Hersteller
Fensterglas verkauft sich gut

Dank staatlicher Fördermittel für die Renovierung im Wohnungsbau blicken die deutschen Flachglashersteller optimistisch in die Zukunft. Die Branche hofft auf steigende Auftragseingänge. Denn die Hälfte der in Deutschland installierten Fenster sind veraltet und müssen ausgetauscht werden.

DÜSSELDORF. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem leichten Plus von 1,8 Prozent in der Produktion von Flachglas“, sagte Jochen Grönegras, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Flachglas dem Handelsblatt. Flachglas ist die Basis für die weiterverarbeitende Glasindustrie, beispielsweise die Hersteller von Fensterglas für den Bau. Gut zwei Drittel der Produktion für den Bau ist inzwischen für die Renovierung bestimmt.

Die Branche hofft auf noch bessere Geschäfte: Denn von den in Deutschland installierten 564 Mio. Fenstern seien unter dem Strich 341 Mio. veraltet und müssten ausgetauscht werden, sagte Grönegras. Außerdem gehöre der Dreifachverglasung die Zukunft, was bedeutet, dass künftig drei statt bislang eine oder zwei Scheiben pro Fenster benötigt werden. Dreifachverglasungen werden vor allem in Niedrigenergiehäusern eingesetzt. Potenziell könnte mit den Renovierungen die Produktion 30 Jahre ausgelastet werden, lautet die Rechnung des Verbands.

Sogar neue Glas-Hütten gehen in Betrieb. Im August startete in Osterweddingen in Sachsen-Anhalt das Flachglaswerk f-glass GmbH, das zwölfte in Deutschland. In das Werk mit 250 Mitarbeitern wurden 190 Mio. Euro investiert. Täglich können 700 Tonnen Flachglas produziert werden. Die Firma ist eine Kooperation der Glasanbieter Scheuten (Niederlande) und Interpane (Deutschland).

Auch bei der 1997 gegründeten Flachglas-Hütte Haldensleben der Euroglas-Gruppe boomt das Geschäft – von Krise ist dort kaum die Rede. „Vor allem die Fensterglasproduktion ist deutlich angezogen“, bestätigt Christian Winter, Vorstand der Euroglas. Die Gruppe ist ein Zusammenschluss von fünf mittelständischen Isolierglasherstellern. Ziel der Kooperationen ist, den vier Großkonzernen in Europa Paroli zu bieten, die den Markt beherrschen. Zu ihnen gehören die AGC Flatglas Europe (ehemals Glaverbel), der Baustoffriese Saint-Gobain aus Frankreich, die zum japanischen NSG-Konzern gehörende Pilkington und der US-Hersteller Guardian. „Wir wollten diese Abhängigkeit vermeiden“, sagt Euroglas-Vostand Winter. Der Zusammenschluss mache unabhängiger von Preisschwankungen und Preisdiktaten und sichere eine kontinuierliche Versorgung. Umgekehrt haben die Flachglaswerke einen stabilen Absatzmarkt. 70 Prozent der Produktion gehen an die Gesellschafter.

Doch Euroglas profitiert auch davon, dass die Großen dreizehn von 40 Hüttenwerken in Europa aus der Produktion genommen haben. Gerade Saint-Gobain (Sekurit Autoglas) und Pilkington haben in der Sparte Autoglas Kapazitäten stillgelegt.

Euroglas zählt vier Werke in Europa, davon zwei in Deutschland, beide in Sachsen-Anhalt. Das ist kein Zufall, denn neben hohen öffentlichen Zuschüssen für die Investitionen in die Werke, lockte die Nähe zum Rohstoff Sand und geringe Logistikkosten. Dominierender Anteilseigner an der 1994 gegründeten Euroglas-Gruppe ist die Trösch Holding aus der Schweiz, die 3 300 Mitarbeiter und 30 Firmen in Europa hat. Trösch hat den Schwerpunkt im Fensterglas-Geschäft, profitiert daher von Förderprogrammen für den Bau und leidet nicht so stark unter der Absatzkrise der Autoindustrie. Umsatz und Ergebnis nennt Trösch aber nicht. Am Schwarzen Brett teilt Euroglas den Mitarbeitern nur mit, dass der TrösAbsatz im Frühjahr zurückgegangen sei und auf Lager produziert werde. Die Flaute sei aber inzwischen vorüber, sagte Winter.

Insgesamt rechnet die Glasindustrie in diesem Jahr laut Paul Neeteson vom Bundesverband der Glasindustrie mit Umsatzeinbußen im niedrigen zweistelligen Bereich. 2008 stagnierte der Umsatz mit 50 000 Beschäftigten bei 8,5 Mrd. Euro. Der Umsatz allein der Flachglashersteller legte um 5,3 Prozent auf über eine Mrd. Euro zu. Auf die Flachglasveredelung, also die Herstellung von Bau- und Autoglas, entfällt gut ein Drittel des Umsatzes der Branche. Er ging 2008 leicht zurück. Um knapp vier Prozent auf 1,8 Mrd. Euro zulegen konnten auch die Behälterglashersteller.

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