Herstellerverband VDA korrigiert seine Prognose nach unten - Stagnation erwartet
Hoffnungen auf ein gutes Autojahr schwinden

Nach einem schwachen ersten Halbjahr hat der Verband der Automobilhersteller (VDA) am Dienstag seine Absatzprognose nach unten korrigiert. Der Herstellerverband erwartet jetzt nur noch „einen Inlandsmarkt auf Vorjahresniveau“.

hof FRANKFURT. Die traditionell verkaufsstarken Monate im Frühsommer hatten keine Wende bei der Automobilnachfrage gebracht. Zwar sind im Juni in Deutschland 4 Prozent mehr Autos neu zugelassen geworden, das Plus ist jedoch lediglich auf eine größere Zahl von Arbeitstagen zurückzuführen. Der deutsche Automarkt folgt dem der USA: Auch jenseits des Atlantiks müssen die Absatzerwartungen zurückgenommen werden.

VDA-Präsident Bernd Gottschalk setzt trotzdem auf eine Belebung durch neue Modelle und eine allgemeine konjunkturelle Erholung in der zweiten Hälfte des Jahres 2004. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland 3,24 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straße gekommen. Bislang hatte der VDA für 2004 mit einem Plus von 3,4 Prozent auf 3,35 Millionen Neuzulassungen kalkuliert. Die meisten Prognose-Institute hatten ihre Zahlen bereits in den vergangenen Wochen nach unten korrigiert, teilweise sogar unter das Niveau von 2003. Damit würde dem deutschen Automobilmarkt das fünfte schwache Jahr in Folge mit einer rückläufigen Nachfrage drohen.

Der VDA setzt zum Ausgleich große Hoffnungen auf den Export, der im ersten Halbjahr um 120 000 PKWs höher lag als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2003. „Das Exportventil hilft uns, trotz der Inlandsdelle ein kräftiges Produktionsplus zu erreichen“, sagte der VDA-Präsident.

In Europa wächst die Nachfrage in den osteuropäischen Ländern und, wie die jüngsten Zahlen der Marktforscher von J.D. Power-LMC belegen, in Spanien. Der für die deutschen Hersteller wichtige US-Markt dagegen zeigte im Juni deutliche Bremsspuren. Dort ging der Absatz von PKWs um sechs Prozent zurück – das schwächste Verkaufsergebnis seit zwei Jahren, resümieren die Experten von Morgan Stanley. Die US-Investmentbank hat als Reaktion auf die schlechten Juni-Zahlen die Jahresprognose für den US-Markt zurückgenommen – um 200 000 auf 16,5 Millionen Fahrzeuge.

Zusätzliche Gefahren für den US-Markt gehen nach Meinung von Standard & Poor’s von den steigenden Zinsen aus. Das schränkt die Möglichkeiten der Hersteller ein, Autokäufer mit billigen Finanzierungen zu locken. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck auf Grund der mageren Nachfrage bestehen, erwarten die Analysten des Bankhauses Sal. Oppenheim. Von den deutschen Herstellern konnten im ersten Halbjahr lediglich BMW und Porsche ihre Absätze in den USA steigern. Die großen Verlierer waren im Juni die Marktführer General Motors und Ford, aber auch VW. Der Münchener BMW-Konzern hat beste Aussichten, in diesem Jahr VW als größten europäischen Autohersteller abzulösen.

In Europa ist kein Ende des Preiskampfes mit Rabatten und Nachlässen in Sicht. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Gelsenkirchen hat für Deutschland ein durchschnittliches Rabattniveau von 13 Prozent errechnet. Gegenüber dem vergangenen Februar ist das ein Plus von drei Prozentpunkten. Sollte die Konjunktur 2005 nicht in Gang kommen, werde sich die Lage an der Preisfront verschärfen.

Trotzdem überwiegt für 2005 die Zuversicht: Dudenhöffer rechnet für das kommende Jahr mit einem Anstieg der Neuzulassungen in Deutschland auf 3,4 Millionen Fahrzeuge, Philipp Rosengarten, Analyst bei Global Insight, erwartet sogar 3,45 Millionen. Seinen Analysen zufolge besteht sogar noch Hoffnung, im zweiten Halbjahr 2004 Anzeichen einer Wende zu sehen. „Noch kann es zu einer positiven Überraschung kommen“, sagte er und stützte seinen Optimismus auf eine steigende Nachfrage nach Gebrauchtwagen in den neuen EU-Staaten. Dies müsste seiner Meinung nach zu anziehenden Gebrauchtwagenpreisen und im nächsten Schritt zu einer Belebung der Neuwagen-Nachfrage führen.

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