Henkel hat hohe Restrukturierungsaufwendungen
Konsumgüterkonzerne erhöhen Preise

Als Reaktion auf anziehende Rohstoffpreise und Verbraucher, die mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, heben Konsumtergüter-Hersteller nun ihre Preise an. Nach der Ankündigung von Beiersdorf am vergangenen Dienstag zieht nun auch Henkel nach.

HB DÜSSELDORF. Nach Beiersdorf will auch der Konsumgüterkonzern Henkel will im zweiten Halbjahr an der Preisschraube drehen. Henkel erwarte in diesem Zeitraum Preissteigerungen zwischen fünf bis zehn Prozent, kündigte Vorstandschef Kasper Rorsted am Mittwoch in Düsseldorf an. In den USA seien diese bereits angekündigt worden. Henkel gehe davon aus, die angepeilten Preiserhöhungen durchsetzen zu können.

Ähnlich ist die Situation bei Nivea-Produzenten. "Beiersdorf kann sich von den steigenden Preisen im weltweiten Rohstoffmarkt nicht abkoppeln und wird im nächsten Jahr seine Verkaufspreise dieser Entwicklung anpassen", sagte Firmenchef Thomas-Bernd Quaas am vergangenen Dienstag. Steigerungen von Umsatz und Gewinn im Halbjahr gehen jedoch erst kaum auf Preisaufschläge zurück. Der Konzern habe bislang von neuen Strategien im Einkauf profitiert und daher Verteuerungen bei Rohstoffen weitgehend auffangen können. Die Preiserhöhungen sollen über alle Produkte und in allen Regionen erfolgen, sagte eine Sprecherin.

Im zweiten Quartal verdiente der Düsseldorfer Hersteller von Pritt, Persil und Pattex deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Der Gewinn nach Anteilen Dritter brach auf 38 (234) Millionen Euro ein. Vor allem die wichtige Waschmittelsparte musste wegen steigender Materialkosten Federn lassen.

Die Umsatzprognose hob der seit April amtierende Rorsted etwas an. Henkel erwarte 2008 nun ein organisches Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent; bisher lautete die Erwartung auf drei bis vier Prozent. Das um Einmaleffekte bereinigte Ebit solle um einen Wert "am unteren Ende des mittleren Zehnprozentbereichs" zulegen - also um etwa 14 Prozent. Bisher hatte Henkel einen Anstieg im "mittleren Zehnprozentbereich" vorausgesagt. das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie solle "am unteren Ende des mittleren einstelligen Prozentbereichs" (bisher: "im mittleren einstelliger Prozentbereich") steigen - also um etwa vier statt um rund fünf Prozent.

Zahlreiche Konsumgüterhersteller hatten bereits anziehenden Kosten und eine zunehmende Zurückhaltung der mit den steigenden Lebenshaltungskosten kämpfenden Verbraucher zu spüren bekommen.

Im zweiten Quartal musste Henkel wegen Restrukturierungsaufwendungen von 256 Millionen Euro Abstriche beim operativen Gewinn (Ebit) machen, der auf 113 (2007: 339) Millionen Euro einbrach, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Henkel will bis 2011 rund 3000 von rund 58.000 Stellen weltweit streichen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Rund 1000 Arbeitsplätze sollen allein in Deutschland wegfallen. Im Gesamtjahr 2008 würden Restrukturierungsaufwendungen für das Sparprogramm und die Integration von Zukäufen von bis zu 780 Millionen Euro fällig.

Ohne die Restrukturierungskosten legte das Ebit um 7,8 Prozent auf 372 Millionen Euro zu, die Ebit-Marge ging wegen der gestiegenen Rohstoffkosten aber auf 10,1 Prozent zurück. Getrieben von der milliardenschweren Übernahme von Teilen des Konkurrenten National Starch legte der Umsatz auf 3,67 (3,29) Milliarden Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Umsatz von 3,74 Milliarden Euro und einem Ebit von 114 Millionen Euro gerechnet.

In der Reinigungsmittelsparte hinterließen die steigenden Rohstoffpreise Spuren in der Bilanz. Das operative Ergebnis schrumpfte auf 96 (111) Millionen Euro. Preiserhöhungen und Einsparungen hätten die höheren Einkaufspreise nicht wettmachen können, räumte Henkel ein. In der durch die milliardenschweren Zukäufe gestärkten Industrie- und Klebstoffsparte legte das Ebit trotz der Immobilienkrise in den USA deutlich auf 195 (162) Millionen Euro zu.

Zum Stand der Verhandlungen über die Beteiligung an dem US-Konzern Ecolab gebe es keinen neuen Stand, sagte Finanzchef Lothar Steinebach. Henkel prüft im Rahmen der Finanzierung eines milliardenschweren Zukaufs einen Verkauf der Beteiligung. Henkel erwarte aber noch 2008 eine „endgültige Regelung“, betonte der Finanzchef.

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