Herber Rückschlag
Das Krebsmittel von Wilex floppt

Das Nierenkrebsmedikament Rencarex hat sich in einer Studie als nicht wirksam erwiesen. Damit floppt eines der wichtigsten neuen Mittel der Biotechfirma Wilex. Die Aktie brach dramatisch ein.
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FrankfurtHerber Rückschlag für die Biotechfirma Wilex und ihre Aktionäre: Eines der wichtigsten neuen Mittel des Unternehmens, das Nierenkrebsmedikament Rencarex, hat sich in einer Studie als nicht wirksam erwiesen. Die Aktie der Firma, an der SAP -Mitgründer Dietmar Hopp maßgeblich beteiligt ist, brach daraufhin am Dienstag über 60 Prozent auf 1,50 Euro ein. Mitarbeiter und Management in der Wilex-Zentrale in München waren schockiert, zumal es bis zuletzt keine Anzeichen für ein Scheitern des Mittels gab. "Natürlich sind wir sehr enttäuscht", sagte Wilex-Chef Olaf Wilhelm.

Wilex hat im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit der US-Pharmafirma Prometheus zur Entwicklung und Vermarktung von Rencarex abgeschlossen und dem Mittel in der Spitze Jahresumsätze von rund 500 Millionen Dollar zugetraut. Diese Hoffnung hat sich nun jäh zerschlagen. Ob und wie die Kooperation mit Prometheus weitergeht, steht in den Sternen.

Wilex treibt im Unterschied zu anderen Biotechfirmen die Forschung in Eigenregie relativ weit voran. Leisten kann sich das die Firma nur dank der Unterstützung durch ihre Großaktionäre. Der belgische Pharmakonzern UCB hält etwa 16 Prozent an Wilex, Hopp rund 47 Prozent. Für den SAP-Mitgründer und die deutsche Biotechbranche ist das Scheitern von Rencarex bereits der zweite große Rückschlag innerhalb kurzer Zeit. Erst im August war das wichtigste neue Medikament der Biotechfirma Agennix, an der Hopp die Mehrheit hält, gefloppt. Dem Unternehmen droht nun das Aus.

Wilex testete Rencarex in einer umfangreichen Phase-III-Studie, der letzten vor einem Zulassungsantrag, bei Patienten nach der Entnahme des Tumors. Das Ziel (primärer Endpunkt) der Studie, das krankheitsfreie Überleben der Patienten zu verlängern, wurde jedoch nicht erreicht. "Die Analyse zeigte keine Verbesserung des medianen krankheitsfreien Überlebens (ungefähr 72 Monate) nach der Behandlung mit Rencarex verglichen gegenüber Placebo", erklärte das Unternehmen.

"Angesichts der heutigen Nachrichten werden wir unsere Ressourcen auf die Entwicklung unseres diagnostischen Antikörpers Redectane, der sich in Phase III der klinischen Entwicklung für die Diagnose des klarzelligen Nierenzellkarzinoms befindet, sowie weitere klinische Projekte konzentrieren", kündigte Firmenchef Wilhelm an.

Neben Redectane hat Wilex mit dem Krebsmittel Mesupron noch ein zweites Präparat in der Hinterhand, das in der Entwicklung weit fortgeschritten ist. Es hat sich in Phase-II-Studien als wirksam zur Behandlung von Brustkrebs und Bauchspeichendrüsenkrebs erwiesen. Wilex ist derzeit auf der Suche nach einem finanzstarken Partner zur Weiterentwicklung des Medikaments, dem Wilhelm in der Spitze Umsätze von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr zutraut.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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