Hersteller zum Kältemittel-Streit
„Die EU muss ein deutliches Zeichen setzen“

Seit Monaten tobt ein Streit um ein Kältemittel des Herstellers Honeywell. Daimler hält es für gefährlich, das Kraftfahrtbundesamt verlangt weitere Prüfungen. Honeywell kann die Skepsis der Deutschen nicht verstehen.
  • 5

Handelsblatt Online: Daimler verzichtet auf den Einsatz Ihres Kältemittels 1234yf, weil es gefährlich sein soll. Sie sagen, dass das in erster Linie ein Konstruktionsproblem von Daimler ist. Trotzdem sind von 1,5 Millionen zugelassenen Fahrzeugen nur 43.000 mit Ihrem Kältemittel unterwegs. Woher kommt die Skepsis der Hersteller?

Tim Vink: Das ist eine interessante Frage, denn unser Kältemittel ist absolut sicher. Es lohnt sich, Vertrauen in unser Kältemittel zu haben. Doch wahrscheinlich rechnen viele Hersteller mit schlechter Presse und verzichten darum auf den Einsatz.

Bisher umgehen Autohersteller wie Volkswagen oder Daimler Ihr Kältemittel mit einem Trick. Sie lassen ihre neuen Modelle als Weiterentwicklungen bereits zugelassener Modelle registrieren – und fahren so weiter mit dem umweltschädlichen R134a...

Das ärgert uns. Die EU muss ein deutliches Zeichen setzen, dass ihre Vorgaben nicht einfach umgangen werden können. Dies wird derzeit geprüft und wir sind für strengere Vorgaben. Ansonsten wäre es nicht glaubwürdig und würde auch die Anreize für Forschung und Entwicklung weiterer umweltfreundlicher Technologien hemmen.

Sie haben die Unterstützung der amerikanischen und asiatischen Autohersteller. Warum sind manche Europäer so skeptisch?

Nicht die Europäer sind skeptisch, die Deutschen sind es. Renault, Peugeot oder Fiat haben keinerlei Bedenken. Unsere Position wird durch etliche Gutachten gestützt, unter anderem durch den weltweit führenden Verband der Automobilingenieure.

Es gibt aber auch Gutachten, die zu einem anderen Ergebnis kommen: In seinem Abschlussbericht hat auch das Kraftfahrtbundesamt „Entflammungen und Fluorwasserstoffexpositionen“ festgestellt...

Der Abschlussbericht des Kraftfahrtbundesamts beweist erneut, dass 1234yf sicher in Autos als Kältemittel eingesetzt werden kann. Das KBA hat zunächst realistische Unfälle simuliert und dabei festgestellt, dass das Mittel absolut unbedenklich ist. Erst in einem so genannten Test der 3. Kategorie hat sich das Mittel entzündet. Allerdings wurden hier eine künstliche Abnutzung der Klimaleitungen, ein speziell zugeschnittenes Leck in Form einer Fischmaulöffnung, das direkt auf heiße Teile des Motors gerichtet wurde, höhere Aufprallgeschwindigkeiten und höhere Temperaturen künftiger Motorenmodelle simuliert. Dieser Test ist nicht relevant, da, ich zitiere den Bericht, „nur Stufe 1 und 2 als relevant für eine Risikobewertung hinsichtlich der Produktsicherheitsbestimmungen angesehen [werden], weil nur ihnen die notwendige konkrete Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet werden kann“. Wir zweifeln den grundsätzlichen Mehrwert dieses Tests der 3. Stufe für alle Parteien an, da unsere Experten ihn als unwahrscheinlich einstufen. Außerdem ist die Brandgefahr bei sehr hohen Temperaturen nichts Neues. Zumal die simulierte Hitze bei Motoren nach dem derzeitigen Entwicklungsstand kaum erreicht werden, höchstens bei künftigen Motorenmodellen.

Ist es für eine Aufsichtsbehörde nicht legitim, auch zukünftige Szenarien zur simulieren?

Doch, natürlich ist das legitim. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, dass die Hersteller in der Lage sind, die Konstruktion ihrer neuen Fahrzeuge an höhere Betriebstemperaturen anzupassen. Es ist ohne weiteres möglich, auch moderne Motoren stärker herunterzukühlen. Deswegen zweifeln wir an der Aussagekraft dieser Ergebnisse.

Seite 1:

„Die EU muss ein deutliches Zeichen setzen“

Seite 2:

„Keinerlei Anlass zu Sicherheitsbedenken“

Kommentare zu " Hersteller zum Kältemittel-Streit: „Die EU muss ein deutliches Zeichen setzen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tja, Herr Vink, Sie haben bereits dadurch ein Problem mit Ihrer Glaubwürdigkeit , da Sie für einen amerikanischen Konzern arbeiten. Diese sind in der Vergangenheit schon häufig dadurch aufgefallen , dass sie den Profit weit über das Leben des einzelnen Individuums gestellt haben. In diesen Labor versuchen können nicht alle Parameter die bei Unfallszenarien auftreten abgedeckt werden. Einfach zu behaupten, dass gewisse Fälle nie eintreten können ist typische Ami-Arroganz. Dieses Mittel hat in Kfz nichts zu suchen.

  • Aus dem Beitrag:
    "Allerdings wurden hier eine künstliche Abnutzung der Klimaleitungen, ein speziell zugeschnittenes Leck in Form einer Fischmaulöffnung, das direkt auf heiße Teile des Motors gerichtet wurde, höhere Aufprallgeschwindigkeiten und höhere Temperaturen künftiger Motorenmodelle simuliert. -> Dieser Test ist nicht relevant, da, ich zitiere den Bericht, „nur Stufe 1 und 2 als relevant für eine Risikobewertung hinsichtlich der Produktsicherheitsbestimmungen angesehen [werden], weil nur ihnen die notwendige konkrete Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet werden kann“. Wir zweifeln den grundsätzlichen Mehrwert dieses Tests der 3. Stufe für alle Parteien an, da unsere Experten ihn als unwahrscheinlich einstufen. <-"
    ---
    Dummes Zeug! Sobald auch nur die entfernte Möglichkeit einer Fluorwasserstoffexposition besteht, ist m.E. grundsätzlich vom Worst Case Szenario auszugehen. Dieses Zeug ist so gefährlich, daß selbst ich als "gelernter" Chemiker, der an selbstentzündlichen, teilweise spontan explodierenden Verbindungen geforscht hat, davor einen Wahnsinnsrespekt habe!
    Flußsäure ist auf gut deutsch ein Sauzeug, das gräßliche, kaum heilende, schwer behandelbare Verletzungen erzeugt. Nichts, was diese Verbindung generieren kann, gehört in ein Fahrzeug, und ich hoffe, daß man hierzulande hart bleibt, im Sinne der Autofahrer und im Sinne der Feuerwehrleute, die so einen Brand ggf. löschen müssen.

  • Ein Parasit kämpft um seine Pfründe: "Es lohnt sich, Vertrauen in unser Kältemittel zu haben." Na klar, Hauptsache die Verbraucher werden abgezockt und liefern ihr Geld ab, gleich ob sinnvoll oder nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%