
DÜSSELDORF. Bart Becht hält sich und seine Mannschaft für streitbarer und fanatischer als die Konkurrenz. Das hat sich offenbar bewährt. Der Hersteller von Produkten wie Calgon, Kukident, Sagrotan oder Clerasil konnte seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2010 kräftig steigern. Das Plus lag mit 380 Mio. Pfund (454 Mio. Euro) 23 Prozent über dem des Vorjahreszeitraum. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Für das Europa-Geschäft allerdings gab der Konzernchef eine Flaute-Warnung aus.
Reckitt Benckiser, scharfer Konkurrent von Henkel und Procter&Gamble, ist der wachstumsstärkste und profitabelste Konzern seiner Branche. Die Briten sind die weltweite Nummer eins im Geschäft mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln und erzielen eine operative Gewinnmarge von knapp 25 Prozent.
In Europa allerdings, wo Reckitt 43 Prozent seiner Umsätze einspielt, schwächelt das Geschäft mit den Sauberprodukten. „Vor sechs Monaten haben wir in unseren europäischen Märkten ein Wachstum von vier Prozent registriert, jetzt liegt es unter einem Prozent“, sagte Vorstandschef Becht. Er sieht sich daher zu zusätzlichen Ausgaben gezwungen, um den Marktanteil zu verteidigen und sich dem zunehmenden Wettbewerbsdruck der Konkurrenz zu erwehren.
Analysten reagierten insgesamt skeptisch auf die Zahlen, die der Konzern vorlegte. „Für Reckitt wird es sehr schwierig werden, die für 2010 gesetzten Ziele zu erreichen, geschweige denn sie zu erhöhen“, sagte etwa Andrew Wood, Analyst bei Sanford Bernstein. Er bezeichnete den Rückgang in Europa als den „bezeichnendsten und besorgniserregensten Aspekt an den Ergebnissen.“
Mittels Zukäufen versucht der Konzern nun, neue Märkte zu erschließen. Erst in der letzten Woche hatte Becht angekündigt, den Hersteller von Durex-Kondomen und Scholl-Gesundheitslatschen SSL für knapp drei Mrd. Euro übernehmen zu wollen. Die Transaktion soll dem Unternehmen vor allem den Weg nach Asien ebnen, der Zukauf bis 2012 Synergien von rund 100 Mio. Pfund jährlich bringen und den Nettoumsatz in der Gesundheits- und Pflegesparte über 36 Prozent auf annähernd 3,3 Mrd. Euro steigern.
Um den Zukauf von SSL finanzieren zu können, muss Becht seinem Konzern allerdings Kredite aufladen. Bislang ist Reckitt Benckiser schuldenfrei und ohne die Übernahme wären die Barreserven bis Ende dieses Jahres auf eine Mrd. Pfund gestiegen. Zur Finanzierung des Deals, mit dessen Abschluss noch in diesem Jahr gerechnet wird, benötigt Reckitt nun Darlehen von mindestens 1,25 Mrd. Pfund. Arrangiert wird der Kredit von Europas größter Bank HSBC.
Finanzchef Colin Day weigerte sich am Montag, weitere Kommentare zu der Mega-Übernahme abzugeben weil die Transaktion noch nicht abgeschlossen sei. "Wir sind weiterhin an allen Projekten interessiert, die zu unserer Strategie passen", sagte er. Und Reckitt habe das Potenzial, weitere fünf Mrd. Pfund (7,7 Mrd. Euro) aufzubringen, man verfüge insofern über die erforderlichen Mittel.