Herbert Diess zu Volkswagen
Die schweren Aufgaben des neuen VW-Managers

Der neue Chef der Marke VW tritt heute seinen Job an. Den Ex-BMW-Mann Herbert Diess erwarten nicht nur eine andere Kultur, sondern auch jede Menge schwerer Aufgaben. Wo es bei VW brennt.
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FrankfurtVermutlich erwartet Herbert Diess das gleiche Los wie Andreas Renschler. Als Volkswagens neuer Chef der Nutzfahrzeugsparte in der vergangenen Woche gefragt wurde, ob es nach der obligatorischen Einarbeitungszeit von 100 Tagen nun endlich richtig los gehe, antwortete er nur trocken: „Ich hatte nur zehn Tage“.

Aber er habe ja vorher etwas Zeit zum Einarbeiten gehabt. Diese Zeit hatte auch Herbert Diess, der am Mittwoch seinen Job als Vorstandschef der Marke VW antritt. Immerhin ist er seit gut einem halben Jahr bei seinem Ex-Arbeitgeber BMW freigestellt. Renschler hatte fast ein Jahr, ehe ihn Daimler nach Wolfsburg frei gab.

Seit 2007 hatte Konzernchef Martin Winterkorn auch den Posten des VW-Markenchefs inne. Galt doch in Wolfsburg: Der Konzernchef soll auch die wichtigste der zwölf Marken führen. Immerhin trugen mehr als sechs Millionen der über zehn Millionen Fahrzeuge aus dem Konzern, die im vergangenen Jahr verkauft wurden, das VW-Logo.

Doch seitdem Winterkorn vor gut einem Jahr ankündigte, dass die Marke in den kommenden Jahren um fünf Milliarden Euro effizienter arbeiten müsse, war klar, dass er diese Aufgabe nicht mehr quasi als Zweitjob mit machen konnte. Im November wurde Herbert Diess für diese Aufgabe präsentiert, der langjährige BMW-Mann. Mit Effizienzprogrammen kennt der sich aus, hatte er doch in den vergangenen Jahren beim Münchener Premiumhersteller die Abläufe so optimiert, so dass sie heute als Vorbild in der gesamten Branche gelten.

Hier die wichtigsten Aufgaben, um die er sich kümmern muss. Und auch die Veränderungen, die auf ihn selbst zukommen:

Kultur

Die Marke VW ist mit BMW nicht zu vergleichen. Die Struktur und die Abläufe im Volkswagen-Konzern erst recht nicht. VW verkauft weltweit etwa dreimal so viele Autos wie BMW, hat vom kleinen Up bis zur Luxuslimousine Phaeton das deutlich größere Modellportfolio und zudem deutlich mehr Werke, vor allem in aufstrebenden Ländern wie China, Russland, Brasilien oder Mexiko.

Die Koordination ist somit deutlich komplexer als in München. Zudem befindet er sich mit der Marke VW im Volumenmarkt, der preislich weitaus sensibler und umkämpfter ist als das Premiumsegment, in dem BMW traditionell hohe Margen verdient. Eine Chance für Diess ist, dass sich der Konzern derzeit – ausgelöst durch die Attacke des einstige Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch – in der größten Umbruchphase seit langem befindet.

Der berühmte Wolfsburger Zentralismus – der Begriff steht für die vielen Abstimmungsprozesse mit der Zentrale – soll künftig weitaus weniger werden. Marken und Regionen sollen eigenständiger agieren können. Für Diess ist das Chance und Risiko zugleich. Gilt er doch auch als Kandidat für die Nachfolge von Konzernchef Martin Winterkorn und steht auch deswegen unter besonderer Beobachtung.

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