Herzensangelegenheit Audi
Volkswagens Vorzeigetochter probt den Neustart

Das Geschäft bei Audi läuft gut. So gut, dass der Konzern gleich die Absatzprognose für das gesamte Jahr anhebt. Und auch an den Rivalen BMW rückt man näher heran. Die VW-Granden sind trotzdem nicht zufrieden.
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München/HamburgPeter Schwarzenbauer ist mit seinen Zahlen zufrieden. "Das erste Halbjahr wird in allen Regionen unsere Erwartungen übertreffen", jubelte Audis Vertriebschef am Montag angesichts des besten Mai-Ergebnisses der Firmengeschichte. Die Auslieferungen liegen 13,7 Prozent über dem Wert des Vorjahrs. Volkswagens bayerische Vorzeigetochter wächst damit doppelt so schnell wie Branchenführer BMW.

Und weil das Geschäft so gut läuft, erhöht der Vertriebschef gleich die Absatzprognose für das Gesamtjahr: Mehr als 1,4 Millionen Autos will Audi jetzt 2012 verkaufen - damit wäre Mercedes-Benz trotz aller Aufholversuche wohl erneut abgehängt.

Schwarzenbauers Dilemma: Trotz der Erfolge sind seine Tage bei Audi gezählt. Der Vertriebschef muss ebenso wie Entwicklungsvorstand Michael Dick bald packen. Bereits im September starten die Nachfolger. Die VW-Granden Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn sind unzufrieden mit der Entwicklung der Marke mit den vier Ringen, und die liegt beiden besonders am Herzen. Schließlich führten Volkswagens Chefaufseher Piëch und Konzernchef Winterkorn Audi einst selbst. Beide verdanken ihren Erfolgen bei der Ingolstädter Tochter ihre Spitzenjobs im Konzern. Deshalb sind die Ansprüche extrem hoch.

Winterkorn und Piëch fehlt es an Aggressivität und Innovationen. Nun sollen die beiden neuen Vorstände Wolfgang Dürheimer als Entwicklungschef und Luca de Meo als Vertriebschef Audi den nötigen Energieschub geben, um spätestens 2020 das große Ziel zu erreichen: Bis dahin soll die VW-Tochter BMW überholen.

Die neuen Männer sind "das Starensemble des VW-Konzerns", sagt Christoph Stürmer von IHS Automotive. Denn mit dem VW-Marketingspezialisten de Meo und dem Bentley-Chef Dürheimer sollen zwei Topleute die entstandenen Lücken in Audis Vorstand beseitigen. Gleichzeitig soll die Position des Piëch-Vertrauten Rupert Stadler gestärkt werden. Dem Audi-Chef, heißt es in Konzernkreisen, werden die jüngsten Defizite der Marke nicht angelastet. Er gilt weiterhin als einer der möglichen Nachfolger von Martin Winterkorn.

Die neu besetzten Vorstandsposten sind heikel. "Einerseits wird von Audi eine eigenständige Entwicklung erwartet, auf der anderen Seite steht die Marke mehr denn je unter der Aufsicht der Wolfsburger Konzernmutter", sagt Stürmer. Audi verdient zwar das meiste Geld für die VW-Zentrale in Wolfsburg, die sie in Ingolstadt despektierlich "Sibirien" getauft haben. Trotzdem muss die Tochter sich am Ende technisch einreihen, damit der Konzern die Skaleneffekte ausnutzen kann. Alleingänge, wie sie einst Piëch und Winterkorn in ihrer Zeit bei Audi pflegten, sind heute kaum noch möglich.

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Auch beim Leichtbau läuft es nicht rund

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  • Sicherlich sind solche alleingänge,wie in früheren Zeiten nicht mehr ganz möglich,dies zeigt jedoch das die Herren W. und P. einen "Hintern in der Hose hatten" und die Ideen und Veränderungen für Audi durchgedrückt haben,mit Erfolg.
    Auch ein jetziger Designer und Entwicklungsleiter hat und kann seine Ideen umsetzen,nicht so einfach wie früher, aber wenn es das Produkt voranbringt steht diesem nichts im wege.
    Und es gibt sehr viele "Veränderungswürdige und Verbeserungswürdige" Komponenten .
    Was dem Audi fehlt ist im Kleinwagenbereich die "Volksnähe"mit der Kennung
    A Außergewöhnlich
    U Unbeschreiblich
    D Durchdacht
    I Informativ
    um Kunden aus dem Segment anderer Hersteller als Käufer zu gewinnen.
    Ein Audi ECO sollte geschaffen werden,als das Einstiegsmodell.z.b. mit 3 Zylinder Dieselmotor.Der Wirkungsgrad des 3 Zylinder Motors ist besser wie der vom 4 Zylinder.Leichtere Bauweise,weniger Produktionskosten aufgrund weniger Teile und Montagezeit und ein geringerer Verbrauch/Umweltbelastung ist schon der "Vorsprung durch Technik".
    Umweltbewußtsein muß auch mit der heutigen Technik bei Tempo 180 kein Fremdwort sein.Es gibt viele mittel und möglichkeiten gerade dort den Schadstoffausstoß zu verringern,ohne Leistung zu verlieren.
    Was den Leichtbau angeht,so ist Carbon sicherlich gut,aber noch teuer.Man kann und sollte auch andere Wege beschreiten,um Gewicht zu sparen, eine leichtere Karosserie mit Sicherheits Fahrgastzelle zu entwickeln deren eigenschaften den derzeitigen überlegen sind.
    Was Elektromotoren angeht sollte man sich Motoren der Firma Piller anschauen.Vom Wirkungsgrad sehr hoch ,langlebig und absolut effizient.Auch vermisse ich im Antriebstrang vieler "Elektroautos" einen Freilauf der je nach Fahrweise zwischen 5 und 8 % Energie spart.Diesen könnte man übrigens auch in Schaltgetriebe integrieren .
    Wie war das in der Werbung:"Es gibt viel zu tun ,packen wir es an".

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