Hersteller drohen mit Produktionsverlagerung
Autoindustrie legt sich mit der Belegschaft an

Applaus, Rede, Applaus – keine Pfiffe, keine Zwischenrufe, keine unangenehmen Fragen: ein öffentlicher Termin, wie er Gerhard Schröder gefällt. Er tritt locker, ja hemdsärmlig beim Forschungstag des Verbandes der Autohersteller auf – ganz Marke Autokanzler.

HB HAMBURG/STUTTGART. Vielleicht versucht er auch zu entspannen, denn er weiß, dass erst nach seinem Auftritt in kleinerer Runde Tacheles geredet wird. Dann trifft er sich mit den deutschen Autobossen. Und was er von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und den anderen zu hören bekommt, weiß er schon: Deutschland ist als Produktionsstandort zu teuer, Tausende Arbeitsplätze stehen in der Branche auf dem Spiel.

Es geht um Schröders alte Kernwählerschaft, die massiv von den Managern unter Druck gesetzt wird. Vor allem für die Beschäftigten von Daimler-Chrysler sind härtere Zeiten angebrochen: Der Stuttgarter Autokonzern will in in Sindelfingen 500  Mill. Euro jährlich einsparen und droht mit Produktionsverlagerungen, wenn es bis Ende des Monats keine Einigung mit dem Betriebsrat geben sollte. Die Gespräche laufen, doch ungeachtet dessen hat der Betriebsrat für Donnerstag zu Protesten gegen die Sparpläne in allen deutschen Werken aufgerufen. Die Kontroverse bei Daimler ist kein Einzelfall. Auch der Autohersteller Opel und die Autozulieferer Bosch und Continental drängen ihre Beschäftigten zu Zugeständnissen. Und bei den im Spätsommer beginnenden Verhandlungen von Europas größtem Autohersteller VW zeichnet sich ebenfalls eine heiße Tarifrunde ab.

Der Ton in der Branche ist rau geworden. Dem Beispiel des Technologiekonzerns Siemens folgend, droht Daimler-Chrysler den Mitarbeitern damit, rund 6  000 Stellen im Stammwerk Sindelfingen zu streichen, wenn der Betriebsrat nicht einlenkt. Siemens hatte kürzlich eine Einigung mit der IG Metall über die Einführung der 40-Stundenwoche in zwei Fabriken durchgesetzt. Die Drohung mit Produktionsverlagerung führt zu heftiger Gegenwehr: Der Chef des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, spricht von einer „Verrohung der Sitten“, von „Kapitalismus pur“.

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