sind vielen Unternehmen ein Graus, zumal sich diese Prozesse bei entsprechender Größte des Konzerns über Jahre erstrecken können. Beim Weltkonzern Henkel haben dieses Problem zwei grundverschiedene Herren direkt auf dem Firmengelände angepackt und gelöst: Hans-Peter Seis und Peter Lipke haben dabei sogar neue Maßstäbe gesetzt.

DÜSSELDORF. Die Duftmarke hängt träge in der Luft. Und da sich die Luft kaum bewegt, verharrt der Geruch hartnäckig in der Nase. Das, was da so verhalten über das mit viel Grün gestaltete Gelände strömt, ist etwas süßlich, je länger man ihm nachschnuppert, desto gummiartiger riecht es. Herr Seis glaubt, dafür könne nur der Weiße Riese verantwortlich sein – oder das nicht minder bekannte Persil. Pritt, der rote Klebestift, käme aber wohl auch in Betracht, denkt der Besucher. Denn meine Wäsche riecht anders.

Auf dem riesigen Firmengelände von Henkel in Düsseldorf werden jedenfalls alle drei Dinge hergestellt und noch viel mehr. Und ein Blick auf den Passierschein verrät, dass es dabei im Ernstfall sogar explosiv zugehen kann – je nachdem, was womit zusammengemixt wurde.

Und so wäre es nun sicher ein Leichtes, eine Geschichte zu erfinden, die von drei Dingen handelt: von Saubermännern, die so rein miteinander umgehen, reiner geht’s gar nicht, und die zweitens zusammenhalten wie zusammengeklebt. Und die schließlich etwas wahrlich Revolutionäres entwickelt haben, das einschlagen könnte wie falsch zusammengeschüttete Substanzen.

Doch das Leben ist komplizierter, und deshalb handelt diese Geschichte zwar von zwei Männern, die gemeinsam ein tolles neuartiges Steuerspar-System erfunden haben. Aber diese beiden haben, obwohl sie seit drei Jahren ständig zusammenarbeiten, noch nie ein Bier miteinander getrunken. Weil sie eben nicht wollen, dass jemand denken könnte, sie würden aneinander kleben. „Ne“, sagt Herr Lipke zu Herrn Seis, „dat hat wirklich nix mit Ihnen persönlich zun tun.“

Wir sitzen im Büro von Hans-Peter Seis, der bei Henkel der Fachmann für Steuern ist, vor allem für die Betriebsprüfung. Mit am Tisch sitzt Peter Lipke, der nur ein Stockwerk über Seis sein Reich hat. Herr Seis ist 40 Jahre alt, groß, schlank und hat lange Finger. Er spricht wenig, dafür präzise. Herr Lipke, 49, ist das Gegenteil, eher klein und rundlich, und er kann stundenlang lustig formulieren.

Herr Lipke ist – wir ahnen es schon – vom Finanzamt, wo er schon lange kein Büro mehr hat, weil Konzernbetriebsprüfer heutzutage Büros in den Unternehmen haben, die sie prüfen. Und weil Herr Lipke seit drei Jahren für den Weltkonzern Henkel zuständig ist, hat er kein Auge mehr für andere Steuerpflichtige.

Nun wäre das alles nicht sonderlich erwähnenswert, wäre da nicht ein Projekt, das der Finanzbeamte und der Steuermann gemeinsam ins Leben gerufen haben und das – so bestätigt es auch das Bundeszentralamt für Steuern – seinesgleichen sucht. Nicht zuletzt, weil es Unternehmen horrende Steuernachzahlungen erspart, noch dazu in Deutschland, wo dem Finanzamt selten etwas Gutes zugetraut wird. Der Clou: „Wir arbeiten mit gemeinsamen Datenbanken zur Dokumentation und Verarbeitung des Zahlenwerks“, sagt Herr Seis stolz – und der Besucher denkt: na und?

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