Henkel und VW steigen ab, Daimler-Chrysler rückt auf
Deutsche Firmen fliegen aus Nachhaltigkeitsindex

Deutsche Unternehmen sind ab heute im neu zusammengesetzten Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index (DJSI) schwächer vertreten.

BERLIN. Deutsche Unternehmen haben bei Analysten, die nachhaltiges Wirtschaften beurteilen, einen zunehmend schweren Stand gegenüber internationalen Konkurrenten. Ab kommenden Montag sind sie in der neu zusammengesetzten Dow Jones Sustainability Index-Familie (DJSI) erneut schwächer vertreten. Die deutschen Verlierer sind Henkel, Lufthansa, KarstadtQuelle und Volkswagen, die Gewinner sind DaimlerChrysler, Deutsche Börse und Hypo Real Estate Holding.

Anleger, die gute Renditen mit gutem Gewissen erzielen wollen, orientieren sich an Nachhaltigkeitsindizes, die ökonomische, ökologische und soziale Kriterien anlegen. Der DJSI ist hier tonangebend. Auf seiner Basis werden 3,3 Mrd. Euro an Vermögen verwaltet, berichtet Alexander Barkawi, Direktor der für die Indexerstellung zuständigen SAM Indexes GmbH, Tochter es Schweizer Finanzdienstleisters Sustainable Asset Management (SAM).

Die neue Zusammenstellung – beim Weltindex mit 300 Unternehmen aus 24 Ländern wurden 54 Firmen ersetzt - zeigt wichtige Trends.

Zunehmend setzen Unternehmen Nachhaltigkeitsstrategien konkret bei Produkten und Dienstleistungen um und gehen branchenspezifische Herausforderung an. Die Bemühungen um Transparenz und Kontrolle entlang der gesamten Zuliefererkette steigen. „Nachhaltigkeitsindikatoren werden zudem vermehrt mit finanziellen Werttreibern verbunden und in Geschäftsberichte aufgenommen“, resümiert Barkawi. Es gebe aber noch viel zu tun.

Nachdem 2004 neun deutsche Konzerne ersatzlos gestrichen wurden, fallen bei der diesjährigen Revision vier Konzerne aus dem DJSI World und drei aus dem DJSI Stoxx. Drei beziehungsweise zwei kommen hinein. Beim Weltindex ist Deutschland künftig nur mit 17 Namen vertreten. Frankreich und die Niederlande hingegen verstärken ihre Positionen deutlich auf 18 beziehungsweise 15 Firmen. Die mit Deutschland vergleichbare Wirtschaftsnation Japan stellt doppelt so viele Unternehmen. Spitzenreiter USA und Großbritannien liefern fast 70 Titel.

Unter den deutschen Unternehmen leistete Henkel zwar mehr, wurde aber Opfer einer Umstrukturierung. Die Düsseldorfer zählen nicht mehr zur Chemie, sondern zur neuen Untergruppe nicht-langlebiger Verbrauchsgüter. Da der DJSI World jeweils nur die zehn besten Prozent einer Branche hinsichtlich ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistungen aufnimmt, kann nur ein Unternehmen notiert werden, Procter & Gamble. „Wir bedauern sehr, aufgrund der Sektoreinteilung nicht mehr im Weltindex zu sein, freuen uns aber, dass wir im DJSI Stoxx bleiben und SAM uns bei höher gelegter Messlatte Verbesserung bescheinigt“, sagt Wolfgang Gawrisch, Vorsitzender des Henkel- Nachhaltigkeitsrats. Kritiker des Ratings monieren, dass etablierte Nachhaltigkeitstitel wie Henkel rausfliegen, aber umstrittene Chemiekonzerne wie Bayer im Index bleiben.

Zu Lufthansa und Volkswagen erläutert Barkawi: „Sie verschlechterten sich nicht und übertreffen den jeweiligen Branchenschnitt, doch Wettbewerber haben sich stärker verbessert und sie überholt.“ So kickte der Newcomer DaimlerChrysler den langjährigen Branchenleader Volkswagen aus Welt- und Stoxx-Index. Und überraschend überflügelte AirFrance-KLM nur ein Jahr nach der Fusion in allen drei Nachhaltigkeitsdimensionen sowohl Lufthansa als auch British Airways, die sich bisher ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition lieferten und nun beide nicht mehr in den Indices sind.

Die Herausgefallenen sind nicht glücklich, denn eine Notierung ist zunehmend eine Imagefrage: der DJSI gilt als prominentestes Gütesiegel unter den Nachhaltigkeitsindices. „Es ist wichtig, Nachhaltigkeit voran zu treiben und es bleibt ein Ziel, im DJSI zu sein“, sagt ein Sprecher der Lufthansa. Manchmal brauche es Schüsse vor den Bug, um nachhaltiges Management voran zu treiben, wird intern gemunkelt. „Wir werden alles tun, um nächstes Jahr wieder hinein zu kommen“, sagt ein VW-Sprecher. Der Abstand zu den Spitzenreitern sei gering.

DaimlerChrysler ist stolz, diesmal über die Ziellinie gekommen zu sein. Umweltbevollmächtigter Prof. Herbert Kohler: „Für uns ist es eine Bestätigung.“ Drei Jahre mühte sich der Autobauer vergeblich, nachdem er 2002 herausgeflogen war. Nun punkte er mit einer „Vorreiterrolle vor allem in der ökonomischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit“, begründet Barkawi. Das gelte für, Arbeitspraktiken, Mitarbeiterbindung, Umweltberichterstattung und den serienmäßigen Einbau von Partikelfiltern in alle Dieselwagen der Mercedes-Benz-Flotte.

In den Weltindex kommen auch die Deutsche Börse und die Hypo Real Estate Holding, in den DJSI Stoxx Handelskonzern Metro. Unter weltweit 18 Branchenführern sind zwei deutsche: BWM und AdidasSalomon. RWE ist das einzige, das bei einem der 58 Branchensektoren führt, den Versorgern. Großbritannien, die Niederlande und die USA stellen die meisten Branchenführer.

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