Herausforderung
Zwischen Nutzen und Kosten

Wie können Pharmaunternehmen Medikamente möglichst effizient entwickeln? Welche Tabletten werden zu welchen Preisen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet? Und überhaupt: Nach welcher Methodik wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis bewertet? Die Antworten finden Sie hier.

Knauserige Briten: Wie viel darf es kosten, das Leben eines Krebspatienten um wenige Monate zu verlängern? 2 100 bis 3 700 Euro pro Mensch und Monat sind nach Meinung des britischen National Institute for Clinical Excellence (NICE) zu viel. Vier Krebsmedikamente für Patienten mit fortgeschrittenem Nierentumor soll das Gesundheitssystem NHS künftig nicht mehr bezahlen: Avastin von Roche/Genentech, Nexavar von Bayer, Sutent von Pfizer und Torisel von Wyeth seien nicht "kosteneffektiv" genug. Kosten-Nutzen-Bewertungen wie die des britischen Instituts gewinnen im Pharmageschäft zusehends an Bedeutung. Neben den Zulassungsbehörden muss sich die Branche auf zusätzliche Institutionen und Kriterien einstellen, die über den wirtschaftlichen Erfolg einer Neuentwicklung entscheiden.

Hoher Druck: Das hat weitreichende Folgen für die Forschungs- und Entwicklungsstrategien: Der Druck, mit neuen Wirkstoffen klare Vorteile gegenüber etablierten Therapien zu zeigen, nimmt erheblich zu. "Wir müssen nachweisen, dass unsere Produkte mit hoher Gewissheit sowohl eine positive medizinische Wirkung bieten als auch Kostenvorteile für die Gesundheitssysteme", sagt Novartis-Pharmachef Joseph Jiminez.

Zusammenarbeit mit Behörden: Die Herausforderung für die Hersteller besteht unter anderem darin, ihre klinischen Studien an die neuen Bedingungen anzupassen. Glaxo-Smithkline hat deshalb im Juni Vertreter der verschiedenen europäischen Gesundheitsbehörden eingeladen, um zu erfahren, welche Projekte man mit welchen Studien fortsetzen soll, um eine möglichst hohe Erstattungsfähigkeit zu erreichen. Auch andere Pharmafirmen suchen intensiveren Kontakt mit Institutionen wie dem NICE. Novartis etwa änderte jüngst eine Studie im Bereich der Immunologie, nachdem man das britische Institut konsultiert hatte.

Der Kampf um Erstattung: Konflikte sind vorgezeichnet, wie die Debatte um das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt. Noch macht es ausschließlich Nutzenbewertungen. Doch nach den gesetzlichen Vorgaben wird das Kölner Institut künftig auch Kosten-Nutzen-Bewertungen vornehmen und damit prüfen, welche Medikamente zu welchen Höchstpreisen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden sollten. Es wird die Kassen damit noch stärker beeinflussen. Denn seine Empfehlungen werden meist vom Gemeinsamen Bundesausschuss aufgegriffen, der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung festlegt.

Umstrittene Methodik: Streit entzündet sich insbesondere an der Methodik der Bewertung. Welche Schwierigkeiten darin stecken, zeigen nach Ansicht von Medizinern die Aussagen zu den blutdrucksenkenden Mitteln. Als "Therapie der ersten Wahl" empfiehlt das IQWiG sogenannte Diuretika, die Standardtherapie gegen Bluthochdruck in den 60er- und 70er-Jahren. Sie gelten unter Hypertonie-Experten zwar nach wie vor als gute Blutdrucksenker. Grundsätzliche Kritik am IQWiG-Bericht gibt es aber insofern, als das Institut seine Auswertung stark auf eine große amerikanische Studie stützt, bei der ein Drittel der Probanden Schwarze waren - und die reagieren erwiesenermaßen anders als Weiße auf die Medikation.

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