Hersteller von Nachahmer-Medikamenten wollen ihre Marktposition sichern
Generikafirmen sind begehrt und teuer

Im Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten, den so genannten Generika, bahnt sich eine Übernahmewelle an. Etliche große Hersteller setzen auf Zukäufe. Doch wachsen zugleich auch Zweifel, ob die Übernahme-Strategien wirtschaftlich noch Sinn machen.

FRANKFURT/M. Die bisher größte Fusion im Generikasektor kündigte am Wochenende die israelische Teva mit dem geplanten Erwerb des US-Unternehmens Sicor für 3,4 Mrd. $ an. Der Marktführer will mit dem Zukauf sowohl Produktprogramm als auch Marktpräsenz auf dem wichtigen US-Markt verstärken.

Den Zusammenschluss dürfte besonders der Branchenzweite Novartis mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Baseler Pharma-Riese seine Ambitionen bekräftigt, im Generikageschäft durch neue Produkte und Zukäufe eine Führungsposition zu übernehmen. Bereits im vorigen Jahr verstärkte sich Novartis auf dem Gebiet durch die Übernahme der slowenischen Firma Lek für 1,2 Mrd. Schweizer Franken.

Eine Reihe weiterer Unternehmen setzen längst auf Akquisitionen. Die Bad Vilbeler Stada AG hat in den vorigen beiden Jahren eine ganze Serie kleiner Unternehmen und Produktportfolios eingesammelt. Mit einer Kapitalerhöhung im Umfang von mehr als 280 Mill. Euro hat sich das Unternehmen vor wenigen Wochen für weitere Zukäufe gerüstet. Ziel ist unter anderem, die noch spärliche Position in den USA zu verstärken.

In eine ähnliche Richtung zielt Bernhard Scheuble, Chef der Darmstädter Merck KGaA. Die derzeitige Nummer acht der Generikabranche will mittelfristig zu den führenden Firmen aufschließen. „Wir werden daher weiter zukaufen, wenn sich entsprechende Gelegenheiten bieten“, kündigte der Chef der Merck KGaA an.

Generika sind meist preiswerter



als die Originale



Generika sind Kopien von Originalmedikamenten, deren Patente abgelaufen sind. Sie werden in der Regel deutlich günstiger angeboten als die Originale und daher von Gesundheitsbehörden stark favorisiert. Der Markt für Nachahmer-Produkte profitiert zudem vom Patentablauf bei einer ganzen Reihe umsatzstarker Wirkstoffe. Die führenden Anbieter konnten 2002 im Schnitt um 12 bis 15 % zulegen und sind damit fast doppelt so stark gewachsen wie der Pharmamarkt insgesamt. Schätzungen gehen von weiterhin hohem Wachstum aus. Allein auf dem US- Markt werden nach Erwartung der Investmentbank Lehman Brothers bis 2007 Medikamente mit mehr als 33 Mrd. $ Jahresumsatz den Patentschutz verlieren.

Wie stark einzelne Unternehmen von dem Trend profitieren, zeigen nicht zuletzt die gestern vorgelegten Neunmonatszahlen von Teva. Der israelische Pharmahersteller steigerte seinen Umsatz in dem Zeitraum um etwa ein Drittel auf 2,3 Mrd. $ und den Gewinn um 58 % auf 432 Mill. $.

Managern in der Generika-Branche wird es allerdings inzwischen etwas mulmig mit Blick auf die Preise, die für Übernahmen zu zahlen sind. Besonders in den USA hat der Generika-Boom die Bewertungen weit nach oben getrieben. Etliche Generikafirmen werden an der Börse inzwischen mit dem Fünf- bis Sechsfachen des Umsatzes gehandelt – und damit höher als viele etablierte Pharmakonzerne.

„Der Markt ist total überhitzt“, warnt Thomas Strüngmann. Der Geschäftsführer und Mitinhaber der Hexal AG muss es wissen: Im vorigen Jahr brachte er die US- Tochter Eon Labs mit großem Erfolg an die Börse. Seither hat sich deren Kurs mehr als verdoppelt.

Auch Merck-Chef Scheuble hat längst Erfahrungen gemacht, die zur Vorsicht mahnen: Mit hohem Gewinn und in der Überzeugung, den richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben, verkauften die Darmstädter 2002 ihre Beteiligung am Generikahersteller Pharmaceutical Resources. Seither hat sich der Kurs der kleinen US-Firma verdreifacht.

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