Here-Vize Aaron Dannenbring
„Wir werden auf intelligenten Straßen fahren“

Der Kartendienst Here soll Audi, BMW und Mercedes die Daten liefern, um Autos autonom fahren zu lassen. Im Interview spricht Vize-Chef Aaron Dannenbring über die Sicherheit selbstfahrender Autos und die Navigation von morgen.

BochumDem Kartendienst Here steht ein spannendes Jahr bevor. Das Unternehmen soll nach der Übernahme durch die deutschen Premiumautobauer Audi, BMW und Daimler weitere Partner zu gewinnen und stellt sich auch personell neu auf. Nach dem Abgang von Here-Chef Sean Fernback sucht das Unternehmen einen neuen CEO. Auf ihn wartet eine spannende Aufgabe. Here soll die Antwort der Autoindustrie auf Google werden und Karten erstellen, die für das autonome Fahren gerbraucht werden. Here-Vizepräsident Aaron Dannenbring erklärt im Interview, wie der Kartendienst das Autofahren verändern will.

Die Vorbehalte der Kunden gegenüber dem autonomen Auto sind noch relativ groß. Wie lange wird es dauern, bis wir vollautonom fahren?
Das lässt sich schwer prognostizieren. Wir werden definitiv einen viel größeren Fortschritt in einem viel geringeren Zeitraum erleben, als es die meisten erwarten. Vielleicht werden wir in den nächsten Jahren noch nicht vollautonom unterwegs sein. Doch die neuen digitalen Konkurrenten und Ridesharing-Unternehmen drängen mit aller Macht in den Markt und treiben diese Entwicklung voran. Auf der Autobahn wird teilautonomes Fahren schon in den nächsten Jahren verfügbar sein – auch in der Masse.

Wie gut sind die autonomen Systeme heute?
Über Sensoren können Autos ihre Umgebung bereits sehr gut erkennen. Die Herausforderung wird es sein, den Autos das vorausschauende Fahren beizubringen. Auf der CES haben wir eine hochauflösende, dynamische Karte präsentiert, mit denen Fahrzeuge quasi „um die Kurve“ schauen können – über ihre Sensoren hinaus. Dafür müssen sie Daten untereinander austauschen. Stellen Sie sich vor, ein Auto hat einen Unfall. Dann wäre es wünschenswert, dass alle anderen Autos in der Nähe gewarnt werden. Dafür brauchen sie aber eine gemeinsame Plattform. Wenn jeder sein eigenes System entwickelt, verstehen sich die Autos untereinander nicht. Wir arbeiten darum an diversen Projekten mit verschiedenen Autoherstellern.

Einige Marktbeobachter befürchten, dass die scharfe Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes auch zum Problem für Here werden könnte. Sind diese Sorgen berechtigt?
Nein. Unsere Anteilseigner haben sehr klar gemacht, dass Here auch in Zukunft unabhängig und offen agieren kann. Dahinter steckt die Erwartung, dass davon am Ende die gesamte Autoindustrie profitieren kann. Kooperation ist der Schlüssel dazu. Wir haben darum Partner quer durch die gesamte Industrie.

Wäre es kein Wettbewerbsvorteil, wenn ihre Anteilseigner die Technologie erst mal für sich selbst verwenden würden?
Damit wäre niemandem geholfen. Kein Autohersteller dieser Welt ist groß genug, um ausreichend Daten für effektive Echtzeit-Systeme zu sammeln. Und diese Daten brauchen wir, um unsere Angebote weiter zu verbessern – egal ob Navigation, einen effizienter organisierten Verkehr oder das selbstfahrende Auto. Das ist der Netzwerk-Effekt. Denken Sie an das erste Telefon. Das war ziemlich nutzlos, weil man niemanden anrufen konnte. Genauso ist es beim vernetzten Auto – je mehr Autos vernetzt fahren, desto besser wird das Fahrerlebnis.

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"Wir wollen nicht wissen, wer der Fahrer ist"

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