Hersteller unbemannter Systeme rechnen mit steigenden Umsätzen
Starke Nachfrage aus den USA treibt den Markt für Drohnen

„Unbemannt“ kommt – die Planer künftiger Kriege sehen den klassischen Kampfjetpiloten bereits als Angehörigen eines aussterbenden Berufszweigs.

MÜNCHEN. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, doch schon heute lassen sich Aufgaben wie Aufklärung und Präzisionsschläge, die früher nur von Soldaten ausgeführt werden konnten, dank neuster Technologie auch an unbemannte Systeme delegieren.

Der Irak-Krieg vor einem Jahr hat gezeigt: Das von Northrop Grumman produzierte Global Hawk Unmanned Aerial Vehicle (UAV) hat zwar nur fünf Prozent aller Aufklärungsflüge absolviert, berichtet Michael Vickers vom Center for Strategic and Budgetary Assessments in Washington. Dennoch wurden durch diese Flüge die Hälfte aller „zeitkritischen Ziele“ während des gesamten Krieges gefunden.

Die ersten Erfolge auf dem Schlachtfeld lassen bei der Industrie die Hoffnung auf weitere Absatzmöglichkeiten steigen. Die Firmen treiben die Weiterentwicklung bereits bestehender Systeme stark voran. Analysten gehen davon aus, dass sich die weltweiten Umsatzzahlen im Geschäft mit UAV von derzeit 1,2 Mrd. auf 3,3 Mrd. Dollar verdoppeln. „Der UAV Marktsektor ist einer der dynamischsten Bereiche innerhalb der Luft- und Raumfahrt“, betonen Steven Zaloga und David Rockwell von der amerikanischen Beratungsfirma Teal Group.

Informationsüberlegenheit, vernetzte Strukturen, Beweglichkeit und die Fähigkeit zu wirkungsvollen Präzisionsschlägen werden gemeinhin von Militärexperten als Hauptfaktoren für den Erfolg einer modernen Armee gesehen. Wer diese Fähigkeiten bündelt, spielt mit in der „Champions League“ internationaler Streitkräfte.

Die USA sind mit ihrem militärischen Bedarf an UAVs der weltweite Treiber für die industrielle Entwicklung. Teal Group schätzt, dass künftig 69 Prozent aller UAV-Beschaffungen von den US-Streitkräften erfolgen. Neben Europa werden auch der Mittlere Osten und die Pazifik-Staaten als potente Abnehmer solcher Systeme angesehen. EADS hat in eigenen Studien den Markt für strategische Drohnen – außerhalb der USA und Russlands – auf rund drei Mrd. Euro geschätzt.

Auch die Bundeswehr hat ein reges Interesse an unbemanntem Gerät: Das Verteidigungsministerium will für knapp 600 Mill. Euro in den kommenden Jahren bis zu sechs Euro Hawk kaufen – die europäisierte Variante des Global Hawk, mitproduziert von EADS.

Beim deutschen Heer sind bereits mehrere Systeme – CL-289, Luna und das Kleinzielflug-Ortungsgerät (KZO) – im Einsatz oder in der Anschaffung. Sie sollen vor allem im Nahbereich tätig sein. Das Verteidigungsministerium würde zudem gerne die Mini-Drohnen mit einer Reichweite bis zu 500 Meter testen. Ob dafür Geld zur Verfügung stehen wird, ist aber noch offen.

Die Marine musste bereits ihr Projekt eines vertikal startenden Mini-Hubschrauber-UAV für die K130 Korvette auf Grund von Sparzwängen aufgeben. Vor allem Northrop Grumman hatte hier auf den Absatz seines „Fire Scout“ gehofft, den derzeit auch die spanische Marine für ihre Fregatten testet.

Der Markt für die UAV hat in Europa bereits scharfe Konkurrenten zusammengebracht: So haben Dassault, EADS und Thales jüngst Partnerschaftserklärungen unterschrieben. EADS will mit Thales bis 2008 den Euro Male produzieren, der in mittleren Lufthöhen Aufklärung betreiben soll. Die beiden Erzrivalen Dassault und EADS wollen das „Neuron“ bauen – ein Kampffluggerät, das einmal die Nachfolge vom Eurofighter antreten soll, unbemannt natürlich.

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