Herbe Kritik von Analysten
IWKA tritt bei Sanierung auf der Stelle

Die Sanierung des Maschinen- und Anlagenbauers IWKA ist ins Stocken geraten. Branchenexperten trauen dem Management nicht zu, seine selbst gesteckten Ziele in diesem Jahr zu erreichen. Sie kritisieren vor allem, dass Tochterunternehmen wahllos verkauft werden.

HB STUTTGART. Nach überraschend hohen Wertberichtigungen im Halbjahr wird das Unternehmen seine Gewinnziele für das Gesamtjahr nach Einschätzung von Branchenexperten nicht mehr erreichen können. „Den geplanten Jahresüberschuss für 2006 können sie abhaken“, sagte Peter Metzger vom Bankhaus MM Warburg. Einige Banken senkten ihre Bewertungen der Aktie, die am Freitag mehr als 5 Prozent an Wert verlor.

Ein IWKA-Sprecher erklärte, das Jahresergebnis werde von einer erheblichen Belastung bestimmt sein. Details will der Konzern erst am Dienstag zusammen mit den Halbjahreszahlen nennen. Nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag hatte IWKA bekannt gegeben, dass drei neu auf die Verkaufsliste gesetzte Töchter im Halbjahr ein Minus von mehr als 50 Mill. Euro verbuchten. Im Geschäft mit den fortgeführten Bereichen strebt IWKA einen geringen operativen Gewinn von knapp 3 Mill. Euro an.

Im Bestreben, das Unternehmen rentabler zu machen, wird der als Sanierer geholte Vorstandschef Wolfgang-Dietrich Hein möglicherweise weitere Bereiche in die Sparte „nichtfortgeführte Aktivitäten“ übertragen. „Wer nicht spurt, kommt da rein“, sagte der Firmensprecher. Alle Töchter müssten sich am Erreichen der Renditeziele messen lassen. Damit ist der Konzern auf der vom streitbaren US-Investor Guy Wyser-Pratte angestoßenen Linie. Heins Vorgänger Hans Fahr hatte den Konzern vor einem Jahr im Streit mit Wyser-Pratte über die Firmenstrategie verlassen.

Schlingerkurs

Branchenexperten vermissen bei der Sanierung einen klaren Kurs. „Erstaunlich ist, dass zu den zur Ausgliederung vorgesehenen Gesellschaften auch die ARO Schweisszangen-Gruppe gehört, die zum ureigensten Kerngeschäft der IWKA gehörte“, erklärte Stephan Klepp von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Fraglich sei, ob die Langfriststrategie nicht den kurzfristigen Zielen zum Opfer falle. Andere Analysten monierten die Intransparenz der Vorgänge. Warburg-Analyst Metzger kritisierte: „Dass noch mehr auf die Verkaufsliste kommt, war nicht auszuschließen; dass es häppchenweise kommt, ist enttäuschend.“

Zum Verkauf stehen bei bei dem vor allem für die Automobilindustrie tätigen IWKA-Konzern nun vier Gesellschaften: Während das Unternehmen für die Werkzeugmaschinen-Gruppe Boehringer schon länger einen Käufer sucht, sollen nun auch die Aro-Schweisszangen-Gruppe, der GSN Maschinen-Anlagen-Service und die Verpackungstechnik-Tochter Hassia-Redatron einen neuen Eigner bekommen.

Auch den Vorstand baut Hein nochmals um. Der seit 2004 im Vorstand sitzende Manager Dieter Schäfer werde das Gremium zum 31. August verlassen, teilte IWKA mit. Schäfer war bisher für die Verpackungstechnik zuständig. Diesen Geschäftsbereich will Hein nun selbst leiten und mit Zukäufen zu einer tragfähigen Säule ausbauen.

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